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Wie hält man eigentlich seinen Selbstwert hoch?

Wir hätten da ein, zwei Profi-Tipps für schlechte Tage…

 Silvia Fauck ist psychologische Beraterin, Coach und Mediatorin und betreibt seit 2001 die deutschlandweit bekannte Liebeskummerpraxis mit Zentrale in Berlin. Sie hat den Liebeskummer enttabuisiert, denn sie sagt, wie es ist! Bücher geschrieben hat sie auch jede Menge, aber besonders charmant ist ihr pragmatischer Ansatz, den sie gerne auch immer wieder in Fernsehen und Print zum Besten gibt. RTL hatte sich schon sein zweites Wohnzimmer bei ihr eingerichtet. Silvia Fauck sieht sich selbst als Lebens- und Herzencoach. Wir hätten da ein paar Fragen…

 

Viele Frauen zeigen sich so nach außen so stark, fühlen sich aber innerlich eher klein. Warum passiert das überhaupt? Warum machen wir das, Silvia?

 Ganz einfach: Männer geben es nur nicht zu und überspielen es. Ein Mann bekommt auch eher einen Herzinfarkt als eine Frau, weil er nicht zu seinen negativen Dingen steht.

Nach außen funktioniert das super, da kannst du die Insta-Posts machen, wenn du gut drauf bist, wenn die Haare sitzen. Da sieht ja keiner, dass du Magenschmerzen oder Kummer hast und traurig bist. Du kannst es da überspielen. Ich bin 72 und ich kenne keine Frau, die in den Medien herumturnt, die immer gut drauf ist und einen mega Selbstwert hat. Es ist egal, was optisch los ist, die Frauen sind vielleicht geschieden und denken, ich war nicht gut genug für die Ehe. Oder sie sind Single, dann kriegen alle Kinder und man fällt in sich zusammen, denn da tut sich nichts.

Ich denke, die Selbstwertschwankungen kommen auch durch all die Veränderungen der letzten 5 Jahre:  Wir stehen so unter Druck, und zwar in vielen Bereichen.

Natürlich machen sich Frauen ohnehin schon selbst so viel Druck. Es wird aber auch von außen verlangt, dass alles immer tiptop ist: Wir wollen gut aussehen, eine tolle Familie haben, ein tolles Auto fahren, junge Frauen, so von 20-45, sollen bitte alle einen super Job haben, wollen genauso gut im Job sein wie ein Mann, auch finanziell. Heutzutage haben Frauen auch den finanziellen Druck, den Familiendruck, und den optischen Druck. Und den im Job. Denn heute macht ja jeder alles. Es mag altmodisch klingen, aber früher sorgte der Mann für das Geld, die Frau für den Haushalt. Und dass jetzt muss jeder alles machen muss, finden wir fortschrittlich und feministisch. Das ist es aber gar nicht. Es führt zu Unzufriedenheit. Und irgendwann zu körperlichen Schäden.

Früher konnte man sich verwirklichen, jetzt sind die Rechnungen höher geworden. Man kommt mit den Zahlungen nicht mehr hinterher. Der Druck ist so hoch geworden. Die Welt hat sich gedreht. Inzwischen fühlen wir alle Druck. Und da wären wir wieder beim Selbstwert- der muss ja leiden, denn wir kommen eigentlich nicht mehr hinterher.

 Was ist deiner Meinung der größte Killer des eigenen Selbstwertes? Vergleiche? Social Media?  

 Beim privaten Selbstwert ist das Schlimmste, sich zu vergleichen. Zukunftsängste sind was anders. Nicht gut genug zu sein ist schlimmer. Frau Schmidt von gegenüber ist immer schlanker, klüger, besser. Wir messen uns mit anderen und denken, die sind besser, das stimmt aber nicht. Das habe ich in meinem Job gelernt. Ich habe früher auch gedacht, wenn ich wen im TV gesehen habe, der ist toll, ein toller Mann, ein tolles Leben. Dann war ich bekannt und hatte den Menschen plötzlich als Klienten auf dem Sofa sitzen. Und da dachte ich, den will ich gar nicht haben. Man kann bei Social Media gar nicht hinter die Kulissen schauen- da sieht man ja nicht , wie es wirklich ist. Also: Bitte nie vergleichen, denn man weiß ja gar nicht mit was!

 Wie fängt man an, seinen Selbstwert aufzubauen, ohne sein Leben umzukrempeln?

