In einem dystopischen Jahr 2012 ist die Gesellschaft in Schöne und Reiche sowie diskriminierte Mutanten mit körperlichen oder geistigen Behinderungen gespalten. Die militante Gruppe "Aktion Mutante", angeführt von Ramón Yarritu, entführt die Industriellentochter Patricia Orujo, um gegen das menschenfeindliche System zu kämpfen und Lösegeld zu erpressen. Die Flucht der chaotischen Gruppe, die stündlich kleiner wird, führt sie auf den frauenlosen Rohstoffplaneten Axturias, wo sich die unter dem Stockholm-Syndrom leidende Patricia mit notgeilen Minenarbeitern konfrontiert sieht. Patricias faschistoider Vater soll die hohe Geldsumme in einer schäbigen Bar Ramón übergeben, doch es kommt natürlich ganz anders.
Aktion Mutante ist eine spanische Science-Fiction-Horror-Komödie von 1993. Der mehrfach ausgezeichnete Film ist Álex de la Iglesias erster Langfilm, der seinen bekannten Werken El día de la bestia (1995) und Perdita Durango (1997) vorausging. In den Hauptrollen sehen wir Antonio Resines als Ramón Yarritu, Álex Angulo als Alex Abadie, Juan Viadas als Juan Abadie, Frédérique Feder als Patricia Orujo und Saturnino García als César "Quimicefa" Ravenstein.
Ich mag alte und neue Comic-Pulp-Hefte gleichermaßen. Die verrückte, trashige und sexualisierte Science-Fiction-Welt, in die wir hier eintauchen, erinnert mich an so manche Comic-Story aus dem berühmt-berüchtigten Weissblech Verlag. Álex de la Iglesia hat diese pulpige Science-Fiction-Welt wirklich großartig umgesetzt. Die Kulissen und die Ausstattung des Films zeugen von ästhetischem Gespür für derben Pulp, die Effekte sind gut gemacht, hier fließt das Blut und der Glibber literweise.
Aus heutiger Sicht ist die damalige Dystopie, die im Jahre 2012 angesiedelt ist, quasi wahrgeworden. Wir fliegen zwar noch nicht von Planet zu Planet, dafür wird im neuen Jahrtausend in den westlichen Demokratien wieder offen über die Aussortierung und Vernichtung von psychisch Kranken und Behinderten gesprochen. Die kapitalismuskritische und antiableistische Message von Aktion Mutante bekommt heute also eine noch größere Relevanz.
Leider nimmt sich der Film selbst nicht besonders ernst und schweift viel zu oft in überdrehten Klamauk ab. Mein Ding ist dieser spanische Hektiker-Humor überhaupt nicht, die tolle Stimmung, die das Setting, die Ausstattung und die Story erzeugen, wird dadurch unterminiert. Nichts gegen komödiantische Elemente in einem Trashfilm, aber guter Trash muss sich ernst nehmen - und dann scheitern. Die subversive Story und die überzeugende Optik machen Aktion Mutante dennoch zu einem gelungenen Film.
https://www.imdb.com/de/title/tt0106215/ (Abre numa nova janela)