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Winter, dieser charmante Epidemiologe wider Willen

Winter, dieser charmante Epidemiologe wider Willen.

Es gibt viele Aspekte des Winters, deren poetische Anmut selbst mir die sprichwörtliche Seele wärmt: das knirschende Licht auf gefrorenem Boden, das noble Blau der frühen Dämmerung, die dezente Melancholie einer Jahreszeit, die uns zur Innerlichkeit erzieht.

Doch – und hier erhebt sich ein leiser, aber durchaus dezidierter Einspruch – der mikrobielle Begleitzirkus, bestehend aus Erkältungsbazillen, Influenzaviren, Rhinoviren, Adenoviren und ihrem seit 2020 omnipräsenten Komplizen Corona, könnte mir in seiner Gesamtheit auch sehr großzügig gestohlen bleiben. Nein: entwendet, geraubt, entführt, verschleppt. Hauptsache weg.

Kommentar der Büffelin mit Seufzton:

„Sie übertreibt. Aber der Winter selbst hat damit angefangen. Also: Gleichstand.“

Dabei möchte ich jene Menschen, die trotz rot glühender Nasen und einer Stimme, die klingt wie eine verrauchte Altistin im dritten Akt einer schlechten Oper, dennoch umsichtig eine Maske tragen, regelrecht herzen, ja, beinahe sororisieren. Ich liebe solche Gesten der sozialen Verantwortung. Sie sind rarer geworden, fast wie antike Münzen, die man zufällig in einer Sofaritze findet und staunend betrachtet.

Und ich? Nun – ich gestehe kleinlaut eine gewisse Laxheit ein. Eine Art pandemische Amnesie. Ein Leichtsinn, der sich wie feiner Staub wieder über den Alltag gelegt hat

„Wer hätte gedacht, dass man eines Tages nostalgisch an die Zeit denkt, in der alle automatisch Masken trugen?“, kommentiert die Wasserbüffelin, in leicht überheblicher Intonation

Bis – natürlich – das Schicksal mich mittels eines hochwirksamen Kehlkopf-Katavismus daran erinnerte, dass Viren keineswegs obsolet geworden sind, sondern lediglich geduldig im Hintergrund lauern wie schlecht bezahlte Statisten mit Überstundenanspruch.

Jetzt liege ich angeschlagen da, mit brennendem Hals, einem Kehlkopf, der die Mitwirkung verweigert, und einer Schluckfähigkeit, die sich in etwa auf dem Niveau eines verängstigten Kolibris bewegt.

Wiesel (empört, aber fiebrig):

„Ich hatte Pläne! Und jetzt kann ich nicht einmal mehr Tee trinken, ohne zu zittern wie eine viktorianische Haushälterin im falschen Jahrhundert.“

Verlasse ich das Haus – was gegenwärtig an einen heroischen Akt grenzt –, werde ich selbstverständlich eine Maske tragen. Nicht aus Eigenschutz, sondern weil ich, bei aller Selbstironie, niemandem diesen Zustand ans Bein binden möchte. Man gönnt der Welt vieles, aber garantiert nicht diese Art des fiebrig-würdelosen Dahinsiechens.

Apropos Würde:

Ich frage mich ernsthaft, ob der Spuckeimer in der heutigen Gesellschaft noch als legitimes Hilfsmittel gilt oder ob seine kulturelle Relevanz mit Rembrandts Jugendliebe unterging. Womöglich hat er ihn aus ästhetischen Gründen verbannt – oder schlicht, um sich nicht an die eigene Sterblichkeit erinnern zu müssen.

Stimme meiner Büffelin aus dem Off, trocken:

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