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Wenn Worte verletzen, wo eigentlich Halt sein sollte

Es sind selten die großen Dinge, die erschüttern.

Nicht immer die Diagnose, nicht zwingend der nächste Arzttermin, nicht einmal die erneute Einweisung in eine Klinik.

Es sind die Sätze dazwischen.

Beiläufig hingeworfen, oft ohne böse Absicht – und doch von bemerkenswerter Schärfe.

„Immer hast du irgendwas.“

„Was ist denn jetzt schon wieder?“

Man könnte sie als flüchtige Ungeduld abtun.

Als menschlich, als verständlich vielleicht.

Und doch tragen sie eine leise, aber insistierende Botschaft in sich:

Dass das, was geschieht, zu viel ist.

Zu oft.

Zu störend.

Chronisch zu erkranken bedeutet jedoch nicht, „immer etwas zu haben“, als handele es sich um eine Laune, eine überzeichnete Befindlichkeit oder gar eine Form subtiler Aufmerksamkeitssuche.

Es bedeutet, in einem Körper zu leben, der sich der eigenen Planung entzieht.

Ein Körper, der nicht linear funktioniert, sondern in Wellen. In Brüchen. In unberechenbaren Übergängen.

Symptome kommen und gehen.

Schübe überfallen einen wie ungebetene Gäste.

Der Kalender füllt sich nicht mit Belanglosigkeiten, sondern mit Notwendigkeiten: Arzttermine, Reha-Maßnahmen, klinische Abklärungen.

Kein Mensch wählt das.

Und doch muss man damit leben.

Gerade in einer Phase wie der Perimenopause, in der das eigene System ohnehin oszilliert, hormonell, emotional, körperlich, verliert sich die Geduld mit jenen, die dieses Erleben bagatellisieren.

Nicht aus Überempfindlichkeit – sondern aus wachsender Klarheit.

Denn was hier geschieht, ist mehr als ein unbedachter Satz.

Es ist eine Form der Entwertung.

Eine leise Geringschätzung dessen, was ohnehin Kraft kostet.

Mein inneres Wiesel – sonst gern ironisch, bisweilen sarkastisch, gelegentlich von hyperaktiver Energie durchzogen – kennt in diesen Momenten wenig Milde.

Und vielleicht ist das gut so.

Denn es markiert eine Grenze.

Eine Grenze zwischen dem, was ich tragen muss –

und dem, was ich mir von außen nicht auch noch aufladen lasse.

Dabei wäre es so einfach.

Fast beschämend einfach.

Ein Satz wie:

„Ich wünsche dir viel Kraft.“

„Du schaffst das.“

„Ich bin da.“

„Gute Besserung.“

Keine elaborierten Formulierungen.

Kein rhetorisches Feuerwerk.

Nur ein Minimum an Empathie – mit maximaler Wirkung.

Es ist bemerkenswert, wie sehr Worte Räume verändern können.

Wie sie entweder Distanz schaffen oder Nähe ermöglichen.

Wie sie verletzen – oder tragen.

Und vielleicht liegt genau darin eine leise, aber promissorische Hoffnung:

Dass Menschen lernen können.

Dass sie begreifen, dass Anteilnahme keine große Kunst ist, sondern eine Frage der Haltung.

Ich jedenfalls habe aufgehört, darüber hinwegzulächeln.

Nicht aus Härte.

Sondern aus Selbstachtung.

Denn wer ohnehin täglich mit einem Körper ringt, der seine eigenen Regeln schreibt,

der darf erwarten, dass ihm zumindest im Zwischenmenschlichen kein zusätzlicher Widerstand entgegenschlägt.

Vielleicht ist das die eigentliche Bitte, leise formuliert und doch von bemerkenswerter Tragweite:

Sei nicht genervt.

Sei nicht abwertend.

Sei einfach menschlich.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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