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GUT GEALTERT

SACHBUCH-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)

Konrad Adenauer wurde oft wenig schmeichelhaft, aber dennoch zutreffend, als „der Alte“ bezeichnet. Selbst heute und nach einer möglichen Rentenreform in den kommenden Jahren wäre er bei Amtsantritt als Bundeskanzler 1949 bereits jenseits des Rentenalters gewesen und schied mit fast 90 Jahren nicht ganz freiwillig, aber dennoch geistig offenbar einigermaßen fit aus dem Amt. Könnte er, hätte er über Joe Biden und Donald Trump und deren körperliche und geistige Konstitution wohl gelacht.

Was er wohl auch dieser Tage getan hätte: feiern, nämlich seinen 150. Geburtstag. Am 5. Januar 2026 wäre „der Alte“ in das methusalemische Alter von 150 Jahren vorgestoßen, aber sein Ableben vor rund 70 Jahren hat das doch verhindert. Umso mehr ein Grund, sich mit dem Leben und Wirken des „Alten“ zu befassen. Dazu eignet sich bestens die Biografie Konrad Adenauer – Kanzler nach der Katastrophe des Historikers Norbert Frei, die im Oktober 2025 bei C.H. Beck erschienen ist.

Adenauer war kein einfacher Mann, wie uns diese Biografie näher bringt. Viele aus meiner Generation, die um die deutsche Einheit herum geboren wurden, dürften die Jahreszahlen seiner Regentschaft (1949 bis 1963) zusammenbringen, vielleicht noch seine außenpolitischen Erfolge (Westbindung, NATO-Beitritt und Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, Freilassung der Kriegsgefangenen in Sowjetgefangenschaft). Viel mehr dürfte den meisten aber nicht mehr einfallen.

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Norbert Frei schafft hier Abhilfe. Bekanntermaßen liegen bereits viele Biografien zu Adenauer vor, auch dessen unvollendete Erinnerungsbände (derer sich Frei an vielen Stellen bedient) sowie einige sehr feine Fotobände. Aber im Angesicht der jüngeren Vergangenheit ist es eben doch sinnvoll (Öffnet in neuem Fenster), sich noch einmal neu mit dem Wirken und dem Vermächtnis des ersten Bundeskanzlers auseinanderzusetzen.

Genau das schafft Frei ganz eindrücklich. Wie von einem renommierten Historiker zu erwarten, taucht er tief in die Biografie des früheren Kölner Oberbürgermeisters ein, liefert Informationen zu dessen Leben bis einschließlich des Zweiten Weltkriegs – Zeiten, über die viele vieles wissen dürften, aber weniger, was Adenauer damals gemacht hat. Gleichermaßen fokussiert sich aber doch auf die Nachkriegszeit und Adenauers Wirken als Kanzler und CDU-Vorsitzender bzw. dem nicht ganz ereignislosen Weg bis dorthin.

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Das ist sehr informativ und liefert uns eine Menge an Erkenntnissen – und spart auch Fehler, Schwachstellen oder die ebenfalls überlieferte Sturheit „des Alten“ nicht aus. Es ist eine kritische Auseinandersetzung und Würdigung eines großen Staatsmannes, der Deutschland geprägt hat, wie nur wenige sonst.

Und es zeigt auch, dass Adenauer eben doch nicht die Lichtgestalt war, als die er gerade in der CDU (Öffnet in neuem Fenster) – ähnlich wie Helmut Kohl – oft verklärt wird. Im Gegenteil, Norbert Frei gelingt es in seiner Biografie aufzuzeigen, wo das Wirken Adenauers in der heutigen Politik vielleicht etwas mehr Beachtung finden sollte – und wo vielleicht auch Stolperfallen lauern, die die Bundespolitik aktuell umschiffen sollte.

HMS

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Eine Leseprobe findet ihr hier (Öffnet in neuem Fenster).

Norbert Frei: Konrad Adenauer – Kanzler nach der Katastrophe (Öffnet in neuem Fenster); Oktober 2025, 2. Auflage, 2026; 317 Seiten, mit 29 Abb.; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; ISBN: 978-3-406-83723-4; C.H. Beck Verlag; 29,90 €

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Kategorie Sachbuch

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