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Bienenhotel-Projekt / Imkerei-Aktivität

Die Pflege und das Erleben der Natur gewinnen in der Seniorenbetreuung zunehmend an Bedeutung. Bienen spielen dabei eine wichtige Rolle: Als Bestäuber sichern sie einen großen Teil unserer Nahrungsmittelproduktion und fördern die biologische Vielfalt. In Deutschland gibt es etwa 600 Bienenarten (Familie Apidae). Dazu zählen einerseits die Honigbienen (Apis mellifera) – staatenbildende, domestizierte Insekten, die in Völkern von zehntausenden Bienen leben und Honig produzieren – und andererseits hunderte Wildbienenarten. Wildbienen (einschließlich Hummeln und solitär lebender Arten) sind oft einzeln lebende (solitäre) Insekten: Jede Wildbienen-Art legt ihre Eier meist in selbst gegrabenen Erdröhren, in hohlen Pflanzenstängeln oder in alten Fraßgängen von Holz ab. Die Honigbiene dagegen lebt nur in einem Staat: Sie kann allein nicht überleben. Ein einzelnes Bienenvolk überwintert mit rund 20.000 Bienen, die von den im Sommer angelegten Honigvorräten zehren. Die Königin legt im Frühjahr bis zu 2000 Eier pro Tag, sodass sich ein ordentliches Volk schnell vergrößert.

Bestäubung und ökologische Bedeutung: Bienen gehören zu den effektivsten Bestäubern unserer Pflanzen. Blütenbesuchende Insekten (Bienen, Hummeln, Schmetterlinge usw.) sind für etwa 80 % der Wildpflanzen und rund 35 % der weltweiten Nahrungsmittelproduktion auf Bestäubung angewiesen. Viele Obst- und Gemüsepflanzen benötigen die Bestäubung durch Insekten, um Früchte zu tragen. Beispielsweise können Honigbienen – im Unterschied zu vielen anderen Insekten – gezielt Obstblüten anfliegen und so einen guten Fruchtansatz sicherstellen. Ein einzelnes Honigbienenvolk kann nach NABU-Angaben pro Tag bis zu drei Millionen Obstblüten bestäuben; etwa zwei Millionen Tonnen Äpfel im Jahr verdanken alleine der Bestäubung durch Bienen. Aber auch Wildbienen übernehmen einen großen Teil der Bestäubungsarbeit: In vielen Gemüsekulturen (z.B. Tomaten, Paprika, Erdbeeren) steigern Wildbienen den Ertrag – oft sogar deutlicher als Honigbienen. Wildbienen fliegen zwar meist nur rund 100–150 Meter weit von ihrem Nest weg, können aber dank ihrer Artenvielfalt und Spezialisierung (manche Arten fliegen nur bestimmte Pflanzen an) ein sehr breit gestreutes Bestäubungsnetz schaffen.

Leider sind Honig- und Wildbienenarten heute bedroht. Intensive Landwirtschaft, Verlust blütenreicher Wiesen, der Einsatz von Pestiziden und die Verdrängung naturnaher Flächen haben zu dramatischen Rückgängen geführt. In Deutschland gilt etwa die Hälfte aller nachgewiesenen Wildbienenarten als gefährdet (Rote Liste) oder sogar bereits ausgestorben. Hummeln und viele andere Wildbienen leiden unter der Monokultur in Agrarlandschaften, in denen kaum Nektar- und Pollenpflanzen wachsen. Auch Honigbienen sind betroffen: Ihre Zahl war im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen und stieg erst in den letzten Jahren wieder leicht an. Ein wesentlicher Faktor ist die Varroamilbe und Krankheitserreger, aber auch Klimawandel und Standortfaktoren spielen eine Rolle. Das NABU macht deutlich, dass Honigbienen und Wildbienen in hohem Maße von gemeinsamen Nahrungsquellen abhängig sind, und warnt, dass hohe Bienendichten in Kombination mit Nahrungsmangel die ohnehin gebeutelten Wildbienen zusätzlich stressen können. Doch Hauptursache für das Bienensterben ist der Mangel an Lebensräumen und blütenreichen Flächen.

Insgesamt lässt sich sagen: Bienen (Honigbienen und Wildbienen zusammen) sind unverzichtbar für das Funktionieren unserer Ökosysteme. Sie tragen zur Artenvielfalt bei und sichern essenzielle Nahrungsmittel. Die Bedrohung der Bienenpopulationen durch Umweltveränderungen („Bestäubungskrise“) verdeutlicht, wie eng Mensch und Natur verbunden sind. Diese Bedeutung soll sich auch in Projekten für Senioren widerspiegeln: Ein „Bienenhotel“- oder Imkerei-Projekt vermittelt den Teilnehmenden Wissen über Natur und Umweltschutz, fördert ökologische Achtsamkeit und ermöglicht sinnstiftende Beschäftigung im Alltag.

