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Zwischen Stille, innerem Getier und einer Frau namens Frida – eine Hommage an Mut, Klang und Überleben

Frida Kahlo

Es gibt Augenblicke, in denen ich am Küchentisch sitze, die Welt noch halb im Dämmer der Stille, halb im flimmernden Anlauf eines frisch aktivierten CIs, und mir denke: Frida hätte womöglich darüber geschmunzelt.

Nicht aus Herablassung, sondern aus jener klugen, unverschämt lebendigen Art, die sie zu einer Ikone des Unbeugsamen machte.

Diese Frau war ihrer Zeit nicht nur voraus – sie war ihr eigenes Zeitalter.

Eine Epoche mit Monobraue, Blumenkranz und widerständiger Schönheit. Ein flamboyantes Manifest gegen das Verstummen.

Hören als Flügelarbeit

Wenn ich morgens die Implantate einschalte, gleicht das zuweilen dem Moment, in dem Kahlo in sattem Rot und giftigem Türkis eine Leinwand betrat: ein Wagnis hinein in eine Realität, die man erst erlernen muss, ehe man sie souverän bewohnt.

„Pies, ¿para qué los quiero si tengo alas para volar?“ – „Füße, wozu brauche ich euch, wenn ich Flügel habe zum Fliegen?“

Mein Wiesel flippt in solchen Momenten zuverlässig aus, kreischt euphorisch durch die Innenräume meiner Psyche und versucht, möglichst alle neuronalen Synapsen auf einmal zu umarmen. “Sie hat Flügel gesagt - ich werde Fliegen…!”

Die Wasserbüffelin hingegen bleibt in ihrer majestätischen Gravität, kaut bedächtig auf einem metaphysischen Grashalm und kommentiert trocken:

„Kind… erst hören, dann hüpfen“

Zwischen diesem hyperaktiven Chaoswesen und der stoischen Ruhe der Büffelin finde ich mich selbst: eine Hörende im Werden, eine Chronikerin im Dialog mit einem Körper, der stets seine eigenen dramaturgischen Wendungen pflegt.

Warum sie malte – und warum ich schreibe

Was mich an Frida Kahlo immer wieder fasziniert, ist ihre radikale Konsequenz im Umgang mit Schmerz.

Sie malte nicht, um zu fliehen – sie malte, um zu bewahren. Um festzuhalten, was den Körper bedrohte, das Herz beschwerte und die Seele belastete.

Ihre Blumen lebten nicht, weil sie leicht waren, sondern weil sie in ihrer Farbenpracht gegen das Vergessen rebellierten.

„Pinto flores para que así no mueran.“ – „Ich male Blumen, damit sie nicht sterben.“

Und genau hier, in dieser stillen Rebellion, erkenne ich mein eigenes Tun. (Ich male nicht, und bin auch nicht sonderlich kreativ)

Ich schreibe, damit die Klänge nicht verschwinden.

Damit selbst jene Töne, die ich nicht mehr so höre wie früher, eine Heimat finden.

Damit der Weg – vom Verstummen über die Stille hin zum mühsam erkämpften Wiederhören – nicht in der Vergänglichkeit verschattet wird.

Du maltest, Frida, damit etwas bleibt.

Ich schreibe, damit es nicht untergeht. In erster Linie für mich und mit weitaus weniger Brillianz, als Frida, die sich mit ihrer Ausdruckskraft unsterblich machte.

Und vielleicht, nur vielleicht, nutzen wir beide Worte und Farben als Rettungsplanken, die uns im Strom der eigenen Verletzlichkeit tragen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht so anmaßend, mich mit der großen Kahlo zu vergleichen. Es geht mir darum, sie zu erfassen. Was fühle ich auch. Kann ich ihr Sein, ihr Schaffen und ihre Kunst, nachempfinden.

Wir alle neigen dazu in jedem der uns begegnet, etwas von uns zu finden. Wir spiegeln, gleichen ab. Können Gesagtes und Taten nachempfinden oder auch nicht.

Kahlo, der Schmerz und die innere Geografie

Kahlo wusste, dass Schmerz kein Feind ist, den man ignorieren kann, sondern ein Rohstoff.

Es ist diese rebellische Klarheit, die ich an ihr bewundere:

dass sie das, was andere verschwiegen, in Bilder presste, die selbst Jahrzehnte später noch leuchten.

Und so erinnert mich ihr Werk daran, dass auch meine Geschichte – die Autoimmunerkrankung, dir Ertaubung, das CI, das Lernen, die Stille, die Überforderung, das Wiesel, das an der Tischkante knabbert – erzählbar ist.

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