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Zwischen Neuroplastizität und Nadelstichen – Meine satirische Hör-Odyssee mit CI

Einleitung – Wenn Stille nicht Schweigen, sondern auch ein Abgrund ist

Die Romantiker verklären sie, die Meditationsratgeber beschwören sie, und sogar in pseudophilosophischen Lifestyle-Blogs wird sie als ultimative Quelle der Weisheit verkauft: die Stille. Nun, ich gestehe – ich kenne sie. Intim. Ich habe sie durchlitten wie eine schlecht inszenierte Bühnenprobe ohne Orchester. Und ich sage es in aller Klarheit: Stille kann erhaben sein, ja. Aber Stille als Dauerzustand ist nichts weiter als die akustische Guillotine des Lebens.

Ohne meine Cochlea-Implantate wäre ich heute vollständig, unumstößlich, endgültig taub. Kein Vogelruf, kein Kinderlachen, kein Grollen des Gewitters – nichts. Nur ein ewiges, unnachgiebiges Schweigen. Und bevor jemand in die Versuchung kommt, darin eine mystische „innere Ruhe“ zu halluzinieren: Nein. Es ist keine Ruhe, es ist ein Vakuum.

Meine beiden CI – rechts mein „Hörlibert“, links mein vollimplantiertes „Hörmine“ – sind deshalb nicht weniger als kybernetische Lebensretter. Sie sind meine Brücken zurück ins akustische Kontinuum.

Der Weg in die Stille – oder: Von Hörstürzen und Havarien

Die Ertaubung kam nicht wie ein Donnerschlag, sondern wie ein tropfender Wasserhahn. Tropf. Hörsturz. Tropf. Hörsturz. Tropf. Sprachverstehen im Sinkflug. Ich hätte fast ein Strichlistenbuch führen können: „Heute wieder ein Frequenzband verabschiedet, bitte die nächste Grabrede schreiben.“

Während andere in den Anfang 20ern mit Festivals, Rockkonzerten oder Flirts am See beschäftigt waren, verbrachte ich meine Abende zunehmend damit, zwischen dumpfem Rauschen und verstummten Frequenzen zu unterscheiden. Ein hochgradig akademisches Spiel, das ich audiologisches Sudoku nennen möchte.

Als die Hörgeräte schließlich nur noch kosmetische Prothesen waren – hübsch am Ohr, funktional aber so nützlich wie ein Sonnenschirm im Orkan – blieb nur die Operation.

(Nur zum besseren Verständnis: wir sprechen hier über einen Zeitraum von über 20 Jahren)

Technik als zweite Geburt – Die kybernetische Initiation

Ein CI-Implantat ist kein Hörgerät. Es ist eine komplette Dekonstruktion des natürlichen Hörens und seine Wiederauferstehung in digitaler Form. Mit anderen Worten: Man schaltet die Biologie ab und schließt den Nerv ans Kabel. Ich war fasziniert. Endlich einmal ein Eingriff, bei dem der Satz „Sie haben jetzt einen Draht zum Nerv“ keine Metapher ist.

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