Ziele des Bienenhotel-Projekts in der Seniorenbetreuung

Das Bienenhotel-Projekt verfolgt mehrere Ziele, die sowohl ökologische als auch soziale und therapeutische Aspekte berücksichtigen:

  • Naturerlebnis und Umweltbewusstsein: Ein zentrales Ziel ist es, Seniorinnen den Kontakt zur Natur zu ermöglichen. Für viele ältere Menschen weckt ein Gartenprojekt Erinnerungen an frühere Zeiten (vielleicht als Gärtner oder Imker). Durch Beobachtung und Mitgestaltung ihres eigenen Insektenhotels erleben sie Natur hautnah. Dazu gehört das Beobachten von Bienen und anderen Insekten am Hotel oder im Garten. Solche Naturbeobachtungen fördern ein Gefühl der Achtsamkeit: „Bienen zu beobachten entspannt und beruhigt“, schildert eine Betreuungsassistentin. Das stille Betrachten summender Bienen und blühender Blumen kann Ängste lindern und das psychische Wohlbefinden steigern. Zudem stärkt das Projekt das Bewusstsein für Umweltschutz: Die Senioren erfahren, wie wichtig Insekten für den Garten und die Biologie sind, und leisten selbst einen Beitrag gegen das Bienensterben durch das Aufstellen von Nisthilfen. In einer Pflegestation in Bochum heißt es hierzu: „Unser Insektenhotel im Garten leistet einen Beitrag, dem vermehrten Sterben von Bienen entgegenzuwirken“.

  • Aktivierung und Beschäftigung: Die Arbeit am Bienenhotel (Bauen, Bestücken, dekorieren) und die Pflege von angrenzenden Pflanzbereichen aktivieren die Bewohner körperlich und kognitiv. Handwerkliche Tätigkeiten mit Hammer, Bohrer oder Pinsel fördern Feinmotorik und Koordination. Praktische Aktivitäten wie Bohren, Schrauben oder Malen lassen die Teilnehmenden Wertschätzung für eigene Fähigkeiten spüren. Das gemeinsame Projekt hat dabei eine motivierende Wirkung: Bewohner werden „aus dem Zimmer gelockt“ und packen „gemeinsam mit Begeisterung“ an. Auch in einem Mönchengladbacher Altenheim wurde beobachtet, dass selbst Personen, die normalerweise weniger aktiv sind, bei diesem Projekt mit einem Lächeln dabei waren. Dieser Gemeinschaftseffekt steigert das Zugehörigkeitsgefühl: „Bienen & Co. verbinden eben auch die Menschen!“, heißt es treffend in einer Projektbeschreibung.

  • Sinneserlebnisse und Wohlbefinden: Ein Bienenhotel-Projekt bietet vielfältige sinnliche Erfahrungen. Senioren können etwa verschiedene Düfte (Honig, Wachs, blühende Kräuter) und Geschmäcker (Honigverkostung) erleben, was insbesondere für demenziell erkrankte Personen beruhigend wirken kann. Im erwähnten Biodiversitätsprojekt „BeeD“ in Reutlingen werden Bewohnern etwa Honig direkt aus der Wabe löffelweise angeboten – ein intensives Geschmackserlebnis. Auch der Duft von Bienenwachs und Blütenpollen stimuliert die Sinne. Dadurch werden Emotionen und Erinnerungen geweckt (z.B. an vergangene Gartenarbeit), was die Stimmung hebt und zur Entspannung beiträgt.

  • Bildung und Wissensaustausch: Das Projekt hat auch einen pädagogisch-unterrichtenden Wert. Durch altersgemäße Informationen über Bienen, ihre Lebensweise und die Bedeutung für das Ökosystem lernen die Teilnehmenden Neues. Gesprächsrunden, Bildtafeln oder Erzählungen über Bienen fördern das Erinnerungsvermögen und regen zum Austausch an. Betreuende können Fragen stellen wie: „Habt ihr schon mal gesehen, wie Honig geerntet wird?“ oder kleine Quiz veranstalten. Solcher Wissensinput verbindet die Generationen: In Reutlingen arbeiten sogar Schüler einer Förderschule zusammen mit Senioren am Bienenkasten – die Kinder lernen Natur, die Alten erleben Gemeinschaftsarbeit.

