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Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #32 Schreib-Retreat

Idee: Dein Schreibretreat zuhause

- ein Tag für dich und dein Journal

Warum ein Retreat keinen Ortswechsel braucht

Ein Retreat, darunter versteht man in der Regel einen bewusst gewählten Rückzug aus dem Alltag. Nicht so sehr als „Weglaufen von“, sondern eher als eine Hinwendung zu mehr Stille und Bewusstsein. Die äußeren Reize werden bewusst leiser, um das eigene Innenleben wieder hörbar zu machen und eine Haltung der Entschleunigung einzunehmen. Es gibt Yoga-Retreats, Meditations-Retreats oder einfach nur Stille-Retreats – für gestresste Eltern und überarbeitete Manager oder einfach nur Menschen, die sich wieder bewusste Begegnung mit sich selbst wünschen. Das Ziel eines solchen Retreats ist meist ganz schlicht und doch tiefgreifend: Es geht darum, dem Alltag einen Moment dem Rücken zu kehren, aus dem Funktionier-Modus auszusteigen, um stattdessen Gedanken zu sortieren und Klarheit zu bekommen. Eine solche Auszeit bietet sich an, um einfach neue Kraft zu tanken oder aber in Schwellenmomenten des Lebens, um sich neu auszurichten.

Obwohl das natürlich sehr wohltuend ist, haben die meisten von uns wahrscheinlich zu selten die finanziellen und zeitlichen Kapazitäten, um sich regelmäßig einen solchen Rückzug vom Alltag zu gönnen, daher soll dieses Kapitel der Idee gewidmet sein, einfach regelmäßig sein eigenes „Schreib-Retreat“ zuhause abzuhalten mit derselben Zielsetzung und der gleichen Sehnsucht wie sie hinter jedem Retreat steckt: Der Sehnsucht nach Ruhe, Klarheit und Rückverbindung. Denn vielleicht ist es manchmal besser, sich ganz regelmäßig in den eigenen vier Wänden einen Tag bewusster Auszeit zu schenken als beständig darauf zu warten, dass sich Zeit und besondere Räume und Angebote öffnen. Denn: Was wäre, wenn ein einziger Tag reicht, um wieder bei dir anzukommen? Wie wäre es, wenn wichtiger als die perfekten Umstände die Entscheidung ist, sich das immer mal wieder wert zu sein?

Der Rahmen: Wie du dir deinen Retreat-Tag gestaltest

Wie kann sein solcher Retreat-Tag fürs Journaling nun konkret aussehen? Zunächst mal: wenn du Elternteil bist und in der Regel sehr eingespannt mit der Betreuung deiner Kinder, kann es eine wunderbare Möglichkeit für Paare und Elternteams sein, dem anderen seine Wertschätzung für diese Leistung auszudrücken, indem man einlädt: „Du tust immer so viel für unsere Kinder – du hast dir eine Auszeit, einen Tag nur für dich verdient“. Und entweder du entscheidest dich, dem gemeinsamen Nest mal einen Tag den Rücken zu kehren und gestaltest deinen Journaling-Retreat-Tag unterwegs und schreibend in Zügen und Cafés oder du lässt deine Familie einen Ausflug ohne dich machen – wie wäre es denn mal wieder mit einem Tagesausflug in den Tierpark oder zu den Großeltern? Ich weiß aus der Begleitung vieler Frauen, dass so viel freie Zeit in einem ansonsten sehr eingespannten Alltag sehr überfordernd sein kann: „Ich weiß dann ad hoc gar nicht, was ich machen soll“, schreiben mir etliche Klientinnen, „am Ende hänge ich einfach nur erschöpft auf auf dem Sofa und scrolle endlos am Handy“. Diese Überlastungserschöpfung ist nicht verwunderlich und wenn wir plötzlich einen freien Tag inmitten von Hektik und Eile geschenkt bekommen, sind da oft so viele Ideen und „was ich schon immer mal machen wollte“ Optionen, dass wir überfordert am Ende gar nichts von dem tun, wofür uns Alltags die Zeit fehlt.

