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I couldn´t help but wonder… Was noch zu AJLT gesagt werden muss.

Wo sind die Role-models in Sachen Altern, Mode und Muttersein? Plus: Ein Lichtblick!

 

"And just like that" ist "Sex and the City" nicht mehr das, was es mal war. Wo sind die guten Vorbilder? Bildrechte: Perez Jose/Splash News/ABACA & Home Box Office, Inc. All rights reserved/ Sex and the City Promo/HBO

 Jetzt kommt frischer Wind in die Abendroutine mit Blaulichtfilterbrille. Dachte ich. Staffel 3 wird gut, ganz sicher. Wie oft falte ich abends Wäsche und möchte mich gerne noch etwas berieseln lassen! Netflix hat mir schon lange nichts Spannendes mehr angeboten und das ewige Suchen nach etwas, das mich dann doch langweilt, tue ich mir schon lange nicht mehr an. In den letzten Monaten haben mich eher Podcasts oder das Retro-TKKG-Archiv begleitet.

Ich erinnere mich genau an das Gefühl, das mich in den 90ern begleitet hat, während ich meine Videokassetten (!) in den Rekorder schob. Mein damaliger Freund hatte mir alle Staffeln auf Video geschickt- das beste Geschenk überhaupt. Ich war Anfang 20 und zwischen meinen Männern oft so hin und hergerissen wie Carrie. (Natürlich nicht mehr, als die Videokassetten ankamen.) Ich war jünger als die Protagonistinnen und oft fühlte es sich so an, als würde ich schon mal durchs Schlüsselloch der Zukunft linsen: Wie es sich anfühlt, „den Richtigen“ zu suchen, sich seinen Platz im Beruf und im Leben zu erkämpfen. Dazu so viele erste Male. Eine aufregende Zeit mit scheinbar allen Möglichkeiten, aber auch allen Unsicherheiten und dem Wissen, dass mein Gesicht auch morgen noch gut aussieht, egal wieviel Schlaf ich bekomme.

AJLT setzt woanders an, im Universum der Wechseljahre, der Neuorientierung, der Tennissockenstürze. Mr Big ist tot und Carrie trägt ihre ergrauten Haare immer noch so straff zurück, als hätte die Stylistin überlegt, ob das Ganze jetzt auch einen Lifting-Effekt haben könnte. Die ersten Staffeln mochte ja wirklich niemand, zu woke, zu konstruiert, zu politisch korrekt. Irgendwie hatte ich Hoffnung zum Staffelstart. Keine Ahnung warum. Vielleicht weil die Trauerphase um Big, die Hüft-OP mit Urinalarm und die lesbische Küchenverführung von Miranda schon abgehandelt worden waren. Jetzt konnte das Ganze doch mal wieder Fahrt aufnehmen, frech und intelligent werden?

 Fakt ist: Ich vermisse die coolen Frauen in den 50ern, die wirklich role-models für uns sein könnten. Ich bin jetzt 45, und ich kenne so gut wie keine, was vermutlich daran liegt, dass alle versuchen, jünger zu sein. Ich hätte gerne ein Stilvorbild, ein Muttervorbild, ein Lebenshaltungsmodell für die nächsten Jahre, mit dem ich mich gut fühle. Allein modisch wäre das genial, denn ich möchte nicht wie mein Teenie herumlaufen. Ich brauche den erwachsenen Twist. In den 90ern fing ich durch „Sex and the City“ an, an alles überdimensionale Blumenbroschen zu stecken, ich trug einen Haufen Perlenketten und verdammt hohe Schuhe, die in meiner Wahrnehmung natürlich in Carries Schrank hätten stehen können. Ich saß manchmal mit Carries Kopfknödel in kurzen Shorts an meinem Schreibtisch und stellte mir vor, ich hätte auch eine Kolumne, in der ich mein Leben verarbeiten darf und die mir ein Town House in New York und diverse Paare Manolo Blahnik finanzieren würde. Meinen Freundinnen und ich analysierten auch die Männerlage, puzzelten alles auseinander an Gefühlen und Situationen, setzten es wieder zusammen und fühlten uns dabei am Ende großartig, während wir Seidentücher zu Gürteln umfunktionierten oder Jeansjacken customizten.  Es war ja alles noch ein Spiel ohne Druck- und wir waren inspiriert. Seelisch wie modisch. Und jetzt? Nichts. Da ist einfach nichts.  

