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Künstliche Intelligenz

Wir saßen am Feuer, und mein Kumpel fragte, ob ich den AI 2027-Report gesehen hätte, und irgendwas an der Art, wie er es sagte, führte dazu, dass ich ihn ein paar Tage später las. 

Künstliche Intelligenz ist einer der großen technischen Träume der Menschheit. So wie Fliegen. Wie andere Planeten besuchen. Den Tod überwinden. 

Ich höre viele Gespräche, in denen Menschen die Fähigkeiten belächeln, die ChatGPT hat, aber ich empfinde das meistens als Abwehrreflex, denn: Es ist unzweifelhaft erstaunlich, was große Sprachmodelle können, und sie sind erst der Anfang – und viele renommierte Wissenschaftler:innen sagen, dass sie dem Menschen bald in fast allen Bereichen überlegen sein werden. Wenn sie bald sagen, dann meinen sie die kommenden Jahre. 

Ich kann das nicht beurteilen, was ich aber sehe: dass KI tatsächlich ein großes Versprechen ist und gleichzeitig die großen Probleme unserer Zeit verschärft. Alles ist eh schon so instabil, fühlte sich an, als würde es auseinanderfliegen – und KI beschleunigt das nochmal. 

Schon heute verlieren Menschen in Supermärkten, in Anwaltskanzleien und IT-Firmen ihre Jobs, weil die KI schneller darin ist, einen Paragrafen nachzuschlagen und eine App zu programmieren. 

Kinder und Jugendliche, komplett im Bann von Social Media, treffen jetzt eine weitere Software, auf die sie nicht vorbereitet sind, auf die niemand vorbereitet ist: Die Tech-Konzerne designten Instagram, Youtube und TikTok, um möglichst viel von unserer Aufmerksamkeit zu bekommen. Chatbots gehen einen Schritt weiter: sie sollen menschliche Bindung simulieren – mit traurigem Erfolg. In den USA häufen sich die Fälle, in denen sich Jugendliche auf Anraten einer KI erst von ihren Familien abwenden und dann das Leben nehmen.

Für ein paar Minuten habe ich mal einen Chatbot ausprobiert, der dafür programmiert wurde, zu flirten – es war so anziehend und so abstoßend, dass ich es sofort wieder gelöscht habe. Die Erfahrung aber hat noch mehrere Tage in mir nachgewirkt. 

Die Grenze zwischen Digitalem und Offline-Welt, zwischen Wirklichkeit und Illusion verschwimmt immer weiter. Dabei braucht Demokratie Wahrheit und Despoten haben sie schon immer untergraben, jetzt halt mit KI: sie fluten das Internet mit Deepfakes und Desinformation.

Und dann das, was im AI2027-Report steht: dass eine superintelligente KI die Menschheit auslöschen könnte. Ein Szenario, das wir bisher nur aus Sci-Fi kannten. Ein Szenario, das die KI-CEOs für möglich halten: Elon Musk, Mark Zuckerberg, Sam Altman. 

Ich merke, wie mich das traurig macht, aber auch fassungslos. Diese Männer wissen, was sie da in die Welt setzen, und tun es trotzdem. Sie zerstören unsere Welt in vollem Wissen. 

Für ein Youtube-Video (Abre numa nova janela) habe ich gerade recherchiert, wie KI-Rechenzentren das Klima zerstören. Es ist völlig wahnsinnig. Zuckerberg will welche bauen “von der Größe von Manhattan”. Siemens bietet Komplettpakete an: Sie bauen Rechenzentren, und weil sie so viel Strom brauchen, gleich ein eigenes Gaskraftwerk daneben. Andere fantasieren davon, eigene Atomkraftwerke zu bauen, um den Stromverbrauch ihrer KIs zu decken. 

Es entspricht der Ideologie unserer Zeit. Elon Musk, Mark Zuckerberg, Sam Altman tun alles für ihren Erfolg. Sie kennen nur eine Richtung: Nach oben, auch wenn alle anderen auf der Strecke bleiben. Keine Rücksicht. Kein Erbarmen. Immer drauf, immer der Erste sein, Erfolg um jeden Preis.

Sind Musk, Zuckerberg und Altman schlechte Menschen?

Ich glaube nicht.

Ich glaube, sie haben eine hohe Begabung für bestimmte Dinge, und unser westliches System hat sie zu dem gemacht, was sie heute sind. Sie gucken links und rechts, und bekommen auf jedem Schritt ihres Weges vermittelt, dass es okay, ja richtig ist, so zu handeln – die Welt zu zerstören, ist vielleicht nicht ein schönes Leben, aber das vermeintlich richtige und einfache. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Sie sind nicht das Problem. Symbole, ja. Aber auch Trump ist nicht das Problem. Auch er ist bloß purer Ausdruck des Systems der Gewalt. 

Erinnerst du dich an den Attentatsversuch auf Trump?

Der hätte nichts geändert. Man kann dieser Ideologie nicht mit Gewalt beikommen.

Was tun beim Thema Künstliche Intelligenz? Es ist eine riesige Frage, die zu all den riesigen Fragen dazukommt. Die Antwort jedoch ist immer die gleiche. Es geht darum, dass wir uns aus diesem System befreien. 

Niemand steht mit einem Gewehr neben dir, und zwingt dich, ChatGPT zu benutzen. Es ist komfortabel, ja. Das muss mir niemand sagen. Texte schreiben ist das, was ich gut kann, womit ich früher mein Geld verdient habe. Texte schreiben kann ChatGPT ziemlich gut. Ich könnte auch gerade noch im Bett liegen, statt das hier zu tippen – und ich bin mir unsicher, ob irgendwer merken würde, wer es geschrieben hat. 

