Robert arbeitet als Reinigungskraft bei einer Firma, die sich auf Aufräum- und Säuberungsarbeiten nach Todesfällen spezialisiert hat. Es ist ein Traumjob für ihn, denn Robert ist nekrophil. Immer wieder entwendet er Leichenteile und bringt sie nach Hause, wo sich seine ebenso nekrophile Freundin Betty sehr über sie freut. Eines Tages bringt Robert einen kompletten, aber bereits leicht verwesten Körper mit, und das Paar hat einen Dreier mit dem Leichnam. Als Robert jedoch seinen Job verliert, brennt Betty mit dem begehrten Toten durch. Der zurückgelassene Robert verkraftet das nicht und versucht seinen Verlust durch Alkohol, Drogen, Gewalt und Sex zu verdrängen. Doch wahre Erfüllung und einen gigantischen Orgasmus kann Robert letztendlich nur im Suizid erleben.
Nekromantik ist ein 1987 gedrehter und 1988 erschienener Low-Budget-Horrorfilm von Jörg Buttgereit, der zu einer Zeit, als es kein professionelles deutsches Genre-Kino gab, im Alter von dreiundzwanzig Jahren diesen ikonischen Horrorklassiker im Super-8-Format realisierte. An seiner Seite standen Manfred O. Jelinski als Produzent und Franz Rodenkirchen als Co-Drehbuchautor. Daktari Lorenz und Beatrice Manowski spielen die Hauptrollen; Manowski ist später auch in Der Himmel über Berlin (1987), Manta Manta (1991) und Nekromantik 2 (1991) zu sehen.
Nekromantik ist ein polarisierendes, provokantes und transgressives Werk, das vor allem Anfang der 90er-Jahre Konservative, Feministinnen und andere Moralisten auf den Plan rief. Doch ein Antrag auf Indizierung von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wurde 1992 abgelehnt.
Über diesen Arthouse-Horror-Film, der Tod und Sex - Eros und Thanatos - so explizit und poetisch behandelt, ist viel geschrieben worden, daher werde ich mich auf meinen persönlichen Eindruck beschränken. Wer sich für die mannigfaltigen Interpretationen des Werks interessiert, dem empfehle ich das Buch "Nekromantik" von Jörg Buttgereit, der darin die Stimmen u.a. von Dietrich Kuhlbrodt, Linnie Blake, Christian Kessler und Marcus Stiglegger zu seinem Film sammelt.
Der Stil von Nekromantik ist zunächst gewöhnungsbedürftig, und ich hatte den Film nicht besonders eindrucksvoll in Erinnerung, doch wenn man sich auf ihn einlässt, wird man ein detailverliebtes Werk mit kunstvoller Bildsprache, einigen wirklich transgressiven Szenen und einem fantastisch gestalteten Leichnam erleben. Als Skelettliebhaber und Fan von abgründigen Sexspielen bin ich von der ästhetischen Inszenierung des morbiden Liebesaktes mit einem Toten fasziniert.
Dieser Streifen atmet die DIY-Mentalität der West-Berliner Punk-Szene. Ich liebe die Musik aus dieser Zeit, und Nekromantik passt bestens zur apokalyptischen und gesellschaftskritischen Stimmung des Undergrounds der 80er-Jahre. Auch die Filmmusik von Daktari Lorenz, John Boy Walton und Hermann Kopp unterstreicht diese Atmosphäre auf geniale Art. Nie war der deutsche Film abgründiger, subversiver und (nek)romantischer.
https://www.imdb.com/de/title/tt0093608/ (Abre numa nova janela)