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„Guten Morgen Diana … vielleicht kannst Du Dich noch an mich erinnern …“

So beginnen jene Nachrichten, die man nicht einfach liest – sondern die sich, beinahe unmerklich, in das eigene Denken einschreiben.

“der Werner aus München. (Name geändert)

Dein Essay über das Ich-Selbst und die Freiheit der Gedanken trotz allem Trubel um uns herum, zeigt eindrucksvoll, was für eine wunderbare Wendung der Selbst-Erkenntnis Du erleben durftest. Ich kann Dir in dem, was Du zu beschreiben versuchst, voll und ganz nachvollziehen.

Philosophisch zusammenfassend in dem Begriffspaar „pante rei“ (alles fließt) und „nunc stans“ könntest Du Dich auf einer weiteren Ebene Dich selbst beleuchten. 😉☺️

Bis zum nächsten Mal. Würde mich freuen, von Dir zu hören. Hab‘ noch einen schönen Tag und noch ein schöneres Wochenende. Liebe Grüße Werner “

Eine freundliche Erinnerung, ein kluger Gedanke, ein philosophischer Impuls. Und irgendwo zwischen den Zeilen: eine Einladung.

Eine Einladung, weiterzudenken.

Wer mich kennt, weiß:

Noch bevor der erste Gedanke sich vollständig formiert hat, hat mein inneres Wiesel bereits mit leuchtenden Augen „Challenge accepted“ verkündet – impulsiv, insistierend, kaum zu bremsen.

Die Büffelin hingegen verharrt einen Moment länger, prüfend, ruhig, mit jener leisen Skepsis, die nicht bremst, sondern vertieft.

Also gut. Ich habe, gegoogelt, gelesen. Mich eingelesen.

nunc stans - also

Ein Begriff aus der scholastischen Philosophie, geprägt unter anderem durch Thomas von Aquin. - soweit, so gut. Bis hierher geht das Wiesel noch mit.

Er beschreibt – vereinfacht gesprochen – eine Form von Zeit, die nicht vergeht.

Ein stehendes Jetzt.

Eine Gegenwart, die sich der linearen, messbaren Zeit entzieht. Das Wiesel hebt die rechte Augebraue, und räuspert sich über diesen abstrakten Gedankengang.

Im Gegensatz dazu steht das ebenso bekannte panta rhei des Heraklit –

alles fließt.

Alles ist Bewegung.

Alles ist Veränderung.

Und irgendwo zwischen diesen beiden Polen sitze ich nun.

Mit meinem Wiesel.

Mit meiner Büffelin.

Und mit einem Leben, das sich wenn ich mich diesen Gedankenspiel hingebe, genau in diesem Spannungsfeld entfaltet.

Wenn alles fließt – und doch etwas bleibt

Mein Hören ist kein Zustand.

Es ist ein Prozess.

Ein permanentes Neujustieren, ein Trainieren, ein Verstehen-Wollen.

Mit meinem Cochlea-Implantat ist Klang nichts Selbstverständliches – er ist ein Konstrukt. Ein Ergebnis. Eine Leistung meines Gehirns, das unermüdlich versucht, aus elektrischen Impulsen Bedeutung zu formen.

Das Wiesel liebt das.

Es springt hinein in jede neue akustische Herausforderung, überbordend vor Energie, fast gierig nach Reizen, nach Fortschritt, nach diesem nächsten kleinen Triumph des Verstehens.

Panta rhei.

Alles fließt.

Mein Hören verändert sich.

Mein Wahrnehmen verändert sich.

Ich verändere mich.

Und dann – dieser eine Moment

Und doch gibt es sie.

Diese seltenen, fast fragilen Augenblicke, in denen all das in den Hintergrund tritt.

In denen ich nicht analysiere, nicht kompensiere, nicht strategisch zuhöre.

Ein Gespräch, das einfach geschieht.

Ein Lachen, das mich erreicht, ohne Umwege.

Ein Moment, in dem ich nicht kämpfe.

Die Büffelin wird still.

Sehr still.

Und genau dort – in dieser Ruhe, die nicht leer ist, sondern erfüllt –

beginnt etwas, das sich kaum beschreiben lässt.

Vielleicht ist das mein nunc stans.

Ein Jetzt, das nicht flieht.

Ein Sein, das nicht optimiert werden muss.

Ein Augenblick, der nicht unter der Prämisse steht, „besser hören zu müssen“, sondern einfach da ist.

Zwischen Technik, Identität und Sein

Was mich zunehmend fasziniert – und, wenn ich ehrlich bin, auch ein wenig irritiert – ist diese Gleichzeitigkeit:

Ich lebe in einem System permanenter Anpassung.

Ich trainiere, ich analysiere, ich verbessere.

Ich bin, in gewisser Weise, immer in Bewegung.

Und gleichzeitig existiert da etwas in mir, das sich dieser Dynamik entzieht.

Etwas, das nicht von Dezibel abhängt.

Nicht von Klangqualität.

Nicht von der Frage, wie gut ich gerade verstehe.

Ein Kern.

Ein Ich.

Nicht als starre Definition – sondern als leise, aber konstante Präsenz.

Vielleicht ist genau das der Punkt

Vielleicht geht es gar nicht darum, das Fließen aufzuhalten.

Oder sich ihm vollständig hinzugeben.

Vielleicht liegt die eigentliche Kunst darin,

im Fließen einen Ort des Verweilens zu finden.

Ein nunc stans im panta rhei.

Oder, um es weniger philosophisch und etwas alltagstauglicher zu formulieren (das Wiesel verdreht bereits demonstrativ die Augen):

Ein Moment, in dem ich einfach bin.

Mit allem, was sich verändert – und allem, was bleibt.

Und ich?

Ich stehe noch am Anfang dieser Überlegung.

Zwischen Neugier und leiser Ehrfurcht vor der Tiefe dieses Gedankens.

Das Wiesel möchte sofort weiter, tiefer, schneller – alles erfassen, alles durchdringen.

Die Büffelin hingegen bleibt sitzen und sagt nur:

„Bleib noch einen Moment.“

Und vielleicht…

ist genau das bereits die erste Übung im nunc stans.

Was denkst du?

Kennst du solche Momente – in denen nichts optimiert werden muss, nichts verbessert, nichts erreicht?

Momente, die einfach stehen bleiben dürfen, während alles andere weiterfließt?

Bleibt's xund - eure Frau Kruemelkuchen

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