Als erstes: Kein Mensch soll sein Leben komplett umkrempeln. Das geht nur 3 Wochen gut und dann sind die alten Muster wieder da. Aber um mal sich zu spiegeln, habe ich früher meine Klienten immer aufschreiben lassen, was sie in ihrem Leben schon geleistet haben. Dazu gibt es eine Übung mit dem klangvollen Namen: Der Lebenszollstock. Da fängt man an mit dem Tag der Geburt, dann 10 Jahre später, wieder 10 Jahre, bis du 40 bist, dann hat man 4 Spalten. Und dann kann man mal schauen, was man ab seiner Geburt, als man noch bei Oma und Opa auf dem Schoß saß, über das Studium bis hin zum tollen Job und Partner alles gewuppt hat, was man so im Alltag vergisst. Das Gift ist nämlich der Alltag. Man sieht nämlich nur noch den Stress:  Morgen muss ich diese Terminagenda ableisten und dann diese hohe Rechnung, das Konto ist schon leer, dabei ist noch so viel Monat übrig. Wir entspannen nicht mehr. Und reflektiert sind wir leider auch nicht mehr genug. Einfach mal zurückblicken und staunen: Vielleicht habe ich eine Scheidung gut überwunden, habe meine Eltern noch und mich befreit. Es gibt soviel Positives, das einen dorthin geführt hat, wo man ist. Man muss es nur sichtbar machen. Das gilt auch für das schlechte Gewissen, das wir Frauen immer mit uns herumschleppen, und Kindheitstraumata. Beides müssen wir irgendwann ablegen, aber daran kann man ja wunderbar arbeiten. 

 

Grenzen setzen ist ja auch so ein Thema?

Wenn ich ein starkes Selbstwertgefühl habe, kann ich Grenzen setzen. Wenn ich keins habe, laufe ich eher unter den Teppich, bevor ich meinem Chef oder meiner Familie eine Grenze setze. Da empfehle ich mit kleinen Dingen zu üben: Was würde ich gerne ändern? Ich würde gerne 500 Euro mehr verdienen, zu Hause würde ich gerne weniger machen, einfach mit kleinen Dingen anfangen. Und dann Nägel mit Köpfen, abends mit der Familie zusammensetzen und deutlich sagen: „Ich wünsche mir eure Hilfe. Ich kann nicht mehr, ich schaff das nicht mehr!“  Und dabei nicht meckern und anprangern, dass nie die Spülmaschine ausräumt oder der Müll nicht rausgebracht wird. Klarheit hilft immer! Eine Klientin war Managerin einer Praxis und hatte so viele Fortbildungen gemacht, dass ihr Job mittlerweile unterbezahlt war. Sie hat es dann geschafft, mit ihren Chefinnen zu sprechen und genau das zu formulieren. Sie hat nicht nur 400, sondern 500 Euro mehr Gehalt bekommen. Natürlich funktionieren Dinge nicht jeden Tag gleich. Wichtig ist, nicht zurückzukippen. Denn hat man mal keine Grenze gesetzt, dann wird es die Woche danach wieder besser. Sich auch mal gönnen, zu sagen, heute kann ich es nicht. Das ist auch okay. Dann hauen wir halt nächste Woche wieder auf den Tisch. Ich kann es auch in drei Tagen machen, wenn ich wieder mehr Kraft habe.

 Was hilft, wenn man sich gerade gar nicht leiden kann?

Ich bin ein Blumenfreund. Ich muss immer die Wohnung schön haben, da müssen frische Blumen stehen. Andere müssen in die Badewanne, sich was gönnen, einkaufen, das reicht auch. In ein Café zu gehen, mit dem Plan, sich jetzt 20 Minuten einen Kaffee für sich allein zu gönnen. Vielleicht kaufe ich mir noch einen schönen Duft. Grundhaltung: Die sollen mich mal alle an den Füßen lecken. Sich selbst in den Fokus rücken und sich etwa Gutes tun. Wenn man mal einen schlechten Tag hat, einfach losgehen. Einfach durchstarten. Und dann freue ich mich wieder auf den Abend vor dem TV mit der Wärmflasche.

 

Was wäre der eine Satz, den sich jede Frau über den Spiegel hängen sollte?

„Ich bin gut so wie ich bin!“

 

Wer Kontakt zu Silvia aufnehmen möchte, findet sie hier:

www.liebeskummer-praxis.de (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie MINDSET & PERSPEKTIVE

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