
Es gibt im Leben jene Momente, in denen der Körper eine kleine, sehr entschlossene Intervention einlegt. Keine höfliche Anfrage, keine diplomatische Vorwarnung – eher eine resolute Notiz im Stil eines amtlichen Bescheids: „Bis hierhin und keinen Millimeter weiter.“
Drei kleine Knöchelchen gebrochen inklusive einer eine Radiusfraktur – medizinisch betrachtet ein überschaubares Malheur. Schmerzhaft, gewiss. Unangenehm, zweifellos. Aber tragisch? Nein. Eher eine jener Episoden, in denen der menschliche Organismus mit bemerkenswerter Deutlichkeit darauf insistiert, dass auch die robusteste Selbstverständlichkeit – etwa zwei funktionierende Hände – keineswegs selbstverständlich ist.
Was allerdings sofort exponiert zutage tritt, ist die plötzliche Einschränkung der Autonomie.
Man greift.
Automatisch.
Reflexartig.
Und erst im nächsten Augenblick meldet sich der Schmerz – präzise, stechend, fast didaktisch. Ein kurzer elektrischer Hinweis aus der anatomischen Abteilung: Das war keine gute Idee.
In diesem Moment erhebt sich, wie so oft, das innere Wiesel.
Es faucht. Mit einer Mischung aus Sarkasmus und pädagogischer Strenge.
„Lernen durch Schmerz, ja? Dann lern bitte auch etwas dabei. Sonst ist es nur – nun ja – unerquicklich - einfach doof.“
Die Wasserbüffelin hingegen reagiert mit jener stoischen Gelassenheit, die ihr eigen ist. Sie hebt kaum merklich die Schultern, neigt den Kopf und nickt. Kein Drama. Keine Moritat. Nur eine stille Feststellung der Sachlage.
Und die lautet in etwa so:
Der Mensch benutzt ständig beide Hände, ohne es zu bemerken.
Greifen. Stützen. Öffnen. Halten. Stabilisieren. Ausbalancieren.
Erst wenn eine ausfällt, wird diese stille Koordination sichtbar. Plötzlich wird jede kleine Handlung zu einer mikrochirurgischen Operation der Alltagslogistik.
Flasche öffnen.
Pullover anziehen. Hosenknopf schließen.
Tasche tragen.
Türgriff drehen.
All das entpuppt sich als erstaunlich komplexe Kooperation zweier Extremitäten, die bisher ohne großes Aufsehen ihre Arbeit verrichtet haben.
Und so sitzt man schließlich da.
Der Arm hochgelagert.
Die Bewegungen vorsichtiger.
Der Abend etwas ruhiger als geplant.
Das Wiesel grummelt noch ein wenig vor sich hin.
Die Büffelin nickt weiterhin stoisch.
Und irgendwo zwischen Schmerz, Ungeduld und einem leisen Anflug von Selbstironie entsteht eine jener kleinen Lektionen, die das Leben so gerne erteilt:
Der Körper kann uns erstaunlich lange tragen.
Aber manchmal verlangt er – durchaus mit Nachdruck – eine Pause.
Nicht als Strafe.
Eher als Erinnerung.
Dass auch Energie, Wille und Tatendrang gelegentlich einen Gegenpol brauchen: Geduld.
Und vielleicht, nur vielleicht, wird das Wiesel morgen etwas weniger fauchen.
Die Büffelin jedenfalls hat den Abend bereits akzeptiert.
—
Bleibt's xund, eure Frau Kruemelkuchen