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Die große Lauf-Odyssee – oder: Wie ich zur gehörlosen Dampflok im T-Rex-Modus wurde

Man riet mir neulich mit einer jener fröhlich-dogmatischen Überzeugungen, die Menschen entwickeln, sobald sie drei Tage sportliche Aktivität hinter sich haben:

„Fang auch mit dem Laufen an! Das befreit Körper und Geist, kräftigt die Muskeln, löst Blockaden, schenkt Energie und wirkt typhotonisch!“

Ich nickte höflich, während ich innerlich schon logistisches Krisenmanagement betrieb.

Denn, Hand aufs Herz: Wohin mit meinen Brüsten?

Newton und Biologie haben nun einmal eine enge Kooperation, und beim Laufen erinnert mich diese Allianz mit ungebetener Deutlichkeit daran. Ohne adäquaten Sport-BH laufe ich nicht wie eine gazellengleiche Göttin, sondern wie ein T-Rex, der verzweifelt versucht, seine Anatomie zu stabilisieren.

Mein inneres Wiesel hingegen – dieser enthusiastische, promissorische Motivationsclown – war sofort entzückt.

„Wunderbar! Das klappt! Wir werden zur Lauf-Ikone! Drei Kilometer, fünf Kilometer, Marathon! Wir sind bereit!“

Ein Anblick so rührend, dass man ihm beinahe sagen möchte, dass die Realität der weiblichen Anatomie ein gewissermaßen härteres Reglement pflegt.

Ich selbst blieb die Stimme der Vernunft. Ein guter Sport-BH ist Gold wert – ein tragwerkarchitektonisches Wunderwerk, das Stabilität und Würde vereint. Leider besitze ich gerade keinen.

Also wird es nun ein Umherhopeln im T-Rex-Modus, ein Anblick für Götter, ein Bild, das seinesgleichen sucht – und glücklicherweise kaum findet.

Und so starte ich los, die Ärmchen vor dem Körper gepresst wie eine panische Amphore.

Doch siehe da: Es klappt erstaunlich gut.

Schritt für Schritt, meterweise, und nach drei Metern bin ich innerlich euphorisch. Das Wiesel veranstaltet bereits eine flamboyante Party, erfindet Heldensagen und tanzt ekstatisch Polka.

Unsere Wasserbüffelin hingegen hebt eine Augenbraue und mahnt zu validem Realismus: „Atme. Spüre deine Grenzen. Feiere erst, wenn du nicht gleich umfällst.“

Nach den ersten hundert Metern wird mir klar: Sport dient der Gesundheit, aber nicht zwingend der organischen Kohärenz.

Mein rechter Lungenflügel – dramatisch wie ein Operntenor – scheint sich verabschiedet zu haben.

Er liegt wohl irgendwo auf der Strecke, zwischen Abzweigung und Wanderbank, und wartet darauf, dass man ihn höflich zur Seite schiebt.

Nicht treten bitte.

Er ist empfindlich.

Doch es geht weiter, denn jetzt beginnt der akustische Teil des Dramas:

Ich höre mich.

Also versuche ich es zumindest.

Mit Hörlibert höre ich vor allem Wind.

Wind in der Intensität eines göttlichen Wetterereignisses. Dazu rutscht er seitlich, als hätte er ein eigenes Bewegungsprofil entwickelt. Stirnband? Mütze? Alles juckt, sobald man sich bewegt. Also wandert Hörlibert in die Tasche.

Hörmine bleibt übrig – meine stoische, vollimplantierte Heldin.

Nur ist Hermine fürs Laufen ebenfalls keine ideale Gefährtin. Zumindest nicht im Moment…. Denn: Sie ist ehrlich. Und diese Ehrlichkeit tut weh.

Denn plötzlich klingt es wie ein walrossartiges Dampflok-Duett.

Bis ich merke:

Das bin ich. Autsch

Diese akustische Mischung aus verzweifeltem Atem, rhythmischem Poltern und innerem Erdbeben ist meine eigene Performance.

Ich höre jeden Schritt, jedes Beben, jedes Schnaufen, als stünde ich neben einer hochdramatischen Tier-Dampflok-Symbiose. Es ist nicht schön. Nicht einmal ansatzweise heroisch.

Also schalte ich auch Hörmine aus – aus Gründen der Würde und akustischen Selbstfürsorge.

Nun laufe ich also gehörlos.

Und während ich in wohltuender Stille dahintrabe, hatte ich eines vergessen:

Die anderen hören mich sehr wohl. (Nochmal autsch)

Und so renne ich, keuche, schnaufe, röchle – eine Dampflok mit Walrossanteilen, ein T-Rex der Selbstoptimierung, ein prähistorisches Wunder des Willens.

Die Ärmchen vor dem Körper, der Lungenflügel irgendwo am Wegesrand, das Wiesel euphorisch, die Wasserbüffelin stoisch, ich selbst in einem Zustand zwischen Kollaps und Pathos.

Und die Menschen?

Sie starren.

Verwundert.

Irritiert.

Bedauernd.

Fasziniert. (Ich glaube einer ruft einen Priester, zum Exorzismus)

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