Insgesamt zielt ein Bienenhotel-/Imkerei-Projekt also darauf ab, Sinn und Freude in den Betreuungsalltag zu bringen. Mit praktischer Tätigkeit, Gemeinschaftserlebnis und Naturbezug unterstützt es die psychische Gesundheit der Bewohner – von Beschäftigungskräften als „wertvolles Aktivierungsangebot“ beschrieben. Dass die Beteiligten „mit Vorfreude“ auf das Projekt schauen, zeigt die emotionale Tragweite: Das gemeinsame Bauen und Gestalten macht „einfach Vergnügen“ und weckt Lebensgeister. So verbindet das Projekt sozialen Zusammenhalt mit Umweltschutz und Gesundheitsförderung.

Vor- und Nachteile des Projekts

Vorteile

Natur- und Umweltschutz: Ein Bienenhotel unterstützt direkt die Artenvielfalt. Es schafft zusätzliche Nisthilfen, Nahrungs- und Überwinterungsplätze für Insekten (Wildbienen, Hummeln, Florfliegen, Marienkäfer usw.), die andernfalls in städtischer Umgebung oft kaum Lebensraum finden. Solche Nützlinge halten Schädlinge in Schach: Florfliegenlarven fressen im Garten Hunderte Blattläuse, bevor sie zur Fliege werden. Indem die Bewohner ein Insektenhotel errichten, tragen sie aktiv zum Naturschutz bei. Wie ein OBI-Magazin hervorhebt, bietet ein gut platziertes Insektenhotel nicht nur den Tiere Unterschlupf, sondern kann auch die Obst- und Gemüseernte verbessern, weil Blüten besser bestäubt werden. Zudem wächst mit dem Projekt das Umweltbewusstsein der Teilnehmenden – sie lernen, dass bereits eine einfache Nisthilfe „ökologische Vielfalt fördert“.

Soziale und psychische Effekte: Das gemeinsame Projekt fördert Gruppenzusammenhalt und sorgt für Abwechslung im Alltag. Alle wirken mit – sei es handwerklich beim Bau des Hotels oder durch Sammeln von Materialien (Heu, Zweige, Schilf, Lehm) – und selbst Personen, die körperlich nicht mithelfen können, sind stolz, dabei gewesen zu sein. Die Tätigkeit hält die Menschen beweglich: Bei der Arbeit am Insektenhotel werden Gleichgewicht, Greif- und Stehfähigkeit trainiert. Nach fertigem Aufbau beobachten viele Teilnehmer sehr gerne die Besucher im Hotel – das weckt Neugierde und Kommunikation. Auch der Lernaspekt hebt sich positiv hervor: Durch Gespräche über Bienen bauen die Senioren Alltagswissen auf, das ihre kognitiven Fähigkeiten trainiert. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass solche „niedrigschwelligen“ Naturschutz-Aktivitäten das Wohlbefinden steigern und Ängste abbauen können.

Einfaches, kostengünstiges Projekt: Ein Insektenhotel kann relativ günstig selbst gebaut oder aus natürlichen Materialien (Holzklötze, Bambusrohre, Lehmziegel) gefertigt werden. Für die Betreuungskräfte bedeutet das: Sie brauchen wenig spezielles Equipment. Schon mit handelsüblichen Bohrern, einer Säge und Farben lässt sich ein attraktives Hotel herstellen. Große Teile der Arbeit (z.B. Bohren von Holzstöcken) können von den Senioren selbst in kleinen Gruppen ausgeführt werden, was ein „Do-it-yourself-Gefühl“ fördert. Die Materialien (Zweige, Stroh, Tannenzapfen) sind meist lokal und kostengünstig. Auch der Unterhalt eines Bienenhotels ist überschaubar: Man kontrolliert jährlich die Bauklötze auf Fäulnis und erneuert gegebenenfalls alte Bohrgänge oder nasses Füllmaterial. Eine solche Pflege kann wiederum in die Begleitaktivitäten eingebunden werden.

Variationsreich und kreativ: Das Thema lässt sich auf vielfältige Weise umsetzen. Von der handwerklichen Arbeit (Holz sägen, Löcher bohren, Hotel bemalen) über künstlerische Gestaltungen (Insektenfiguren basteln, Insektenbilder malen) bis hin zu Sinneserlebnissen (Honigverkostung, Blütenduft). Die Kreativität der Teilnehmenden wird angeregt, etwa indem sie das Hotel nach eigenen Vorstellungen bemalen oder mit Naturmaterialien dekorieren. Diese kreativen Prozesse sind oft sehr erfüllend. Ein Baukurs für Erwachsene werbete damit, am Ende ein „persönliches Zuhause für Wildbienen“ geschaffen zu haben, das zugleich Garten verschönert und Naturschutz dient.

