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Ein Mann seiner Klasse (2024)

Für den zehnjährigen Christian ist der Sommer 1994 eine lebensentscheidende Zeit. Nicht allein, dass er in Kaiserslautern leben muss, seine Familie ist geprägt durch Bildungsferne, Armut und Gewalt. Sein alkoholabhängiger Vater schlägt und misshandelt seine Mutter, seine zwei Geschwister und ihn selbst. Früh sozialisiert durch Arbeiterstolz und Fußball, scheint Christian wenig Chancen auf ein glückliches Leben zu haben. Doch er ist gut in der Schule und erhält unerwartet eine Gymnasialempfehlung. Als seine Mutter an Krebs stirbt und der Vater zwei Wochen lang in der Kneipe verschwindet, ziehen Christian und seine Geschwister zu Juli, der Schwester der Mutter. Doch Christian ist ständig hin- und hergerissen zwischen seinem gewalttätigen Vater, von dem er sich emotional nicht lösen kann, und der Chance auf andere Verhältnisse, die ihm ein Leben bei Juli und das Gymnasium bieten.

Ein Mann seiner Klasse ist ein deutscher Fernsehfilm von Marc Brummund aus dem Jahr 2024. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans von Christian Baron. Hier wird in ungeschönten Bildern der Gewaltraum Familie gezeigt. Der Film macht die Chance auf Klassenaufstieg und den Ausweg aus dem Elend vor allem am Gymnasialabschluss und einer Tante fest, die dem jungen Christian Kultur jenseits von Horrorfilmen, Computerspielen und Fußball zeigt. Das erscheint mir etwas zu simpel dargestellt. Gelungen finde ich an Marc Brummunds Film dagegen, dass auch Christians Opas gezeigt werden. Das belegt gut die Tatsache, dass Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben und mit jedem Fortpflanzungsvorgang mehr Leid erzeugt wird. Schön ist auch, dass in Ein Mann seiner Klasse die 90er-Jahre mal nicht nostalgisch verklärt werden. Wer in der rheinland-pfälzischen Provinz in dieser Zeit aufwuchs, weiß, dass das alles andere als angenehm war.

Die Ereignisse der Kindheit Christian Barons werden im Film auf einen einzigen Sommer verdichtet, und das merkt man dem Werk leider auch an. Im Schnelldurchlauf wird die Familiengeschichte auf 90 Minuten gepresst, das wirkt an einigen Stellen wie eine bloße Aneinanderreihung von dramatischen und pathetischen Szenen und ist wohl dem Medium Fernsehfilm gezollt. Trotz einiger Schwächen ist das ergreifende Drama dennoch zu empfehlen.

https://www.imdb.com/de/title/tt32844073/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film