Neonstadt präsentiert uns fünf Geschichten aus dem Münchner Großstadtleben der frühen 80er-Jahre. Die Episode "Verliebt, verlobt, BRD-igt" beleuchtet das Nachtleben in und um die damals angesagten Münchner Klubs und Kneipen. In "Star" erleben wir eine Telefonistin, die sich als Filmstar verkleidet und durch die Cafés der Stadt zieht. In "Running Blue" geht es um ein großes Waffengeschäft und "Panter Neuss" erzählt von dem schwierigen Verhältnis zwischen einem jungen Mann und seiner Mutter. In "Disco Satanica" wird ein bayerischer Jungbauer aus einer Schwabinger Disco geworfen, stürzt vor einen Bus und rächt sich danach grausam.
In dem deutschen Episodenfilm von 1982 inszenieren einige Nachwuchsregisseure und Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film München unter der Gesamtleitung von Eckhart Schmidt fünf Kurzfilme, die das Bild der No-Future-Generation im Münchner Nachtleben Anfang der 1980er Jahre nachzeichnen. Wir sehen hier eine ganze Riege von später bekannt gewordenen deutschen Film- und Fernsehschauspielern, wie Barbara Rudnik, Billie Zöckler, Axel Milberg, Lisa Kreuzer und Traute Hoess. In Nebenrollen und Cameos tachen die legendäre Christiane Felscherinow, Bernd Eichinger und Herman Weigel, der zwei Jahre später zusammen mit Wolfgang Petersen das Drehbuch von Die unendliche Geschichte (1984) schrieb, auf. Neben vielen anderen Musikstücken, stechen beim Soundtrack vor allem einige bekannte Songs von Fehlfarben, D.A.F., Joachim Witt und The Stripes (noch mit Nena als Sängerin) heraus.
Die erste Episode "Verliebt, verlobt, BRD-igt" von Gisela Weilemann ist schauspielerisch eher dürftig, die Story um die seltsamen Affären von zwei Punks erschloss sich mir nicht wirklich.
"Star" von Helmer von Lützelburg ist ein melancholischer Kurzfilm, der maßgeblich vom Spiel der Hauptdarstellerin getragen wird.
"Running Blue" vom späteren Meister des deutschen Polizeifilms Dominik Graf, der einige Tatort- und Polizeiruf 110-Folgen zu spannenden Filmen machen sollte, ist eine Hommage an den französischen Kriminalfilm.
Die vierte Folge "Panter Neuss" ist wieder punkiger und stammt von Johann Schmid. Fesseln konnte sie mich nicht wirklich.
Den Abschluss bildet der Horrorkurzfilm "Disco Satanica" von Wolfgang Büld. Dieser ist die unterhaltsamste Episode des Werks. Wolfgang Büld ist der heute wahrscheinlich bekannteste Regisseur von Neonstadt. Er inszenierte später Filme wie u.a. Gib Gas - Ich will Spaß (1983), Manta Manta (1991) und Penetration Angst (2003).
Zwischen Exzess und Ernüchterung, Punk und Disco, Neonstadt ist ein interessantes Zeitdokument aus den kreativen 80er-Jahren und zeigt das frühe Repertoire teils berühmter deutscher Filmemacher.
https://www.imdb.com/de/title/tt0084403/ (Abre numa nova janela)