Nachteile und Herausforderungen

Mögliche Frustration durch geringe Nutzung: Insektenhotels sind zwar als Anschauungsobjekt ideal, aber sie bieten nach Studien oft nur für sehr wenige Arten tatsächlich Nistplätze. Statistiken zeigen, dass über 90 % der gängigen Insektenhotels entweder unbesiedelt bleiben oder nur von wenigen, häufigen Arten (z.B. Braune Mauerbiene, Rote Mauerbiene) genutzt werden. Das heißt: Nicht alle Erwartungen werden sofort erfüllt. Betreuungskräfte sollten die Senioren also darauf vorbereiten, dass das Hotel vielleicht Monate oder Jahre unbesetzt bleibt. Dieser „Warteaspekt“ kann für manchen frustrierend sein, wenn die Bewohner schnell Ergebnisse sehen wollen. Daher ist es wichtig, die Bedeutung des Projekts über Reintegration von Insekten hinaus zu betonen – also Fokus auf die Aktivierung und die Lernaspekte zu legen.

Fachwissen nötig (bei Imkerei): Falls das Projekt über ein einfaches Bienenhotel hinausgeht und echte Bienenstöcke (Imkerei) einbezogen werden sollen, steigen Aufwand und Risiken stark. Eine konventionelle Imkerei erfordert Fachwissen, Schutzkleidung und Kenntnis über Bienengesundheit (z. B. Bekämpfung der Varroamilbe). Die Haltung von Honigbienen unterliegt in Deutschland Meldepflichten (Bienenvölker müssen an das Veterinäramt gemeldet werden) und Erlaubnispflichten, außerdem muss ein Imker regelmäßig die Völker kontrollieren und Futter bereitstellen. Dies liegt weit außerhalb der Möglichkeiten einer Betreuungskraft. Das Projekt sollte daher auf Wildbienen- bzw. Insektenhotel fokussiert sein oder nur in Kooperation mit einem Imker stattfinden (z.B. Anschaffung eines Beobachtungskäfigs). Der große Vorteil eines Bienenhotels ist gerade, dass es ohne behördlichen Aufwand auskommt und sicherer ist: Solitärbienen stechen nämlich kaum, weil sie wenig aggressiv sind. Hingegen kann ein wilder Bienenschwarm bei falscher Handhabung abwehrend reagieren.

Allergie- und Sicherheitsaspekte: Grundsätzlich müssen Betreuende darauf achten, ob Bewohner eine Bienengift-Allergie haben. Sind gerade einmal Wildbienen aktiv, ist das Risiko eines Stichs sehr gering (die meisten Wildbienen können gar nicht wirklich stechen, und Hummeln sind meist friedlich). Bei den wenigen Gelegenheiten, wo doch ein Stich möglich ist (z.B. wenn eine Honigbiene in der Nähe ist), sollte medizinische Vorsorge vorhanden sein (Notfallset). Außerdem muss der Standort des Hotels so gewählt werden, dass Spaziergänger oder Besucher nicht gefährdet sind – z.B. gut erreichbar, aber nicht dort, wo man ohne Warnung hineinfassen würde. Unter einem überdachten Dach auf etwa 50 cm Höhe ist das Hotel gut geschützt; fast jeder Leitfaden rät, das Insektenhotel sonnig, regen- und katzensicher aufzustellen. Diese Sicherheitsvorkehrung minimiert mögliche Probleme.

Ressourcenaufwand und Pflege: Zwar ist ein kleines Insektenhotel überschaubar, doch auch hier fallen Pflegearbeiten an. Das Holz muss im Laufe der Zeit erneuert und altes Material entfernt werden. Falsches Füllmaterial (z.B. feuchte Lehmwand, Tannenzapfen) oder beschädigte Rohre muss ausgetauscht werden, damit das Hotel attraktiv bleibt. Diese Instandhaltung erfordert Aufmerksamkeit und kann für Betreuungskräfte zusätzlichen Aufwand bedeuten. Andererseits kann auch diese Aufgabe genutzt werden: Das alljährliche Nachbearbeiten der Nisthilfen wird so selbst Teil des Projekts (siehe Aktivitäten unten).

Trotz dieser Herausforderungen überwiegen meist die positiven Aspekte. Durch gute Planung und realistische Erwartungen (viele Wildbienen nisten im Boden und werden ein Hotel nie beziehen) können Betreuungskräfte Frustration verhindern. Wichtig ist auch, stets den Bildungs- und Erlebnischarakter hervorzuheben – nicht nur den schnellen „Erfolg“ durch zahlreiche Bewohner im Insektenhotel.

