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The Wicker Man (1973)

Sergeant Howie, ein christlicher Polizist mit ordentlich Stock im Arsch, wird in ein schottisches Inseldorf geschickt, wo er nach einem vermissten Kind suchen soll. Bei seinen Nachforschungen fällt ihm ziemlich schnell auf, dass die Menschen des Dorfes dem Christengott abgeschworen haben und einem heidnischen Fruchtbarkeitskult angehören. Überall auf der Insel locken Howie Sexualität, Freiheit und Vitalität. Das kann der schamvolle Mann nur sehr schwer ertragen. Noch ahnt er nicht, dass er eine große Rolle in den Riten der Inselbewohner spielen wird.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Folk-Horrorfilmen bin. Ich feiere Filme wie The Witch (2015), The Ritual (2017), Apostle (2018), Midsommar (2019), Pelikanblut (2019) und Gretel & Hansel (2020). Doch diese Filme haben den Folk-Horror nicht erfunden (wenn auch wiederbelebt). Das Subgenre geht auf Werke wie Die schwarze 13 (1966), Der Hexenjäger (1968) und In den Krallen des Hexenjägers (1971) zurück. Aber vor allem steht das einzigartige Meisterwerk The Wicker Man aus dem Jahr 1973 für die Erfindung des Folk-Horrors. In dem britischen Spielfilm von Robin Hardy übernehmen Edward Woodward als Sergeant Neil Howie, Christopher Lee als Lord Summerisle und Britt Ekland als Willow MacGreagor die Hauptrollen.

Nach heutigem Empfinden ist er weniger Horrorfilm als mehr skurriles Folk-Musical mit Krimi-Elementen. Für christlich-konservative Zuschauer aus den 1970er-Jahren muss der Film mit seinen heidnischen Riten und der Nacktheit dagegen ein immenser Horror gewesen sein. Für viele andere war er eine Offenbarung, denn The Wicker Man ging in die Popkulturgeschichte ein. Zahlreiche Musiker ließen sich von seiner Thematik und dem Soundtrack inspirieren. Nicht nur die englische Neofolk-Band Nature & Organisation um Michael Cashmore, David Tibet und Rose McDowall, sondern auch die US-amerikanische Dark-Wave-Band Faith and the Muse coverten "Willow's Song" aus dem Film. Die Heavy Metal-Band Iron Maiden widmete dem Film sogar einen Song.

Doch nicht nur das: Seit 1986 findet einmal im Jahr im US-Bundesstaat Nevada in der Black Rock Wüste ein Festival namens Burning Man statt. Dort feiern freiheitsliebende Menschen mit viel Drogen, Kunst und Sex das Leben, so wie es die Inselbewohner in The Wicker Man taten. Dort wird immer am Ende des Festivals, wie im Film, eine riesige Holzfigur verbrannt (nur ohne lebende Opfergaben). Hierin zeigt sich auch eine von den Fesseln des Christentums befreite neuheidnische Bewegung, die ihren Ursprung in der Hippie- und Gegenkultur hat. Und für die Menschen dieser Subkultur muss der Film damals einer Epiphanie gleichgekommen sein, denn an ihm zeigt sich, wie heidnische Religion und Lebensart in der Moderne umgesetzt werden könnten. Das Dorf der heidnischen Inselbewohner ist nämlich kein altertümliches Heiden-Reenactment, wie man es zahlreich auf Mittelaltermärkten beobachten kann, sondern ein Ort der (damaligen) Gegenwart mit allen technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften einer aufgeklärten Moderne. Es verwundert also nicht, dass The Wicker Man in den neuheidnischen und spirituellen Szenen bis heute eine wichtige Rolle spielt.

Über die Wirkung dieses großartigen Films auf die Popkultur ließe sich noch eine Menge mehr sagen. Ich möchte es an dieser Stelle belassen und mit den Worten aus dem Song "The Wicker Man" von Iron Maiden schließen: "You watch the world exploding every single night. Dancing in the sun a newborn in the light. Say goodbye to gravity and say goodbye to death. Hello to eternity and live for every breath."

https://www.imdb.com/title/tt0070917/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film