Das seltsame, widersprüchliche Abenteuer, ein Mensch zu sein
Eine Kolumne von Christina Emmer
#7 - Am eigenen Leben vorbei
Heute möchte ich gerne ausweichen.
Am liebsten wäre mir ein nettes, harmloses Thema.
Wetter zum Beispiel.
Obwohl… das taugt heutzutage für Small Talk ja gar nicht mehr.
Du weißt ja nie, wer Dir da gerade gegenüber steht.
Da kann ein harmloses Jammern über die Kälte/Hitze, den Regen oder den Schnee ganz schnell zum Verdachtsfall werden. Vielleicht ist man ja auch eine:r von denen, die tatsächlich an den Klimawandel glauben. Also an den menschengemachten versteht sich. Also eine:r von denen, die zu viele Fakten glauben, zu systemgläubig sind, vielleicht sogar gebrainwashed! Denn eigentlich gab es doch schon immer diese Sommer… mit Dürren, Waldbränden und Überschwemmungen…
Ok, ich weiche doch aus.
Wie wir es ja gerne tun, wenn die Gedanken gerade etwas berühren, was uns wirklich nahe geht. Sowas wie… unser eigenes Leben zum Beispiel.
Da findet sich ja auch reichlich Ablenkung. Unser Handy hält praktisch Dauerablenkung bereit. Und mit Nexflix und Co. kann man wunderbar das Leben und die Abenteuer anderer leben, ohne dabei auch nur von der Couch aufstehen zu müssen.
Dabei ist ja wirklich nichts gegen eine gute Serie einzuwenden. Ach so, ja stimmt, das Thema Ausreden hatten wir ja schon in der letzten Ausgabe (Abre numa nova janela).
Und ich weiche schon wieder aus.
Also worum geht es hier denn eigentlich?
Was ist so schwierig auszusprechen, dass ich mich derart gedanklich drum herum winde?
Was ist so schmerzhaft, weil es sich wie Scheitern anfühlt?
Ich bin ja im übrigen der Meinung, dass Scheitern völlig falsch bewertet wird. Ich bewerte es offensichtlich - obwohl ich mich schon seit Jahren darum bemühe - auch selbst noch falsch. Der Ruf des Scheiterns ist viel schlechter als verdient. Denn am meisten im Leben lernen wir …
Ich weiche aus.
Aber ich hab’s diesmal schon schneller gemerkt, hast Du es gemerkt? Das ist ja, was passiert, umso länger man sich mit sich selbst beschäftigt. Nach den ersten Erkenntnissen über die eigenen Fehlbarkeiten macht man es ja meist nicht direkt besser. Nur man erwischt sich immer schneller dabei!
Aber…
Nein, diesmal nicht.
Schließlich geht es um mein Leben.
Und das Thema ist:
ich weiche meinem Leben aus.
Nicht nur in dieser Kolumne.
Sondern so ganz in echt.
Mir das einzugestehen tut weh.
Ich drücke mich immer wieder vor dem, was ich eigentlich will:
Ein Leben im Wohnmobil.
Denn meine Wohnung ist zu eng.
Und mein Job zu stabil.
***
Alles Liebe
Christina
PS: Kennst Du das auch? Schreib mir gerne Deine Gedanken dazu in die Kommentare.
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