Saltar para o conteúdo principal

Über 8 Milliarden Menschen

Es gibt Tage, an denen die Welt ein wenig enger wird als gewöhnlich.

Nicht dramatisch. Nicht spektakulär.

Aber spürbar.

Heute war so ein Tag.

Ein Telefonat mit der Kundenbetreuung – eigentlich eine dieser banalen Verrichtungen des Alltags, die man zwischen zwei Tassen Tee und einem kurzen Blick auf die Uhr erledigt. Ein kurzer Anruf, ein paar Sätze, ein erledigtes Anliegen. Die zivile Infrastruktur moderner Gesellschaften basiert schließlich auf der stillschweigenden Annahme, dass Kommunikation funktioniert.

Nun.

Heute funktionierte sie nicht.

Ich erklärte der Dame am anderen Ende der Leitung freundlich meine Situation. Dass ich hörbehindert bin. Dass ich bitte etwas lauter, etwas deutlicher, vielleicht ein klein wenig langsamer sprechen bräuchte. Keine große Sache – eine kleine Anpassung, ein minimaler Schritt aufeinander zu.

Die Antwort darauf war… nun ja, eine Art akustisches Nebelphänomen.

Sie sprach weiter.

Leise.

Schnell.

Nuschelnd.

Ich bat erneut um ein wenig Entgegenkommen.

Der Strom unverständlicher Silben setzte sich fort, beinahe mit wissenschaftlicher Konsequenz – als wolle man empirisch prüfen, wie viele Variationen von Unverständlichkeit ein menschlicher Kehlkopf produzieren kann.

Schließlich sagte ich:

„Ich verstehe wirklich kein Wort.“

Stille.

Eine jener Stilleformen, die nicht friedlich sind, sondern eher eine kleine, kalte Leerstelle in der Kommunikation darstellen. Ich wartete. Sie schwieg. Dann – Klick.

Die Verbindung beendet.

Aus der Leitung geworfen.

Warum erzähle ich das?

Weil Situationen wie diese gar nicht so selten sind. Für viele Menschen mit Hörbehinderung gehören sie zu den kleinen, unsichtbaren Stolpersteinen des Alltags. Manchmal reagiert man mit Humor. Manchmal mit Ärger. Und manchmal – wie heute – mit einer leisen, unerwarteten Verzweiflung.

Denn in solchen Momenten geschieht etwas Seltsames.

Das innere Wiesel richtet sich auf, empört, wütend, kampfbereit.

Die Wasserbüffelin hingegen blickt ruhig über die Szenerie und hebt eine Augenbraue.

Und irgendwo dazwischen sitzt man selbst – und merkt plötzlich, dass man gerade dabei ist, den eigenen Wert an der Reaktion eines einzigen Menschen zu messen.

Einer Frau.

Unter knapp acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

Eine erstaunlich schlechte statistische Stichprobe.

Und doch fühlt es sich in diesem Moment real an:

Hilflosigkeit.

Traurigkeit.

Den Tränen nah.

Dieses unangenehme Gefühl, auf Unterstützung angewiesen zu sein – obwohl man doch so gern alles selbst regelt.

Das Wiesel und ich sind nämlich ausgesprochen eigenständig.

Wir mögen Unabhängigkeit.

Wir mögen Kompetenz.

Und wir mögen es gar nicht, wenn uns Situationen zeigen, dass wir manchmal doch auf die Kooperationsbereitschaft anderer angewiesen sind.

Aber.

Aufgeben ist keine Option.

Also rief ich noch einmal an.

Und diesmal meldete sich eine andere Mitarbeiterin.

Sie hörte zu.

Sie verstand die Situation.

Sie sprach klar, langsam, deutlich – und plötzlich funktionierte Kommunikation wieder. Ganz unspektakulär. Ganz selbstverständlich.

Geht doch.

Manchmal braucht es eben zwei Versuche, um auf einen Menschen zu treffen, der bereit ist, den kleinen Schritt aufeinander zuzugehen.

Und vielleicht liegt darin die eigentliche Lehre dieses Morgens:

Nicht jede Begegnung ist ein Urteil über unseren Wert.

Manche sind einfach nur… ein Fehlversuch.

Zum Glück hat das Leben eine Rückruftaste.

Bleibt also die nüchterne Erkenntnis des Tages – ausgesprochen von der Büffelin, während das Wiesel noch ein wenig empört mit dem Schwanz peitscht:

Von acht Milliarden Menschen reicht oft schon einer, der zuhört.

Und dann funktioniert plötzlich wieder alles.

Geht doch.

Bleibt’s und. Eure Frau Kruemelkuchen

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e comece a conversa.
Torne-se membro