Saltar para o conteúdo principal

Hier boxt der Papst

Oder so. Auf jeden Fall ist es in Venedig derzeit alles andere als langweilig. Wohl keine Biennale hat so viel Aufregung verursacht, wie diese, und das nicht allein wegen der Teilnahme Russlands (hier im Bild der russische Pavillon), die den Putinfreunden in der italienischen Regierung (und in der Opposition) Gelegenheit gegeben hat, mal wieder groß rauszukommen.

Zu den beiden Herren, die sich im Hahnenkampf um die wahre rechte Lehre befinden, habe ich schon wiederholt geschrieben (Abre numa nova janela). Als würde das noch nicht reichen, waren wir auch noch damit geschlagen, dass Lega-Chef Salvini sich auf der Biennale zeigte, die Ankündigung der EU-Kommission, sie werde zwei Millionen Euro an Fördergeldern für die Biennale einfrieren, als “vulgär” bezeichnete und sich zur Freiheit der Kunst äußerte. Was ungefähr so kenntnisreich ist wie Trump, der empfiehlt, sich Desinfektionsmittel gegen Covid zu injizieren.

Russlands Beitrag (Abre numa nova janela) bestand im Wesentlichen aus Flöte und Balalaika (Abre numa nova janela)spielenden stöhnenden Damen, eine Art russischer Folkloretruppe mit dem Motto: „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“ (Abre numa nova janela), was nicht sonderlich originell ist. Schon bei der Biennale 2022 hatte eine tschechische Ausstellung festgestellt: „Die Bäume wachsen aus dem Himmel“ (Abre numa nova janela). Aber gut, so funktioniert eben der Kunstsprech, der Tisch lernt schwimmen, die Lampe spielt Schach und der Papst tanzt Polka, ach nein, das gab es schon, und dann war da noch die Milch der Träume (Abre numa nova janela) der Biennale 2022, die mich auf jedem Vaporetto verfolgte, und mir wird schon bei dem Geruch von Milch schlecht.

Die Kultursendung Aspekte (Abre numa nova janela) hat die diesjährige Biennale sehr gut zusammengefasst, am Ende sage ich auch noch zwei Worte zu Melonis Kulturpolitik. Remember: Kulturpolitik ist für die Rechte die einfachste Möglichkeit, um die identitäre Ausrichtung zu bestätigen. Das kostet sie im Grunde nichts - bringt aber viel ein. Im Prinzip.

Da wäre die Gleichschaltung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, auch Telemeloni genannt. Oder die Regeln für die Vergabe von Filmfördermitteln. Etwa dass der Film “Giulio Regeni - Tutto il male del mondo (Abre numa nova janela)”, von der Ministerialkommission als “nicht förderungswürdig” eingestuft wurde: ein Film, der die Geschichte des italienischen Forschers nachzeichnet, der 2016 in Ägypten gefoltert und getötet wurde. Der Fall blieb ohne festgestellte Schuldige, trotz eines in Italien eingeleiteten Verfahrens gegen ägyptische Sicherheitsbeamte und trotz des klaren Verdachts auf eine direkte Beteiligung der autokratischen Regierung des ägyptischen Präsidenten Al Sisi. Regeni ist in Italien zu einem der wichtigsten Symbole für die Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit geworden.

Stattdessen gab es Finanzierungen für einen Film über den vermeintlichen Erfinder der Fettucine, über einen (glücklosen) rechten Komiker und 800 000 Euro für einen Film, der im Kino 26 000 Euro eingespielt hat. Klar ist: Es geht nicht nur um eine verweigerte Finanzierung, sondern darum, wie entschieden wird, was verdient, erzählt zu werden.

Melonis Kulturpolitik besteht bekanntermaßen vor allem aus der Obsession , die (echte oder vermeintliche) kulturelle Vorherrschaft der Linken zu stürzen. Das Problem ist nur: Wo sind die rechten Künstler und Intellektuellen von internationalem Rang, wo ist Melonis kulturelle Truppe?

