Orcas sind überaus soziale Tiere, die ihr gesamtes Leben in engen Familienverbänden verbringen. Während ein weiblicher Orca diese Gruppe anführt, bleiben männliche Orcas meist für immer bei ihrer Mutter. Doch im Nordatlantik, genauer in der Bay of Fundy, wo die Grenze zwischen den USA und Kanada auf die Küste trifft, schwimmt ein großes Mysterium: Old Thom ist ein sehr großer männlicher Orca, der seit 2009 immer wieder gesehen wird. Er ist der einzige, der noch nie mit anderen Orcas gesehen wurde. Dass in dieser Region einzelne Orcas angetroffen werden, kommt häufig vor (25% aller Sichtungen) aber dass Old Thom wirklich noch nie in Gesellschaft eines Artgenossen entdeckt wurde, stellt Forschende vor ein Rätsel.
Doch damit hören die Besonderheiten nicht auf. Statt mit anderen Orcas zu schwimmen, wird Old Thom oft von Weißseitendelfinen begleitet, die gemeinsam mit ihm auf Nahrungssuche gehen. Seit dem Meer-Montag #14 [1] wissen wir, dass die verschiedenen Orcapopulationen in unserem Meeren sehr spezifische Nahrung zu sich nehmen. Und während vor der Küste Chiles eine Gruppe Orcas erforscht wird, die sich scheinbar auf Delfine als Beute spezialisieren [2], wurde Old Thom bisher nur mit Fischen zwischen den Zähnen gesichtet. Er tut den Delfinen scheinbar nichts und sie zeigen in seiner Gegenwart kein Fluchtverhalten. Im Gegenteil: sie wurden dabei beobachtet, gemeinsam Fisch zu jagen und zu fressen. Manche Fischer der Region berichten auch, er habe bereits Haie gejagt aber dafür gibt es noch keine Belege.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass im Nordosten der USA eine eigene Orcapopulation lebt. Etwas weiter nördlich, im Osten Kanadas und um die Insel Neufundland, leben jedoch saisonal zwei oder drei verschiedene Gruppen. Es besteht die Möglichkeit, dass Old Thom von einer dieser Gruppen stammt. Dafür spricht seine enorme Größe, die ungefähr zu der Population der Ostkanadischen Orcas im Nordatlantik passt. Allerdings könnte dies nur mit einer DNA Probe untersucht werden. Mit einer geringen Wahrscheinlichkeit wäre es möglich, dass seine Mutter gestorben ist. Das würde die Lebensweise von Old Thome erst recht besonders machen. Eine Studie hat ergeben, dass bei jungen männlichen Orcas die Wahrscheinlichkeit, im Jahr nach dem Tod ihrer Mutter zu sterben, dreimal so hoch ist wie bei denen, deren Mütter noch lebten. Männchen über 30 waren sogar noch anfälliger. Ihr Sterberisiko stieg um das Achtfache. [3] Zwar ist es üblich, dass Männchen ihren Familienverband kurzzeitig verlassen, um zu jagen. Jedoch kehren sie immer wieder in den Schutz des sozialen Gefüges zurück und werden auch im Erwachsenenalter noch von ihren Müttern mit Futter versorgt, währen die Weibchen im Laufe ihres Lebens selbstständiger werden.
Doch Old Thom widerspricht scheinbar allen Wahrscheinlichkeiten und lebt seit über 15 Jahren mit Delfinen. Und weil dieses Phänomen der “Mixed Species Group” so spannend ist, widmen wir uns ihm in einem weiteren Meer-Montag.
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Quellen & Weiterlesen
[1] Meer-Montag #14 - Der monochrome Spitzenprädator (Abre numa nova janela)
[2] BBC Science Focus Magazine - The mysterious gang of killer whales is hunting down and eating deolphins (Abre numa nova janela)
[3] SciTechDaily - Mother’s Presence Increases Survivability of Male Orca Offspring (Abre numa nova janela)
Video über Old Thom: KPassionate - Mystery of Old Thom: the Orca Who Lives With Dolphins (Abre numa nova janela)