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Tage die einen “days-hangover” verursachen

Es gibt diese Tage – und es gibt diese Wochenenden –, die uns nicht einfach passieren, sondern sich in uns einschreiben. Zeiten, in denen man viel unterwegs ist, viel zu tun hat, viel Ablenkung geboten wird. Und dann jene anderen Tage, seltener vielleicht, aber von einer Dichte, die man nicht herbeiplanen kann. Tage von unglaublicher Tiefe. Sie ziehen vorbei, scheinbar mühelos, und erst im Nachhinein bemerkt man, dass sie etwas verschoben haben. Innen. Still. Nachhaltig.

Was danach kommt, ist ein eigentümlicher Zustand. Keine Leere im klassischen Sinne, kein Mangel, kein Defizit. Eher ein Nicht-ankommen-Wollen im Gewöhnlichen. Der Alltag wirkt plötzlich fremd in seiner Banalität, fast unbeholfen in seiner Zweckmäßigkeit. Man weiß auf einmal wenig anzufangen mit To-do-Listen, Routinen, Selbstverständlichkeiten. Es ist, als hätte man für einen Moment eine andere Frequenz berührt – und nun stimmt die alte nicht mehr ganz. Ein Bookk-Hangover, nur im Leben. Ein existenzieller Nachhall nach zu viel Bedeutung.

Natürlich kommt man schnell wieder an. Der Alltag wartet nicht lange, er ist nicht nachtragend, aber unerbittlich präsent. Aufgaben müssen erfüllt werden, Termine fordern Verbindlichkeit, man muss wieder da sein, wach, funktional, zuverlässig. Man richtet sich innerlich neu aus, zieht das alltagstaugliche Gewand an und tritt ein in das Bekannte. Man ist präsent – und doch bleibt etwas zurück. Ein feiner Rest von Leere vielleicht, oder besser: von Weite, für die der Alltag zunächst keine adäquate Form bereithält.

Dieses Gefühl ist nicht dramatisch. Es ist leise. Und es ist bestechend. Denn unter der Irritation liegt etwas anderes: Dankbarkeit. Eine tiefe, ruhige Dankbarkeit für eine Zeit, die wahr war. Mein Wochenende war geprägt von unglaublicher Tiefe, von schönen, sehr schönen Momenten, von Wahrhaftigkeit und Schönheit. Nicht der lauten, dekorativen Schönheit, sondern jener stillen, ontologischen Schönheit des Seins. Des Werdens. Und all dessen, was noch sein darf.

Solche Zeiten sind keine Fluchten. Sie sind Vergewisserungen. Sie zeigen, dass Tiefe möglich ist, dass Resonanz kein Mythos ist, dass Begegnung mehr sein kann als Austausch von Informationen. Und gerade deshalb schmerzt der Abschied ein wenig. Man vermisst diese Intensität, diese Dichte, diese Selbstverständlichkeit des Stimmigen. Dass nach einem solchen Wochenende – inklusive Nordrhein-Westfalen, Ortswechseln und einem jener Bahnabenteuer, die zwischen Geduldsprobe und absurder Komik changieren – ein Gefühl des Verlorenseins auftritt, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist folgerichtig. Wer berührt war, spürt den Abstand. Wer Tiefe erlebt hat, merkt den Kontrast.

Vielleicht ist dieser Hangover kein Zustand, den man schnell beheben sollte. Vielleicht ist er ein Übergangsraum. Eine Zone des inneren Umbaus, in der sich etwas neu sortiert. Aus der Sehnsucht wird allmählich ein Wissen. Aus dem Vermissen eine stille Referenz. Etwas, an dem man sich künftig messen wird, ohne es reproduzieren zu wollen.

Und dann – fast unmerklich – liegt sie vor einem: eine neue Woche. Mit vielen Terminen. Mit vielen To-do-Listen. Mit Verpflichtungen, die nicht weniger geworden sind. Doch der Einstieg erfolgt nicht abrupt. Sondern ich gestalte ihn besser sanft. Der Tag beginnt mit Bewegung, mit Sport, der den Körper wieder in seine Achse bringt. Mit Kaffee, bitter und tröstlich zugleich, ein kleines Ritual der Verlässlichkeit. Und mit etwas, das sich nicht erklären lässt, aber spürbar ist: Zuversicht.

Der Hangover verliert an Schärfe, ohne ganz zu verschwinden. Er wird integriert. Die Tiefe des Wochenendes steht nicht im Widerspruch zum Alltag, sie wirkt fort – leise, aber beharrlich. Als innerer Vorrat. Als Erinnerung daran, dass Funktionieren nicht alles ist und Hoffnung kein naiver Luxus.

So starte ich in diesen Tag. Nicht unbeschwert, aber getragen. Nicht blind für die Anforderungen, aber mit erstaunlich viel Hoffnung im Herzen. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst: weiterzugehen, ohne sich zu verlieren. Den Alltag zu betreten, ohne die Tiefe preiszugeben. Und zu wissen, dass das, was war, nicht vorbei ist – sondern mitgeht.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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