 Carrie analysiert gar nichts mehr, sondern wartet 5 Jahre in ihren Fünfzigern auf einen Mann, der ihre neue, alte große Liebe sein soll und den sie Mitte 30 eigentlich nicht wollte. Ihr Stil hat sich in meinen Augen nicht weiterentwickelt. Ihre Outfits sehen häufig nur nach Flohmarkt aus, nicht nach Vivienne Westwood. Ich finde es bewundernswert, dass Sarah Jessica Parker nichts hat machen lassen bei all dem Druck, aber sie sieht auch oft unendlich müde aus. Warum ist sie nicht ein Stilvorbild für Mode, die einen gut aussehen lässt, frisch, stark? Elegant und erwachsen und nicht zusammengewürfelt, düster und unförmig? Wenn sie einen Hut trägt, mit dem sie auch über den Hudson schippern könnte, sieht das leider verlottert aus. Und auch die anderen Serienfiguren kleiden sich nicht auffällig gut oder kopierwürdig. Ich möchte mir jedenfalls keine Kette umhängen, die aussieht, als hätte ich mich mit der Lichterkette meiner 5Jährigen dekoriert. Miranda war früher immer cool und clean, ganz Anwältin, aber da ihr Charakter ja eh ins Unsicherere und Queere diffundiert ist, ist es wohl keine Überraschung in was für seltsamen Walle-Walle-Outfits sie herumläuft. Nennt mich spießig, aber ich hätte die Charaktere so belassen, wie sie mal angedacht waren. Da kann Miranda auch lesbisch werden, aber dann eben eine Powerlesbe mit Anwaltsego. (Wer erinnert sich an die Lesben, die Charlotte in der ersten Staffel „umdrehen“ und ihre Galerie leerkaufen wollten?) Ich sehe Miranda in Hosenanzügen und definierten Kleidern in Uni-Tönen.

Carrie kann ein Paradiesvogel bleiben, aber nicht die modische Schwester von Marie Antoinette, sondern eher in etwas von Celine, YSL, etwas Roujé, ein bisschen Paris. Verspielt ja, aber erwachsen.  Nicht so viel Haut, wenn ihr mich fragt. Tutu ist vorbei, jetzt müsste eher ein Seidenrock her. Statt hautengem newspaper dress von Dior könnte es auch ein Midirock mit YSL-Seidenbluse sein.  Dazu nudefarbene Heels. Ein schmaler Blazer. Statt Nameplate- Carrie-Kette oder selbstgebasteltes ihrer jungen Nachbarin bitte klassischer Schmuck im Stil von Cartier, auch Modeschmuck, aber nicht wie mit Mitte 30. Dazu viel Farbe. Smaragdgrün meets creme. Weiß und braun. Rosé und rot. So stell ich mir das vor. Auch gerne knallblau, aber dosiert. Die einzige Figur, die konsequent gekleidet ist, ist Charlotte. Aber das war auch nicht schwer: Einmal Ralle, etwas Puffärmel, Burberry, fertig.

Als nächstes fehlt mir das Ego. Die Fans der Serie sind jetzt in den Wechseljahren, oder mindestens, wie ich, in der Perimenopause. Wir schwanken, denn wir sind auch im Umbruch. Deshalb hätte ich mir starke Frauen gewünscht. Frauen, die sagen, was ist. Die selbst, wenn sie in der Krise sind, mit dem Finger darauf zeigen und sagen: „Das ist das Problem. Dich eliminieren wir jetzt!“ Und mir dann vorleben, wie das geht. Stattdessen werden Themen verarbeitet, die gar keine sind: Ich will nicht wissen, ob Charlottes Hund heimlich einen anderen gebissen hat, es ist mir vollkommen klar, dass man mit Kindern, Politikerehemann und Job im Vollstress ist. Auch nicht neu. Ob Miranda Nonnen entjungfert, interessiert mich, ehrlich gesagt, überhaupt gar nicht. Und es mir absolut schleierhaft, warum die alle so viel Sex haben. Zumindest in meiner „bubble“ ist in dem Alter Sex nicht das meist ausgeübteste Hobby dank Hormonumschwüngen, Kindern und Stress. Eins ist jedenfalls sicher: Wir müssen, wenn wir älter werden, unser Ego immer mal wieder neu justieren. Uns neu ausrichten, uns anders definieren. Kann mir das bitte jemand vorleben?

