Hi! Dennis von Indie Fresse hier.
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Aufmerksame Leser*innen wissen: Eigentlich kommt der Newsletter früh morgens. Heute nicht. Der Grund: Ich konnte vorab das neue Battlestar Galactica-Spiel ausprobieren und das Embargo für Artikel dazu lief jetzt gerade ab.
Ein schönes (!) Spiel: Battlestar Galactica: Scattered Hopes
Erlaubt mir kurz, sehr, sehr nostalgisch zu sein. Anfang der 2010er habe ich in Finnland gelebt und studiert. Dunkle Winter, lange Sommernächte, jeden Donnerstag Erbsensuppe und Ofenpfannkuchen in der Kantine.
Und: Brettspiele. Viele, viele Brettspielabende mit lieben Freunden. Und es gab da vor allem ein Spiel, das immer wieder rausgeholt wurde: Battlestar Galactica.
Ein Spiel, in dem wir immer wieder aufs Neue versucht haben, das Kampfschiff Galactica in Sicherheit zu bringen vor seinen Verfolgern, den Cylons (menschenähnlichen Cyborgs), und immer wieder dran gescheitert sind, weil sich unter den Spieler*innen auch immer ein geheimer Cylon befindet, ein Verräter.
Das Spiel zur (fantastischen) Serie ist Kult und wird längst nicht mehr verkauft. Die Erinnerungen an Abende mit Freunden, Verrat, Paranoia und Raumschiffschlachten sind geblieben.
Und jetzt kommt das Spielprinzip des Brettspiels zurück. Als (wie könnte es anders sein) Roguelike.
Auch in Battlestar Galactica: Scattered Hopes (Abre numa nova janela) muss ich eine Raumschiffflotte vor den Angriffen der Cylons retten; muss meine Viper-Staffeln in die Schlacht schicken; muss Rohstoffe sammeln und Treibstoff sparen, um von Sektor zu Sektor zu hüpfen; und muss natürlich die Cylons in der Flotte enttarnen.
Ich war gespannt, denn Battlestar Galactica: Scattered Hopes setzt auf eine phänomenal schöne Pixel-Optik.

Und dann startete ich das Spiel und war erstmal enttäuscht. Denn:
Die Struktur ist simpel: Ein Run läuft immer nach dem gleichem Schema ab. Zuerst verwalte ich meine Flotte in einer Art Rundenmodus. Ich habe eine Handvoll Aktionspunkte. Ich kann sie ausgeben, um meine Helden auf Mini-Abenteuer zu schicken (ein Notruf auf einem Planeten! Ein umhertreibendes Schiff mit einem Tank voll Treibstoff!). So sammele ich Ressourcen ein. Die Ressourcen gebe ich dann aus, um Krisen zu lösen (ein Feuer ist ausgebrochen! Die Arbeiter fordern höhere Löhne!) und Upgrades freizuschalten (mehr Panzerung! Mehr Waffen!). Dann ertönt der Alarm. Die Cylons greifen an.
Der Kampf ist simpel: Dann wechselt Scattered Hopes in seinen Taktikkampfmodus. Auf der einen Seite sind meine Schiffe, auf der anderen die Cylons. Die Cylons fliegen stumpf los, um meine Flotte zu zerstören. Ich schicke ihnen meine Kampfpiloten entgegen, die sie abschießen. In regelmäßigen Abstand kann ich meine Flotte aktiveren, um die Cylons mit Flakfeuer und Raketen zu beharken. Viel nachdenken muss ich dabei nicht.

Der Jank: Und dann wären da noch die kleinen und seltsamen Eigenheiten. Die UI ist voller kleiner Unbequemlichkeiten und Inkonsistenzen. Mal erscheinen Dialogtafeln links, mal rechts. Die Menünavigation ist umständlich. Und wenn in den Kämpfen zu viel los ist, verfällt Scattered Hopes in ein Schneckentempo als wäre es ein ungepatchtes Cyberpunk 2077.
Ich war bereit, aufzugeben.
Und dann hat es mich trotzdem gekriegt
Denn nach den mauen ersten Anläufen, habe ich begonnen neue Elemente im Spiel freizuschalten.
Neue Flotten: …und neue Taktiken. Etwa eine Flotte, die vor allem auf die schweren Waffen des Kommandoschiffs setzt. Jetzt geht es in den Weltraumschlachten darauf, feindliche Cylons in die Bahn meiner Rakten zu schieben, oder sie in die Reichweite von Lasergeschützen zu locken. Spezialfähigkeiten kommen dazu. Die zunächst simplen Kämpfe werden spannend
Neue Upgrades: …die mich mächtiger machen, denn natürlich ist Scattered Hopes auch irgendwo ein “incremental Roguelike”, in der ich nach jedem Run meine Flotte verbessern kann. Mehr Ressourcen, mehr Erfahrungspunkte, mehr Lebenspunkte, all das macht, dass ich bald mehr Optionen habe, mehr Auswahl, mehr Chancen, weiterzukommen.

Das alte Gefühl: Und dann, irgendwann nach Mitternacht, nachdem ich längst aufhören wollte, hat mich dieses Spiel. Weil es mir genau dieses Gefühl vom Brettspiel gibt. Die Ressourcen sind knapp, die Cylons sind übermächtig, mitten unter meinen Helden versteckt sich irgendwo ein Verräter und ich treffe eine schwierige Entscheidung nach der anderen, um noch einen FTL-Sprung in Sicherheit zu machen. Und noch einen. Und noch einen…
Battlestar Galactica: Scattered Hope ist ab heute raus auf Steam (Abre numa nova janela).
Schamlose Selbstpromo und anderes Zeug
Schlechte Nachrichten aus der Games-Kritik-Bubble: Die Games-Sektion vom Paste Magazine wird eingestellt. Einen guten Nachruf gibt es auf Kotaku (Abre numa nova janela).
Gute Nachrichten aus der Games-Kritik-Bubble: Ein weiteres, neues Magazin startet. Crit Build (Abre numa nova janela) von Renata Price und Tessa Newton. Und dazu gibt’s sofort ein Manifesto (Abre numa nova janela) (lieben wir!)
Keine Übersicht mehr, was es an (englischsprachigen) Games-Medien gibt? Chris Plante hat eine Liste zusammengestellt (Abre numa nova janela).