Daher ist es gut, wenn man so einen Tag Auszeit ein wenig plant. Und das soll keine Überforderung und kein Ableisten sein, sondern eher wie eine Art Geländer, um nicht am Ende enttäuscht zu sein, so wenig mit der wertvollen Zeit angefangen zu haben. Je genauer du planst (und das muss nicht minutiös und starr sein, sondern einfach nur so konkret, dass du dich gerne in Bewegung setzt), desto mehr beugst du der Gefahr vor, auf der Couch zu versumpfen.

Zunächst einmal lege ein grobes Zeitfenster fest: möchtest du einen halben oder einen ganzen Tag mit deinem Journal verbringen und wo soll dein Tagebuch-Tag stattfinden? Unterwegs? Zuhause? Im Garten? Es ist gut, diesen Ort bewusst zu wählen und vielleicht einen kleinen Ortswechsel innerhalb der Wohnung zu vollziehen (anderer Tisch, Fußboden, Fensterplatz) und diesen Raum ein wenig vorzubereiten: Mach es dir schön und versuche auch in deinen eigenen vier Wänden einen Ort zu wählen, der so wenig Ablenkung wie möglich bietet. Schaffe im Vorfeld ein wenig Ordnung (diese Ordnung sich darf tatsächlich auch nur auf deinen Schreib-Retreat Ort beziehen), damit keine impliziten Haushalts-to-dos vor deiner Nase ständig um Aufmerksamkeit betteln. Soll dein Schreibtag im Wohnzimmer oder Schlafzimmer stattfinden, dann ist es vollkommen ausreichend, wenn dieses Plätzchen aufgeräumt ist – vor dem anderen Chaos darfst du getrost die Türen verschließen. Mach es dir gemütlich, wenn du Lust hast, kaufe dir frische Blumen, stell eine Kerze auf, leg mal wieder eine Schallplatte auf. Halte die Ästhetik an deinem Ort einladend und minimalistisch.

Setze dir für deinen Rückzugtag bewusst digitale Grenzen: Informiere ggf, Freunde und Familie, dass sie dich an jenem Tag weniger gut erreichen, dass du aber gerne zurückrufen kannst, falls etwas sein sollte, und dann kannst du dein Handy in den Flugmodus oder, wenn möglich, gleich ganz aus schalten. Plane auch ganz praktisch, was du an „deinem“ Tag essen möchtest: Gehst du essen und bestellst etwas im Café? Lässt du dir zur Feier deines Tages einfach Pizza liefern? Hast du 1, 2 einfache Tiefkühlgerichte parat, die du einfach nur aufwärmen musst?

Vielleicht beginnst du den Tag mit einem kleinen Ritual, um bei dir selbst anzukommen: Koch dir einen Tee oder Kaffee, nimm ein Bad oder mach einen kleinen Spaziergang. Möglich wäre auch, wenn du dir einen kleinen „Stundenplan“ überlegst, einen sanften Rhythmus aus Essen – schreiben – Pause – nachspüren (und dann das ganze wieder von vorne) überlegst. Frühstück, Schreibeinheit, Badewanne. Mittagssnack, Schreibeinheit, Spaziergang. Abendessen, Schreibeinheit, Abschlussmeditation.

Ganz wichtig: du kannst dabei nichts falsch machen und es geht auch nicht darum, dass der Tag besonders perfekt oder zeremoniell verlaufen muss Ziel ist viel mehr, dass du dir selbst den Raum hältst, um wirklich bei dir anzukommen.

