Saltar para o conteúdo principal

Wenn das Wiesel fiebert – Ein Tag zwischen Stimmlosigkeit, Schmerz und akustischem Ausnahmezustand

Ich nehme euch mit durch meinen Tag.

Nein, nicht durch einen dieser lichtdurchfluteten Morgende mit dampfendem Kaffee und beflügelnder Muse. Sondern durch einen Tag, der von kratzigem Husten, belegter Stimme und der akustischen Zermürbung durch banale Realität geprägt ist.

Denn mein Körper hat sich gemeldet. Lautlos, aber unüberhörbar. Die Diagnose: Hals Entzündung. Mit Beteiligung von Kehlkopf und Stimmbändern – sprich, das gesamte obere Stockwerk meines respiratorischen Apparates befindet sich im Streik.

Ich weiß, ich weiß. Ich hätte früher zum Arzt gehen sollen. Aber ich bin – sagen wir es charmant – therapieresistent auf Zeit. Stattdessen Hühnersuppe, Salbeitee, Gurgellösungen, Bettruhe. Also alles, was man in gutbürgerlicher Hausmittel-Ehre so aufbieten kann, wenn man an das Prinzip der Selbstheilung glaubt – oder schlicht vergisst, dass man längst zu Schmerzmitteln hätte greifen dürfen.

Ja. Ich hatte Ibuprofen zu Hause. Und nein – ich habe es nicht genommen. Weil ich… es vergessen habe.

Klassiker. Zwischen Alltag, Kindern und dem Versuch, auch noch liebenswürdig zu wirken, ist die eigene Entzündung eben nur eine Randnotiz. Bis sie schreit.

Nun habe ich Antibiotika bekommen. Keine ästhetisch benannten Lifestyle-Präparate, sondern ehrliche Pharmakologie in Kapselgestalt. Und ein bisschen Hoffnung. Hoffnung auf Ruhe. Auf Klarheit. Auf weniger Kratzen und mehr Klang.

Denn da beginnt das zweite Kapitel dieses Tages:

Das Hören – wenn der Körper fiebert, leidet die Klangwelt mit

Für Menschen mit Cochlea-Implantaten ist Hören keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein elaborierter Vorgang, ein tägliches Zusammenspiel aus digitaler Signalverarbeitung, kognitiver Dekodierung und innerer Bereitschaft. Ein neuronaler Tanz auf hochsensiblen Synapsen.

Und wenn der Körper angeschlagen ist – sei es durch Fieber, Schmerz oder schlicht Erschöpfung – dann steht dieser Tanz still. Oder taumelt.

In meinen Fall:

Plötzlich ist alles zu laut. Jeder Klang wird zur Zumutung, jede Stimme ein akustischer Felsbrocken, der durch mein auditives System poltert. Und gleichzeitig: Wenn ich leiser stelle, verliere ich den Zugang zur Sprache. Das Sprachverstehen – ohnehin eine Meisterleistung des Gehirns – bricht in sich zusammen, wie ein schlecht gefügtes Kartenhaus.

Es ist ein Zustand zwischen Reizüberflutung und Informationsverlust. Zwischen zu viel und zu wenig. Kein Ort für Nuancen. Kein Platz für Grautöne. Nur Schärfe oder Stille.

Und während draußen die Welt weiterrauscht…

…sitzt mein inneres Wiesel auf dem Sofa. In zu großen Jogginghosen.

Wickelt sich in eine Decke mit einer Wärmflasche, trägt den Bademantel wie ihn eben nur innere Tiere können, klemmt sich das Fieberthermometer zwischen die Zähne und blickt mich an wie ein überarbeiteter Dramaturg im dritten Akt einer schlecht endenden Komödie.

Das Wiesel will einfach nur schlafen. Vielleicht auch weinen. Vielleicht auch einfach nicht hören müssen. Nicht funktionieren. Nicht dekodieren. Nicht sprechen. Nur da sein. Leise. Eingehüllt in Halstuch und Erschöpfung.

Und irgendwie verstehe ich es.

Was bleibt?

Die Erkenntnis, dass auch technisiertes Hören seine Grenzen kennt.

Dass Heilung Zeit braucht – und Pausen. Dass das Gehirn kein durchlauferhitzer Dekodierapparat ist, sondern ein empfindsames, vulnerables Organ. Und dass auch starke Frauen mit kybernetischer Hörkraft einfach mal krank sein dürfen.

Heute war nicht schön. Aber er war wahr. Und morgen? Wird leiser. Oder besser. Oder beides.

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e comece a conversa.
Torne-se membro