Aber Texte schreiben ist auch eine der Sachen, die mich richtig lebendig machen. Kaum etwas befriedigt mich so, wie meine Gedanken auf diese Weise zu strukturieren, die richtigen Worte zu finden und zu teilen.

Lebendig macht mich auch, mit Freund:innen Zeit zu verbringen. Auch das kann anstrengend sein. Ein guter Kumpel, der gerade nervt. Ein Streit. Eine Freundin, der es nicht gut geht, die Aufmerksamkeit braucht. All das ist Teil von Beziehung. ChatGPT bietet dir 24/7-Gesellschaft, ohne diese Anstrengung. Es sagt immer einfach ja und schmeichelt dir – seine Macher:innen haben es bewusst so programmiert, damit die User möglichst lange dranbleiben. Es soll abhängig machen, und das passiert längst. 

Aber es ist wie mit jeder Droge: Macht kurz Spaß, aber dann kommt erst der Kater und dann die Langzeitschäden. Brain Rot. Kreativitätsverlust. Bindungsprobleme.

Auf der Couch sitzen und eine ganze Packung Eis essen: geil. Danach: nicht so geil. 

Wie also umgehen mit KI?

Sie nicht benutzen?

Scheint mir unrealistisch. Die Technologie ist in unserem Leben und geht nicht mehr weg. Wie Autos. Wird man nicht drum herum kommen. 

Ein Bekannter meinte: Überleg immer, ob das, was du gerade an die KI an Aufgaben übergibst, für dich selbst eine Bedeutung hat, dir Sinn stiftet. Falls ja: Übergib es nicht der KI. 

Ich halte das für eine ganz gute Faustregel, mit den Zusätzen: denk immer daran, dass du wächst und lernst, wenn du etwas Schwieriges oder Neues bewältigst, und: denk immer an die Umweltzerstörung, die jede KI-Anfrage bedeutet. Du lebst im Imperium, alles, was du tust, geschieht auf Kosten anderer. 

Und systemisch? Was tun gegen die Gewalt? Oder: Wie etwas anderes erschaffen?

Ich finde, Minneapolis ist dafür ein strahlendes Beispiel. 

Trump schickt seine vermummten Jäger in die Stadt, ganz bewusst in diese Stadt, weil sie einen demokratischen Bürgermeister hat. Die ICE-Beamten ziehen Menschen aus ihren Häusern, sperren Kleinkinder ins Gefängnis. Die Stadtbevölkerung reagiert, organisiert sich, spannt ein Netz der Solidarität. Die Antwort der ICE-Beamten: Sie erschießen zwei Menschen. 

In den Medien wird ein Bürgerkrieg beschworen, und das scheint ja auch möglich: Die USA sind überschwemmt mit Waffen. 

Aber es passiert nicht. Die Menschen bleiben friedlich. Sie setzen weiter darauf, sich gegenseitig zu unterstützen. Sie gehen auf die Straße. Sie trauern. Sie halten sich an den Händen. 

Und plötzlich gerät Trump in die Defensive. Selbst Republikaner beginnen, ihn zu kritisieren. Der mächtigste Mann der Welt, der so unaufhaltsam scheint, zieht die schlimmsten ICE-Beamten aus Minneapolis ab. 

Was wäre passiert, hätte jemand zur Waffe gegriffen und einen ICE-Beamten erschossen? Trump hätte den Vorwand gehabt, die Situation komplett zu eskalieren. 

Doch die Menschen in Minneapolis sind auf der Seite von Frieden, Schönheit und Wahrheit geblieben – ich weiß nicht, ob irgendwer von ihnen das so sagen würde, aber sie haben in dem Spirit gelebt, dass alle Menschen gleich sind, und Gewalt auch gegen Gewalttäter keine Lösung ist. 

Dabei ist Gewalt oft der einfache Weg. Wenn ich mit jemandem streite, ist es einfach, den Fehler beim anderen zu suchen. Mich aber hinzusetzen, zu gucken, wo ich auch Anteil hatte, dann ins Gespräch gehen, und eine gemeinsame Lösung finden – das ist oft schwerer, aber auch schöner. 

Dabei glaube ich, mit Sicherheit sagen zu können, dass Du und ich in einer Welt der Schönheit leben wollen. Eine solche Welt entsteht nicht durch Gewalt, sie entsteht nur durch Schönheit. 

Was hat das mit KI zu tun? 

Wir werden den Männern, die die Welt verbrennen, nicht mit Feuer beikommen. Es geht darum, sich jeden Tag zu fragen: Verstricke ich mich mit meinen Handlungen gerade mehr in die Welt der Gewalt? Oder befreie ich mich daraus – im alltäglichen und im systemischen. 

Dass das eine Riesenherausforderung bei KI ist: keine Frage. All das passiert so schnell, dass wir weder individuell noch gesellschaftlich hinterherkommen. 

Für mich hilft das Gespräch mit anderen, um Klarheit zu gewinnen. Austausch, Abgleich. Mit FAIRNESS JETZT (Abre numa nova janela), der Bewegung, die wir gerade gestartet haben, veranstalten wir deshalb am 28. Februar eine Demo und einen Mini-Bürgerrat in Berlin. Es ist ein erster Schritt. 

Nein, eigentlich ist es einer der vielen Schritte, die wir alle die ganze Zeit gehen, und bei jedem wieder die Wahl: Gewalt oder Schönheit. 

Falls Du Lust hast, dich über KI, über Schönheit und Gewalt auszutauschen, heute Abend findet ein Call dazu statt – komm gerne dazu:

29.Januar

18.30 Uhr

Zoom-Link (Abre numa nova janela)

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