Schreibimpulse für einen echten inneren Rückzug

Unterteile deine Journaling-Zeiten, wenn du magst und wenn das für deinen Tagesablauf Sinn ergibt, in 3 Phasen, die du unter folgende Mottos/Oberthemen stellen kannst:

1. Ankommen

„Was trage ich gerade mit mir herum?“

„Welche Gedanken wiederholen sich in letzter Zeit?“

„Wie fühlt sich mein Körper im Moment an, wo ist Entspannung, wo Verspannung?“

„Was hat mich heute schon irritiert oder getriggert?“

„Was in mir ist müde, was ist wach?“

„Welche Gefühle sind gerade vorherrschend? Fühle ich mich gut mit diesen Gefühlen?“

„Welche Rolle spiele ich gerade im Alltag und wie fühlt sich diese an?“

2. Gedanken vertiefen

„Was in mir braucht gerade mehr Raum?“

„Wo bin ich mir selbst ausgewichen?“

Welche Wahrheit meines Lebens erahne ich, traue mich aber nicht, sie auszusprechen?“

„Was halte ich gerade fest, obwohl es mich in Wirklichkeit viel zu viel Kraft kostet?“

„Welche Geschichte erzähle ich mir gerade über mich selbst und ist diese eigentlich noch stimmig?“

„Wo übergehe ich meine eigenen Grenzen oder schaffe es nicht, anderen gegenüber meine Grenzen aufzuzeigen?“

„Was will in mir endlich gesehen werden, auch wenn es unbequem ist?“

„Wo spüre ich Neid und was verrät mir dieser über meine insgeheimen Wünsche?“

„Welche Entscheidungen schiebe ich vor mir her, obwohl das endlich viel Kraft kostet?“

3. Neu ausrichten

„Was darf bleiben, was darf gehen?“

„Was darf ich loslassen – emotional, gedanklich oder praktisch?“

„Was wäre ein kleiner, nächster Schritt, den ich mich traue?“

„Wie möchte ich mich in den nächsten Tagen fühlen und was unterstützt mich dabei?“

„Was ist mir gerade wirklich wichtig und was schenkt mir auf täglicher Basis Energie?“

„Welche innere Haltung möchte ich kultivieren?“

„Was würde mir wirklich gut tun und bin ich in er Lage, mir das selbst zu geben?“

„Für welche Veränderungen entscheide ich mich, selbst wenn diese Mut brauchen?“

„Wenn du selbst deine bester Freund/deine beste Freundin wärst – was würdest du dir raten?“

Natürlich kannst du auch ganz frei schreiben oder eigene Reflexionsfragen finden (wie das geht hast du ja bereits in Lektion # 26 gelernt) oder du gibst deinen unterschiedlichen Schreibphasen je eine Art Motto, damit du weißt, in welche Richtung du schriftlich nachdenken willst. Sowas wie „Abschluss mit der Vergangenheit“, „Analyse meiner Gegenwart“, „Vision für meine Zukunft“.

Zum Abschluss: Integration statt abruptes Ende

Ein Retreat endet nicht einfach, es darf ausklingen. Nimm dir bewusst ein paar Minuten, um den Übergang zu gestalten, statt direkt zurück in den Alltag zu springen. Genau hier entscheidet sich oft, ob das Erlebte nachwirkt oder verpufft. Du kannst noch einmal durch deine Seiten blättern und dich fragen: Was hat dich überrascht? Welche Sätze haben etwas in dir zum Klingen gebracht? Du kannst deine Gedanken auch ordnen und dir nochmal vergegenwärtigen, indem du einzelne Worte unterstreichst oder Stellen markierst, die sich besonders „wahr“, bedeutsam oder zentral anfühlen.

Formuliere abschließend für dich einen kleinen Vorsatz oder ein Mantra, einen Satz, der dich in den nächsten Tagen begleiten darf. Vielleicht ist es eine Erkenntnis, vielleicht eher eine Haltung oder etwas, das dich beständig wieder daran erinnert, was dir an deinem Schreib-Retreat-Tag wichtig geworden ist. Und dann schließe bewusst ab, ruhig auch körperlich: Öffne ein Fenster, atme tief durch, strecke dich, geh ein paar Schritte und lass „deinen“ Raum wieder Alltag werden.

Wenn dir meine Arbeit gefällt, vielleicht magst du auch meine wöchentlich erscheinende Kolumne “Wort zum Montag” mit bereits über 300 Texten und Audio von mir:

https://steady.page/de/feelslikesina/about (Abre numa nova janela)

Alles Liebe!

Sina

Tópico Journaling Kurs

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