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Was ich beim Thema Konzentration übersehen habe

Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst. Woche für Woche finde ich heraus, was wirklich hilft gegen mentalen Dauerlärm. Heute: Wie ich aufgehört habe, gegen mich selbst zu kämpfen.

Hi!

Neulich saß ich am Schreibtisch und versuchte, mich zu konzentrieren. Durch die Wand hörte ich die Nachbarn streiten. Mein Handy brummte zum dritten Mal. Eine WhatsApp von meiner Mutter, eine Erinnerung für ein Parkticket, eine Mail vom Zahnarzt. Ich starrte auf den Bildschirm. Oft fühle ich in solchen Momenten wie eine Riesin, an der tausend kleine Zwerge zerren. Jeder Gedanke, jedes Geräusch ein weiterer Zwerg, der an meinem Ärmel ziehen.

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Wenigstens bin ich damit nicht allein. Als ich meine Freundin Judith neulich fragte „Wie schaffst du es eigentlich, dich zu konzentrieren?“, lachte sie bitter auf. „Konzentrieren? Ich sitze in Meetings und merke nach zehn Minuten, dass ich komplett abgedriftet bin. Gestern hab ich dreimal vergessen, warum ich in die Küche gegangen bin.“

Solche Gespräche höre ich ständig. Niemand, wirklich niemand sagt: „Konzentration? Kein Problem.“

Lange dachte ich, es läge an mangelnder Disziplin. Erst vor kurzem habe ich etwas gelernt, das mir wirklich hilft.

Irgendwann ist die Batterie leer

Konzentration bedeutet nämlich nicht nur, zu einer Sache Ja zu sagen. Also zu der, auf die ich mich konzentrieren will. Ebenso wichtig ist es auch Nein zu sagen – zu allem anderen. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht banal. Ist es aber nicht.

Es geht dabei nicht einfach um Willenskraft oder Disziplin. Nicht um ein hartes Nein zu allen Ablenkungen. Das ist nämlich oft erstaunlich ineffizient.

Wenn ich mir selbst befehle, meinen Hintern zu parken und mich auf eine Aufgabe zu konzentrieren wie ein Adler auf seine Beute, klappt das vielleicht eine Weile – aber es ist auch erschöpfend.

Das hat einen Grund. In der Forschung zu Willenskraft lautet eine Annahme, dass Willenskraft eine begrenzte Ressource ist, wie ein geladener Akku. Wenn wir Widerstand gegen Ablenkungen leisten, frisst dieser Widerstand, vereinfacht gesagt, die Energie des Akkus auf.

Ich habe einmal einen Deep Dive (Öffnet in neuem Fenster) dazu geschrieben (Artikel mit Bezahlschranke). Die Forschung ist ziemlich komplex, aber eine klare Erkenntnis lautet: „Einfach zusammenreißen“ ist kein gutes Rezept gegen Ablenkungen.  

Was natürlich eine komplett andere Botschaft ist als jene, die man Produktivitäts-Influencern hört.

„Unser Problem ist nicht Angst oder Dummheit, sondern mangelnde Selbstbeherrschung“, las ich erst kürzlich in einem Post. Das stimmt allein deswegen nicht, weil Menschen genetisch unterschiedlich stark mit Willenskraft ausgestattet sind, wie eine Meta-Analyse (Öffnet in neuem Fenster) gezeigt hat, die mehr als 30.000 Zwillinge betrachtet hat.

Wirklich hilfreich dagegen finde ich einen Tipp des bekannten Wissenschaftlers und Podcasters Andrew Huberman. Der Mann übertreibt es etwas mit der Selbstoptimierung, aber manche seiner Inhalte sind wirklich hilfreich. In einem seiner Videos (Öffnet in neuem Fenster) etwa erklärt Huberman, dass er jeden Tag versucht, zu 20 kleinen Ablenkungen und Impulsen Nein zu sagen. Auf diese Weise, meint er, trainiere man seine Impulskontrolle. Und so wird es mit der Zeit immer leichter, Ablenkungen zu widerstehen und konzentriert zu bleiben. Heißt: Jedes Mal, wenn du die Hand vom Handy wieder zurückziehst, jedes Mal, wenn du die Snackschublade in der Büroküche zuschiebst, ohne die Karamellnüsse rauszuholen, machst du eine geistige Kniebeuge. Irgendwann hast du gewissermaßen einen starken Impulskontrolle-Muskel.  

Mir hilft dieser Tipp. Die vielen kleinen Neins sind wie ein kleines Innehalten, so dass ich kurz die Chance zum Überlegen habe: Will ich jetzt auf diese Notification klicken? Oft will ich es eigentlich gar nicht. Dann Nein zu sagen erzeugt keinen Kampf mir selbst, sondern viele Mini-Erfolgserlebnisse, über den Tag verteilt. Ich kann sie definitiv brauchen. Mit jedem kleinen Nein schicke ich einen der nervigen Zwerge nach Hause.

Und hier noch ein Spickzettel für kleine Neins im Alltag: 

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