Planung und Umsetzung des Projekts

Eine erfolgreiche Durchführung erfordert sorgfältige Vorbereitung. Folgende Schritte und Tipps helfen dabei:

Ideen- und Zielklärung: Zuerst sollten Betreuende entscheiden, was genau erreicht werden soll: Möchten Sie ein klassisches Insekten-/Bienenhotel für solitäre Wildbienen bauen, oder gar (in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Imker) einen echten Bienenstock anschaffen? Da eine Imkerei viele Auflagen hat, bieten sich in der Seniorenbetreuung meist Insektenhotels an. Als Schrittziel kann es heißen: „Wir bauen eine Nisthilfe für Wildbienen und Insekten an unserem Haus.“

Materialauswahl: Beschaffen Sie geeignetes Material. Für ein Wildbienenhotel braucht man hauptsächlich Harthölzer (z.B. Buche, Eiche) in ein oder zwei Zentimeter starken Balken. In diese Bohren Sie Löcher (Mindestdurchmesser etwa 3–8 mm, senkrecht in Längsholz) in verschiedenen Durchmessern – dabei immer gerade und bündig zur Holzfaser, damit die Gänge trocken bleiben. Auch hohle Pflanzenstängel (z.B. von Schilf, Bambus, Hartriegel) und Pappröhrchen können eingesteckt werden. Bewährt haben sich auch ausgehöhlte, ungebrannte Tonziegel (die halten feucht kalte Winter gut aus). Achten Sie darauf, dass das Holz sauber (ohne Rinde), trocken und splitterfrei ist. Verzichten Sie auf ungeeignete Füllmittel wie Tannenzapfen, oder lasches Gras, da diese nur selten genutzt werden. Nagelschellen oder ein Rahmen können zusammen mit Wandplatten (Holzbohlen) das Grundgerüst des Hotels bilden.

Werkzeuge und Räume: Klären Sie, welche Werkzeuge nötig sind: Akkubohrer mit Holzbohrern, Stichsäge, Hammer, Pinsel und Holzfarbe (am besten wetterfeste, ungiftige Acrylfarben) sind sinnvoll. Manche Pflegeeinrichtungen haben einen Bastelraum oder Werkstatt, wo man ruhig arbeiten kann. Planen Sie die Arbeit in mehrere Sitzungen: Zuerst das Grobbohren und -sägen, in einer zweiten Runde das Schleifen und Bemalen. Wichtig ist die Sicherheit beim Bohren: Sofern möglich, dürfen Senioren unter Anweisung selbst bohren – ein spannendes Erfolgserlebnis. Andernfalls zeigen Sie ihnen das Bohr-Loch und lassen sie das nächste Holzstück halten. Immer nahmen die Teilnehmenden visuell und mit Händen am Prozess teil.

Innenbereich-Aktivitäten: Wenn kein (zugänglicher) Garten vorhanden ist, kann der Bau des Hotels komplett drinnen erfolgen. Legen Sie als Designaufgabe fest, wie das Hotel gestaltet wird: Einfache Häuserform mit Dach, oder offene Fächer? Die Gruppe kann das Design planen (vielleicht auf Papier skizzieren). Dann können Teilnehmende Rohre und Holzkörper anmalen oder bekleben – etwa mit floralen Mustern. So entsteht ein „Miniaturbienenhotel“, das später an Fenster oder Fluraufbau befestigt werden kann. Drinnen kann man zudem „Informationsstationen“ einrichten: Plakate oder Bilder über Bienen, ein Glas mit verschiedenen Honigsorten zum Riechen, ein (abgesperrtes) Glas mit Bienenwaben zur Anschauung. Ein Kurzfilm über Bienen im Garten (am Tablet oder Fernseher) kann gezeigt werden. All das ist Teil des Projekts: Bauarbeit und Wissensvermittlung laufen Hand in Hand.

Außenbereich-Vorbereitung: Für das spätere Aufstellen des Bienenhotels überlegen Sie einen passenden Standort. Er sollte sonnig und windgeschützt sein (Bienen lieben Wärme), etwa 50 cm über Bodenhöhe liegen und etwas unter einem Dach oder Vordach, damit Regen es nicht direkt durchweich. In der Nähe sollten blütenreiche Pflanzen stehen oder gepflanzt werden (z.B. wildwachsende Kräuter, Sonnenblumen, Lavendel). Diese schaffen Nahrungsquellen. Bewohner können anlegen oder pflegen: z. B. Wildblumen im Blumenbeet säen, Töpfe mit bienenfreundlichen Kräutern betreuen (Basilikum, Salbei, Lavendel). Damit wird das Hotel Teil eines größeren Schaugartens.

Montage und Einrichtung: Sobald das Hotel fertig ist, montieren Sie es gemeinsam am ausgewählten Platz. Ideal ist eine feste Verankerung an eine Wand oder ein Gestell. Hämmern Sie Dachschindeln (bei Holzhaus-Form) an, legen Sie ein kleines Blechdach auf, damit es wirklich trocken bleibt. Die Bewohner können dabei helfen, indem sie tragende Teile halten oder Deko-Elemente (wie kleine Modellbienenfiguren) anbringen. Danach kann man die ersten Pflanzen in Töpfen umstellen (z.B. Krokusse, Salbei) – so lernen die Betreuten, wie wichtig beides zusammenwirkt: Nisthilfen und Nahrungspflanzen.