Wirklich witzig ist, dass die Dirigentin Beatrice Venezi nach ihrer Kündigung (Abre numa nova janela)Melonis Kulturpolitik rundweg für gescheitert erklärt hat - weil sie gekündigt wurde. Nicht, dass es ihr an Selbstbewusstsein mangeln würde.

Dass Venezis Kündigung mit der bevorstehenden Bürgermeisterwahl zusammenhängt, war klar. Melonis Regierungskoalition wollte noch vor den Wahlen aus der Nummer herauskommen.

Und wir von Terra e Acqua (Abre numa nova janela) waren in diesen Tagen in Venedig per Boot unterwegs, um mit Venezianern zu sprechen. Hier auch das Programm (Abre numa nova janela), falls Sie des Italienischen mächtig sind. Am wichtigsten ist für uns natürlich der Teil, der konkret Venedig betrifft (Abre numa nova janela). Darüber haben wir mit den wenigen verbliebenen Venezianern gesprochen, etwa mit der 93jährigen alten Dame in Cannaregio, oder mit dem Herrn, der schon mit seinem Hund am Ufer auf uns wartete oder mit den Bewohnern von Sant’Elena …

Es war für uns natürlich - auch - ein Spaß, im Boot unterwegs zu sein, weniger für die capitani da mar, wie man an meinem angestrengten Gesichtsausdruck sieht …

Denn das Boot anzulegen ist in Venedig praktisch unmöglich, weil alle Anlegeplätze belegt sind. Und wenn einem dann noch in einem Kanal ein Müllboot entgegenkommt, also eine Art Panzerkreuzer Potemkin, kriege ich Schweißausbrüche. Hier unter dem Ponte della Libertà sieht es aus wie eine Szene aus einem Gruselfilm:

Aber wir haben es geschafft. Kein Boot und keine Gondel versenkt.

Auf dem Weg nach Sant’Elena kamen wir an dem venezianischen Fußballstadion Penzo vorbei … das ja jetzt von dem in Rekordzeit auf dem Festland erbauten “Bosco dello Sport” ersetzt werden soll, weshalb allen venezianischen Fußballfans das Herz blutet.

Der Venezia FC ist soeben in die erste Liga aufgestiegen, was in Venedig gestern mit einem Wasserkorso (Abre numa nova janela) gefeiert wurde.

Um den Ausverkauf Venedigs klarzumachen, für den die Bürgermeister der letzten 35 Jahre verantwortlich sind, habe ich noch ein kleines Video gemacht. Und ja, mit dem Ausverkauf Venedigs wurde auch unser Alltag verkauft. In San Marco, da wo ich wohne, leben noch 3000 Menschen - umzingelt von 11 000 Touristenbetten. Gerechnet auf ganz Venedig ist das Verhältnis so: 48 000 Venezianer und 51 000 Touristenbetten. Und auf jeden Einwohner Venedigs kommen 42 Restaurants oder Bars.

https://youtube.com/shorts/KxVHv75A3tU?si=mE-7ensR7nB3PA6b (Abre numa nova janela)

Wie bei den Socials üblich, sind unter den vielen positiven Kommentare natürlich auch die sogenannten “Tastaturlöwen”, die mir vorwerfen, mich als “Deutsche” in italienische Angelegenheiten einzumischen, und natürlich überhaupt keine Ahnung zu haben. So gesehen ist es wirklich gut, dass ich auch auf meine italienische Staatsangehörigkeit verweisen kann.

Jetzt haben wir noch knapp zwei Wochen Zeit bis zu den Wahlen. Egal, was dabei herauskommt: Wenigstens müssen wir uns nicht vorwerfen, nichts getan zu haben.

Aus Venedig grüßt Sie herzlich, Ihre Petra Reski

1 comentário

Gostaria de ver os comentários?
Torne-se membro de Reskis Republik para participar no debate.
Torne-se membro