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Raumübergreifende Kommunikation

Es gibt ein unschuldiges Ritual des Alltags, das in nahezu jedem Haushalt stattfindet: Man ruft sich quer über den Flur zu, gibt flüchtige Befehle in den Raum hinein – „Bringst du Toilettenpapier mit?“ – oder verteilt Aufgaben wie „Hol doch bitte den Zucker aus der Speisekammer!“ Und schon ist die Botschaft über Raumgrenzen hinweg entsendet, ob der Adressat sie empfängt oder nicht.

Eine wunderbare, fast schon beiläufige Form der Kommunikation, die ich allerdings nicht im Mindesten liebe. Denn während sich andere in diesem akustischen Fernschach mühelos verständigen, bleibt mir das meiste verborgen. Was über Flure, Türen oder Wände hinweg geschrien oder auch nur gesprochen wird, erreicht mich schlicht nicht. Es existiert nicht in meinem auditiven Universum.

So bleiben mir Informationen vorenthalten, die vielleicht, man stelle sich vor, sogar an mich gerichtet waren. Mein Sohn zum Beispiel redet gern mit der Butter im Kühlschrank, statt mit mir. Und die Butter antwortet auch nicht, sie glänzt höchstens vorwurfsvoll. Ich dagegen brauche Gesicht zu Gesicht, das Mundbild, die Mimik, den Blick – all das, was eine Botschaft überhaupt erst verständlich macht.

Doch seien wir ehrlich: Es liegt nicht allein an ihm. Wir alle – auch ich – ertappen uns dabei, Sätze in den Raum zu werfen, ohne nachzusehen, ob sie je angekommen sind. Mein inneres Wiesel rennt hektisch jedem halben Wort hinterher, während die Wasserbüffelin, stoisch wie immer, erstmal grünen Tee aufsetzt und darauf vertraut, dass der Satz bei Gelegenheit wiederholt wird.

Freundinnen, die mir die Stadt erklären, zeigen begeistert in alle Himmelsrichtungen. Ich aber schaue artig in die Richtung der ausgestreckten Hand – und habe trotzdem nicht verstanden, was dort zu sehen ist. Manchmal bin ich selbst die Übeltäterin: Frage, stelle noch eine kleine Nachfrage – und verlasse dann den Raum, ehe eine Antwort bei mir ankommen kann. Raumübergreifende Kommunikation eben.

Die Wasserbüffelin hebt in solchen Momenten eine Augenbraue und fragt trocken: „Echt jetzt?“

Wir alle müssen, will man es konsequent betreiben, entgegen unseren Gewohnheiten handeln. Uns bewusst in die Kommunikation hineinbegeben. Mit Blickkontakt, mit Hinwendung. Das ist bisweilen mühsam, ja, fast schon eine asketische Übung gegen die Nonchalance des Alltags.

Doch ich nehme es mit Humor. Solange es nicht um lebenswichtige Mitteilungen geht, entstehen aus diesen Lücken komische Situationen, irrwitzige Verhörer und Anekdoten, die das Leben bunter machen.

In diesem Sinne - face to face - bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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