Zeitplan und Jahresrhythmus: Planen Sie das Projekt saisonal: Das Bauen sollte im Frühjahr beginnen, damit noch im Sommer erste Insekten einziehen können. Im Winter ist Zeit für Pflegearbeiten: Alte Holzklötze und ausgebrochene Bohrungen erneuern, Füllmaterial austauschen. Auch hier können kleine Arbeitsrunden stattfinden: So bleibt das Projekt über das Jahr aktiv. Terminieren Sie zum Beispiel nach jedem Jahreszeitenwechsel einen „Bienen-Arbeitstag“.

Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit: Halten Sie Fotos und Ergebnisse fest. Bewohner können Plakate gestalten oder ihr Hotel bei Festen präsentieren (wie SBO Bochum beim „Haus an der Krachtstraße“, das Besuchern das Projekt vorstelltes). Dies steigert den Stolz der Beteiligten. Zudem können Spendenaufrufe oder Einladungen für Gäste („Komm vorbei, schau dir unser Insektenhotel an!“) erstellt werden – so wird das Projekt sichtbarer und die Senioren fühlen sich als Experten.

Durch diese Schritte gelingt eine realistische und strukturierte Umsetzung: Von der Planung über das handwerkliche Werk bis zur Pflege. Am Ende steht ein funktionierendes Naturprojekt, das die gesamte Gemeinschaft einbindet.

Aktivitäten zur Einbindung der Senioren

Ein zentrales Element des Projekts ist die Einbindung der Senior*innen in verschiedene Aktivitätsformen. Hierzu zählen:

Handwerkliche Aktivitäten: Dazu gehören Bau und Gestaltung des Hotels selbst: Bohren, Sägen, Schrauben, Leimen, Anstreichen. Feinmotorische Bastelarbeiten wie das Sammeln und Befüllen von Nisthilfen (Schilfrohre zuschneiden, in Fächer legen), Dekorieren (Blumen, kleine Figuren ankleben) sowie einfache Schreinerarbeiten (Hölzer zusammenschrauben) sind sehr beliebt. Betreuer können Teilaufgaben mit den Bewohnern abstimmen, z.B. „Heute bohren wir Löcher, morgen streichen wir alles bunt an“. Die Stiftung in Kamillus berichtete, dass Bewohner dabei „Bienenfleißig“ wurden und jeder seine handwerklichen Fähigkeiten einbrachte. Auch unschwerere Tätigkeiten wie das Sammeln von Naturmaterial (Heu, Lehm, Gras) aus dem Garten ermöglichen praktische Einbindung.

Garten- und Pflanzenpflege: Die Aktivität rund um das Bienenhotel kann durch Gartenarbeit ergänzt werden. Senioren können gemeinsam Blumensamen säen, kleine Hochbeete für bienenfreundliche Pflanzen pflegen oder Kräuterbeete anlegen. Diese Arbeiten vermitteln einen Lebenskreislauf-Gefühl: Jedes Geschenk der Natur wird zum Nahrungsangebot für die zukünftigen Hotel-Bewohner. Beim Jäten und Gießen sprechen Betreuer über Pflanzen, Aromen und Zusammenhänge: „Der Salbei mag die Bienen, daher stehen die Blumenpötte gleich dort neben dem Hotel.“ Solche Garteneinsätze bewegen sowohl Körper als auch Geist und sind oft Sinneserfahrungen (Erde riechen, Kräuter zupfen).

Beobachtende Aktivitäten: Auch wenn ein Bienenhotel erst nach einer Weile von Insekten besiedelt wird, beginnt die Beobachtung schon viel früher. Man kann aus der Ferne Fenster beobachten, ob eine Biene sich mal kurz in einem Loch versteckt, oder Blumen nach Schmetterlingen abscannen. Mit einer Lupe in der Hand oder einem geschützten Fernglas können sich Senioren Schmetterlinge, Bienen oder Wespen im Garten anschauen. Eine ruhig sitzende Gesprächsrunde neben dem Hotel – eventuell mit einem Insektennachführgerät oder einer Kamera – gibt ihnen ein Gefühl von „Live-Zoo“. Ein Insekten-Stammbaum oder Bestimmungsbüchlein (für Schmetterlinge, Hummeln, Wildbienen) kann bereitliegen: Wer möchte, kann versuchen, ein gesehenes Tier zu bestimmen. Bei Regenwetter kann der Beobachtungsdrang auf Bilder und Videos verlagert werden: Ein kurzer Film über Bienen im Garten, eine Bilderfolge mit verschiedenen Wildbienen-Arten oder Tonaufnahmen summender Bienenstimmen. Diese Materialien sind niedrigschwellige „Aktivierungshilfen“, die Interesse fördern.

