
Ich bin in einem Lebensabschnitt angekommen, in dem ich mir nicht nur erlaube, zu sein – sondern zu sein, wie ich bin: ohne Apologie, ohne Verbeugung vor den unausgesprochenen Erwartungen anderer. Es ist eine Haltung, die sich nicht über Nacht gebildet hat, sondern das Ergebnis jahrelanger Selbstbeobachtung, innerer Konfrontation und eines tiefen Wandels ist. Ein Wandel, der nicht zuletzt durch meine Ertaubung und meine chronische Autoimmunerkrankung beschleunigt und vertieft wurde.
Diese biografischen Einschnitte haben mir eine unmissverständliche Lektion erteilt: Zeit, Kraft und seelische Integrität sind keine unendlichen Ressourcen. Sie sind kostbar, verletzlich – und sie gehören in erster Linie mir. Es ist meine Verantwortung, sie zu wahren und zu gestalten.
Früher, und dies sage ich ohne Bitterkeit, war ich eine Meisterin der Anpassung – ein klassischer People Pleaser. Ich definierte meinen Wert über die Resonanz im Außen, über die Zuneigung, Zustimmung und Anerkennung anderer. Ich war geübt darin, die Schwingungen des Gegenübers zu erspüren und meine Gestalt so zu formen, dass sie gefällig erschien. Damals war mir nicht bewusst, dass diese Anpassungsleistung oft mit der Preisgabe meiner eigenen Bedürfnisse einherging.
Heute ist das anders.