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Dieser Tag gehört mir

Es gibt Tage, die nicht laut anklopfen, sondern sich still und unabwendbar einstellen. Tage, die keine Gesellschaft verlangen, keine Konversation, keine performative Heiterkeit. Tage, an denen das Außen zu viel wäre und das Innen alles.

Wenn man einen geliebten Menschen hat gehen lassen müssen, dann kennt man sie. Diese besonderen Tage. Sie tragen ein Datum. Einen Namen. Eine Erinnerung, die nicht verblasst, sondern sich verdichtet. Geburtstage. Weihnachten. Feiertage. Tage, an denen das Fehlen eine andere Schwere bekommt.

Ich musste meinen Papa verabschieden.

Es liegt nun fast vierzehn Jahre zurück – eine Zahl, die nach Abstand klingt, nach Zeit, nach vermeintlicher Milde. Doch Zeit heilt nicht. Sie verändert nur die Art, wie der Schmerz anwesend ist. Die Lücke, die er hinterlassen hat, ist nicht zu füllen. Sie wollte nie gefüllt werden. Sie musste nie gefüllt werden. Sie ist leer – und genau darin vollkommen da. Sein Platz ist frei. Und zugleich unverrückbar seiner.

Er fehlt uns jeden einzelnen Tag.

Aber an Tagen wie heute fehlt er anders.

Konzentrierter. Präziser. Mit Datum.

Damals war ich schwanger mit meinem Jüngsten. Leben begann, während Leben ging. Diese Gleichzeitigkeit zerriss uns schier von innen heraus. Hoffnung und Abschied, Zukunft und Verlust, alles in einem Körper, in einem Atem. Es gibt keinen Wortschatz für diese Form von Schmerz. Keine Sprache, die ihn adäquat fassen könnte. Nicht damals. Und nicht heute.

Der Schmerz hat sich verändert, aber er ist geblieben. Leiser vielleicht, tiefer. Kein Aufschrei mehr, sondern ein beharrlicher Nachhall. Ein Begleiter, der sich an bestimmten Tagen wieder neben mich setzt. Heute ist so ein Tag.

Heute hat mein Papa Geburtstag.

Und so schicke ich meinen liebevollen Gruß in den Himmel. Wortarm. Unvollständig. Ehrlich. Worte fehlen nicht aus Leere, sondern aus Nähe.

Und deshalb ist dieser Tag heute mein Tag.

Allein.

Ich bin heute keine gute Gesellschaft. Ich möchte keine sozialen Interaktionen, keine Gespräche, keine gut gemeinte Aufmunterung. Ich möchte keine gute Laune verbreiten und mir auch keine aufzwingen lassen. Heute schulde ich niemandem Leichtigkeit. Heute schulde ich mir Wahrhaftigkeit.

Ich möchte erinnern.

Ich möchte fühlen.

Ich möchte trauern.

Und ich möchte weinen.

Rückzug ist heute kein Mangel, sondern Selbstachtung. Kein Weglaufen, sondern Loyalität – gegenüber der Liebe, die war, und dem Schmerz, der geblieben ist. Trauer kennt keine Verjährung. Sie verlangt keine Höflichkeit. Sie duldet keine Optimierung.

Dieser Tag gehört nicht der Welt und nicht ihren Erwartungen.

Er gehört der Erinnerung.

Und dem stillen Gruß nach oben.

Morgen darf die Welt mich wiederhaben.

Heute darf sie warten.

Heute bin ich auch nicht Frau Kruemelkuchen - bin ich, ich, Diana, n’Papa sei Deandl

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