Begleitende Bildungsaktivitäten: Hierzu zählen Informations- und Gesprächsrunden über Bienen. Betreuer können z.B. Vorträge halten oder Geschichten erzählen: Ein Klassiker ist etwa die Geschichte „Die Biene Maja“ oder regionale Anekdoten von Imkern. Quizfragen („Welche Blume besuchen die Hummeln?“) und kleinere Arbeitsblätter (z. B. Schnitt- und Finde-Bilder) sind möglich, sofern Interesse an kognitiver Förderung besteht. Hörspiele oder Bastelvorlagen über Bienen können in die Gestaltung eingebaut werden. Auch das Gefühl, etwas zum Naturschutz beizutragen, wirkt motivierend. Betreuer sollten immer wieder die Umwelt-Aspekte ansprechen: „Mit unserem Bienenhotel helfen wir 40 Wildbienenarten – und jeder von uns trägt ein bisschen dazu bei, damit es in der Natur weitersummt!“

Sinnliche Erlebnisse: Das Thema Bienen spricht alle Sinne an. Eine Honigverkostung kann den Geschmackssinn aktivieren; vielleicht probieren Bewohner Honig in verschiedenen Sorten (z. B. Löwenzahn-, Wald-, Akazienhonig) und vergleichen Süße und Aromen. Der Duft von Bienenwachs (aus frisch ausgekramten Waben) kann im Raum verteilt werden. Die Haptik des Bastelns – das Anfassen von Stroh, Ton und Holz – regt den Tastsinn an. Auch das Summen und Brummen selbst kann wohltuend sein: Ein kleiner „Bienenmusik“-Teil, z.B. das Abspielen einer Aufnahme einer Bienenstockkulisse, kann beruhigen.

Künstlerische Gestaltung: Kreatives Mitarbeiten steigert den Stolz: Bewohner können das Hotel mit Wasserfarben, Acryl oder Kreide bemalen (Ziel: wetterfeste, nicht abblätternde Farben verwenden). Schablonen von Insekten oder Blumen gestalten dabei schöne bunte Muster. Wer gerne schreibt, kann Gedichte oder Wünsche für den Garten formulieren und sie am Hotel anbringen. Diese künstlerischen Aktivitäten fördern die Feinmotorik und das Gemeinschaftsgefühl („Schau, ich habe eine große Blume gemalt, pass gut auf!“).

Diese Aktivitäten können flexibel zusammen oder einzeln angeboten werden. Im Alltag wechseln Sie Spiele, kleine Wettbewerbe (z.B. „Wer findet in diesem Gartenbeet die meisten verschiedenen Blüten?“) und praktisches Arbeiten ab. Wichtig ist, die Senioren aktiv mit einzubeziehen, ihren Ideen Raum zu geben und jede noch so kleine Leistung zu loben. Die Praxisberichte zeigen: Durch die vielseitige Beschäftigung entsteht ein Gefühl von Sinn und Selbstwirksamkeit.

Inklusive Varianten für mobil- und kognitiv eingeschränkte Teilnehmer

Damit alle Bewohner am Projekt teilnehmen können, bedarf es Anpassungen:

Mobilitätseinschränkungen: Für Personen im Rollstuhl oder mit Gehbehinderung liegen Aktivitäten mehr am Tisch und in Bodennähe. Rollstuhlfahrer können Holzstücke auf einem Arbeitstisch festhalten, während Betreuer bohren. Statt im Stehen kann bohren im Sitzen erfolgen. Tischhöhe und Greifhilfen erleichtern das Hantieren. Grobe Teile vorbereiten (vorbohren, zuschneiden) sollten Betreuer oder Freiwillige erledigen, damit die Bewohner sich z.B. auf das Einstecken von Bambusröhren und bemalen konzentrieren können. Auch das Garteln kann angepasst werden: Hochbeete in sitzender Arbeitshöhe ermöglichen das Pflanzen und Gießen ohne Bücken. Selbst mit Rollator kann die Person assistiert Blumen gießen oder Blätter abstellen.

Beim Beobachten können Teilnehmende mit Rollstuhl einen speziellen Platz am Fenster oder unter dem Hotel erhalten, so dass sie „dabei sind“, auch wenn sie nicht aktiv arbeiten. Ein Rollator kann auch vor den Blumenbeet gestellt werden, als Ablage für Gießkannen o.ä., um die Füße zu entlasten.