 Dann schickte mir neulich meine Freundin Daniela noch einen Artikel rüber, dass die Rolle der „Seema“ die neue Samantha wäre und kurz vor Kult. Ich kann dazu nur sagen: Mir fiel eben nicht mal der Name der Figur ein. Superreiche Superraucherin ohne Kinder, die sich versehentlich im Bett die Haare abfackelt, während sie auf ihren Facetime-Sex-Call wartet, um dann mit dem Gärtner etwas anzufangen. Für mich ist sie aus der Zeit gefallen. Überhaupt warten mir alle Frauen zu sehr auf die Kerle. Carrie performt brav mit Aidan auf Knopfdruck und Seema wartet die meiste Zeit wie ein Hündchen vorm Supermarkt, um dann etwas Ausichtsloses anzufangen. Nein, ich komme da nicht mit. Am Verrücktesten war für mich die „Hello good skin“-Szene mit der Kuppelschwester, aber ich verliere mich.

 Ich glaube nicht, dass Fans der Serie sich mit irgendetwas davon identifizieren können. Früher war doch auch oft die Stadt Star der Serie, die politische Lage. Aber in Carries Elfenbeintempel, in dem sie jetzt Romane schreibt, ist davon nichts übrig. Wie schön wäre es, wenn mehr Realismus einfließen würde? Wenn Aidan ein normaler Wochenendvater wäre? Wenn Miranda wieder ihr Ego hätte und Carrie ihre Kolumne für Frauen mitten im Leben? Wenn Charlotte mal über Hormon- und nicht Hundeprobleme philosophieren würde und alle zum Krafttraining gehen würde und Carrie es wieder halbherzig machen würde, wie damals das Joggen? Die Kippe müssten wir weglassen, das passt nicht mehr, aber sie könnte ja einen Matcha trinken.

 So. Genug der Aufregung. Es gab neulich einen kurzen Hoffnungsschimmer: Carrie hatte sich nach der Rattenplage für einen neuen Gärtner entschieden. Adam ist jung, hot und hat es nicht nur gartentechnisch mal richtig was drauf: In der Szene, als er Carrie fragt, wie sie ihren neuen Garten gerne hätte, sagt sie: „Ich weiß es nicht. Ich habe alles so geliebt, wie es war. Ich weiß nicht, was als Nächstes kommt.“ Und er antwortet: „Das ist interessant. Nicht zu wissen ist gut. Denn das bedeutet, dass das, was sein soll, Raum hat zu erscheinen.“

 Es war der erste klassische „Sex and the City“- Moment für mich, seit es AJLT gibt. Frischer Wind. Ein Mann, der sagt, was ist, was sein kann. Mit Tiefgang. Und so unsicher Carrie in dem Moment wirkt, so tröstlich und feinsinnig sind seine Worte. Und die Message ist: Es ist ok. Du musst nicht immer wissen, was als Nächstes kommt. Yes!

Es ist ein Zeichen von Reife, die Unsicherheit zu akzeptieren. Ich bin so begeistert, dass ich den Moment mitfilme, auf Insta in meiner Story poste und mir sofort mit drei Freundinnen zeitgleich schreibe. Ja, der Garten als Metapher für Carries weitere Selbstentwicklung, der junge Gärtner als Hausphilosoph, da ist Musik drin. Ich sag ´nur: Der Gärtner war´ s. Ein erstes Anklingen dessen, worauf ich mich gefreut hatte. Vielleicht kommt da ja doch noch was. Carrie definiert sich nicht mehr über ihre Vergangenheit, sie gibt dem Leben Raum, das nun passieren soll. „I couldn´t help but wonder...“ hat sich nun erledigt. Ab sofort gilt dann wohl: „I´m letting it happen… Ich lasse geschehen…“ Na dann. Mal gucken, was die nächsten Folgen bringen.  

 

  

Tópico MOMLIFE & FAMILIE

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