
In der Beratung und Begleitung von Menschen mit ADHS begegnet uns oft ein Phänomen, das wir als „Defizit-Tunnel“ bezeichnen können. Durch jahrelange Erfahrungen von Ausgrenzung, vermeintlichem Scheitern und dem ständigen Kampf gegen die eigene Neurobiologie rücken die vorhandenen Ressourcen oft komplett in den Hintergrund. Doch systemische Arbeit bedeutet, den Blickwinkel radikal zu verschieben: weg von der Frage „Was stimmt nicht mit mir?“ hin zu „Was trägt mich bereits, und wo liegen meine verborgenen Kraftquellen?“.
Um diesen Prozess für Klientinnen sichtbar und greifbar zu machen, habe ich die Ressourcen-Landkarte entwickelt. Dieses Tool dient als Navigationssystem durch das eigene Unterstützungsnetzwerk und die internen Stärken-Depots. Denn bei ADHS ist eine Ressource nicht einfach nur ein Hobby oder ein Talent – sie ist oft eine notwendige Überlebensstrategie des Nervensystems.
Das Nervensystem als Kompass
Ressourcenarbeit bei Neurodivergenz muss immer die Biologie mitdenken. Eine Umgebung, die für eine neurotypische Person entspannend wirkt, kann für ein ADHS-Gehirn purer Stress sein. Daher unterteilt die Ressourcen-Landkarte die Kraftquellen in verschiedene systemische Ebenen:
Interne Ressourcen (Die Hardware): Hierzu gehören Fähigkeiten wie der Hyperfokus, das divergente Denken oder die schnelle Auffassungsgabe. Es geht darum, diese Merkmale nicht mehr als „Symptome“ zu werten, sondern als funktionale Werkzeuge.
Soziale Ressourcen (Das Dorf): Wer sind die Menschen, bei denen „Masking“ nicht notwendig ist? Wo findet Co-Regulation statt? Ein unterstützendes Umfeld ist die wichtigste Bremse für das chronisch überreizte Nervensystem.
Strukturelle Ressourcen (Die Hilfssysteme): Hier betrachten wir ganz pragmatisch, welche Tools den Alltag entlasten. Das reicht von digitalen Helfern bis hin zu delegierten Aufgaben im Haushalt oder Beruf, die den präfrontalen Kortex schonen.
Die Landkarte als dynamisches Tool
Die Arbeit mit der Landkarte ist kein einmaliges Abhaken von Punkten. Sie ist eine Einladung zur Biografie-Arbeit. Viele Frauen mit ADHS haben im Laufe ihres Lebens beeindruckende Kompensationsmechanismen entwickelt. In der Ressourcen-Landkarte lernen sie, diese Mechanismen als das zu sehen, was sie sind: Zeichen von enormer Resilienz und Kreativität.
Indem wir diese Landkarte Schritt für Schritt ausfüllen, verlassen wir das Narrativ der „Inkompetenz“. Wir machen sichtbar, dass ein Leben mit ADHS kein Mangel an Ressourcen ist, sondern oft ein Mangel an einer Umgebung, in der diese Ressourcen wirksam werden können.
Exklusiv für meine Unterstützer:innen:
Unten findet ihr die vollständige „Ressourcen-Landkarte“ sowie das ergänzende Arbeitsblatt „Meine Unterstützungssysteme“ als hochwertiges PDF-Set zum Download.
Das Set beinhaltet:
Die visuelle Landkarte zur Strukturierung interner und externer Kraftquellen.
Einen Reflexionsleitfaden zur Identifikation von „Energiefressern“ vs. „Energiespendern“.
Konkrete Impulse für die systemische Arbeit, um Unterstützung im Arbeitsumfeld und Alltag aktiv einzufordern.
Dieses Material unterstützt euch dabei, den Fokus in der Selbstberatung oder im Coaching wieder auf das zu lenken, was bereits da ist und wachsen darf.
Urheberrechtshinweis: Dieses Material ist geistiges Eigentum von Nicole Grabe. Die Nutzung ist für den privaten Gebrauch sowie für die Arbeit im Einzelcoaching gestattet. Eine kommerzielle Nutzung (Verkauf der Vorlagen oder Integration in eigene kostenpflichtige Online-Kurse) ist ohne schriftliche Zustimmung nicht erlaubt.