Kognitive Einschränkungen (Demenz): Hier ist es wichtig, die Aktivitäten stark zu vereinfachen und wiederholbar zu machen. Erklären Sie nur kleine Schritte: Statt vieler Informationen konzentrieren Sie sich auf greifbare Aufgaben. Etwa könnten Bewohner mit fortgeschrittener Demenz einfach ein Gießkännchen ins Beet setzen und gießen. Oder einen Pinsel in eine Farbe tauchen und einen Bereich anmalen – nicht großflächig, sondern Abschnitte eines Holzbretts. Wiederholte Bewegungsabläufe wie das Ausfüllen von Bambusstäben mit Stroh oder Wolle (solche Bienen-Nestungen erfordern weiches Material) sind gut geeignet: Sie geben Sicherheit und Erfolgserlebnisse. Bilderkarten mit Bienenmotiven oder Cartoon-Bilder von Insekten können als Gesprächsimpuls dienen („Was ist das?“, „Welche Farbe hat die Biene?“). In vielen Fällen hilft Musik: Ein summendes Geräusch (aus einer App oder vorab aufgezeichnet) kann den Fokus erzeugen, ohne Stress.

Grundsätzlich sollten bei Demenzerkrankten immer die positiven Gefühle im Vordergrund stehen. Kein Druck zur Leistung, sondern viele Wiederholungen, leicht verständliche Anleitungen und phasenweiser Rückzug. Das aktive Erleben steht über „genauen Ergebnissen“. Einfache Betreuungsunterlagen in leichter Sprache oder mit großen Bildern können die Schritte verdeutlichen. Auch Betreuer sollten hier mehr Mitsprache und Geduld an den Tag legen: Loben Sie jeden noch so kleinen „Beitrag“ (selbst wenn es nur das Halten eines Eimers ist). Wichtig ist, dass niemand ausgeschlossen wird: Selbst stumme Teilnahme (zusehen, zuhören) ist in Ordnung. Schließlich können Demenzkranke oft Emotionen und das Ambiente gut wahrnehmen – das „gemeinsame Tun“ genügt, auch wenn es ohne aktives Verständigen geschieht.

Multikulturelle und generationsübergreifende Ansätze: Obwohl nicht ausdrücklich gefordert, kann das Projekt interkulturell bereichernd gestaltet werden. Beispielsweise könnte man nach einer Führungszeit Schülerinnen und Schüler aus einer integrativen Grundschule einladen, mit den Senioren gemeinsam das Hotel zu schmücken (wie es in Reutlingen bereits praktiziert wird). Junge Freiwillige bringen oft neue Ideen (z.B. moderne Farbkombinationen) und steigern die Motivation.

In allen Fällen gilt: Die Aufgaben müssen dem Leistungsniveau angepasst werden, werden aber möglichst allen angeboten. Lassen Sie Ältere mitreden (welche Materialien verwenden wir? Welche Farben?) und feiern Sie jeden Fortschritt. So schaffen Sie ein inklusives Umfeld, in dem auch mobil und kognitiv eingeschränkte Menschen einen sinnvollen Platz haben und Teil des Naturprojekts sein können.

Umsetzung im Alltag

Ein solches Projekt lässt sich gut als festes Betreuungsangebot einplanen. Zum Beispiel können zweiwöchentliche Termine im Garten oder Aktivitätsraum den Rahmen bilden: Am Vormittag werden gemeinsam Holzklötze vorbereitet, am Nachmittag werden Pflanzen gegossen und Insekten beobachtet. Oder umgekehrt, je nach Tagesform der Gruppe. Betreuer können entlang der vorbereiteten Agenda frei schalten: Je nach Wetter und Möglichkeit mal mehr drinnen (Bauen, Basteln, Vorträge) oder draußen (Aufstellen, Gärtnern, Beobachten).

Wichtig ist der Spielfaktor: Auch Gewinnspiele (z.B. „Wer findet das erste Insekt im Hotel?“) oder kreative Namensgebung für das Hotel („Unser Summ-Summ-Hotel“) können Spaß machen. Lockere Gruppen mit Musik oder kleinen Liedern über Bienen (z.B. Kinderlied „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“) lockern die Stimmung. Und nach jedem erfolgreichen Schritt feiern Sie gemeinsam – etwa indem ein Bild des fertigen Hotels beim „Seniorenkaffee“ gezeigt wird oder ein kleines Zertifikat („Unser Team hat das Bienenhotel gebaut“) ausgehängt wird. Solche Rituale verstärken das Gefühl von Stolz und Erfüllung.

Schließlich bleibt festzuhalten: Ein Bienenhotel-Projekt in der Seniorenbetreuung ist nicht nur Theorie, sondern gelebte Praxis. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass solche Projekte umgesetzt werden – sei es das „Haus an der Krachtstraße“ in Bochum, das Kamillus-Altenheim in Mönchengladbach oder Seniorenzentren, die nach dem Be(e)D-Konzept Bienen halten.

Tópico Ausflüge, Garten & Natur

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