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Ein Abend im Theater – zwischen Kulturrausch und akustischer Prüfung

Wie die meisten schon wissen, gehe ich gerne ins Theater. Meine Leidenschaft ist die klassische Musik, aber auch das Schauspiel hat mich in seinen Bann gerissen.

Ein unglaublich tolles Essemble verzaubert das Publikum von der ersten Minute.

Wie es aber mit zwei Cochlea Implantaten ist, dazwischen zu sitzen und vielleicht nicht immer alles zu verstehen - erzähle ich euch heute:

Ich war auch da – im Theater. Schauspiel. Premiere.

Schon das Wort allein trägt etwas Feierliches, etwas Verheißungsvolles in sich, als rufe es mich heraus aus den Routinen von Logopädie, Reha und Hörtraining. Ich putze mich heraus, schminke mich mit jener Hingabe, die weniger Eitelkeit als Ehrfurcht ist, und trete ein in eine andere Welt: Samt, Licht, Stimmen, Erwartung. Kultur.

Doch auch Theater ist Training – Hörtraining, in seiner reinsten Form.

Denn schon im Foyer fordert mich die Welt heraus: Stimmengewirr, Gelächter, Gläserklirren, das raue Flirren menschlicher Nähe. Dort zu bestehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Aber ich bleibe – weil ich Kultur liebe, und das, was sie hervorbringt: Gedanken, Emotion, Kunst.

Und so hoffe ich jedes Mal, gerade beim Schauspiel, dass ich verstehe.

Dass Worte sich zu Sinn verweben, dass Pointen und Dialoge ankommen, bevor sie im Raum verhallen. Doch selbstverständlich ist das nicht – trotz Technik, trotz meiner beiden kybernetischen Verbündeten, die Tag für Tag das Unmögliche möglich machen.

Viele Pointen gleiten an mir vorbei wie Seifenblasen, die platzen, bevor ich sie greifen kann. Manche Kontexte entschlüpfen mir, trotz Telespule.

Denn Sprache auf der Bühne ist ein lebendiges Wesen – sie galoppiert, stolpert, flüstert, ruft. Sie springt nach hinten, zur Seite, ins Gegenüber, nie bloß nach vorn. Theater ist kein Vortrag, sondern ein atmendes Geflecht aus Bewegung, Klang und Emotion.

Und so oszilliert auch mein Verstehen – nicht willkürlich, sondern im Rhythmus der Szene.

Manches ist zu leise, zu schnell, zu undeutlich. Anderes schwingt sich in voller Klarheit zu mir herüber, trifft mein Ohr, mein Herz, mein Denken.

Schauspiel ist für mich ein beständiger Kampf ums Begreifen – und gleichzeitig ein Triumph des Dabeiseins.

Natürlich, mein Wieselchen – dieses reizbare, ungeduldige, stets wache Wesen – gerät in Wallung, wenn das Publikum sich vor Lachen auf die Schenkel klopft, während ich noch überlege, worüber eigentlich. Es zischt leise, stampft innerlich mit dem Fuß, will aufspringen und die Pointe einfordern, die ihm entgangen ist. Und doch, wenn der Moment kommt, in dem ich den Kontext erfasse, wenn sich die Bedeutung nachträglich entfaltet, hüpft es vor Freude, klatscht in die kleinen Pfoten und lacht mit – befreit, triumphierend, erleichtert.

Die Wasserbüffelin indes sitzt daneben – ungerührt, friedvoll, stoisch. Sie weiß, das auch der Kontext reichen kann.

Sie hat den grünen Tee auf dem Schoß, die Schultern gelöst, und atmet durch. Sie genießt die Atmosphäre, das Murmeln, die Bühne, die Energie des Augenblicks. Für sie ist jedes verstandene Wort ein Geschenk – kein Anspruch, sondern Gnade. Sie ärgert sich nicht über das, was entgleitet. Für sie gilt: Dabei sein ist alles.

Und vielleicht liegt genau darin die Schönheit des Abends.

Im Dazwischen.

Zwischen Klang und Stille, zwischen Nichtverstehen und Erkennen, zwischen Technik und Gefühl.

Denn wenn ich – trotz allem – lache, weil ich verstanden habe, oder lache, obwohl ich es nicht vollständig tat, dann ist das Theater nichts anderes als das Leben selbst: unvollkommen, flüchtig, anstrengend – und doch so wunderbar, dass man immer wieder hingeht.

Bleibts xund

Eure Frau Kruemelkuchen

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