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„Der Iran spielt – und gewinnt“

Was ist los in Israel? — mit Jenny Havemann

Während Donald Trump zu seinem 80. Geburtstag einen UFC-Käfig vor das Oval Office stellen ließ, feierten die iranischen Staatsmedien etwas anderes. Sie nannten die Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), die in der Nacht zu Montag verkündet wurde, einen „bedingungslosen Sieg” über die USA. Bedingungslos. Man lasse sich dieses Wort auf der Zunge zergehen.

Und hier in Israel? Gedrückte Stimmung, viel Skepsis, das deutliche Gefühl, dass über israelische Interessen einfach hinweggegangen wurde. Das ist keine Paranoia. Das ist eine nüchterne Lektüre dessen, was auf dem Tisch liegt — und vor allem dessen, was nicht draufliegt.

Was das Memorandum wirklich ist.

Verkauft wird es als Friedensabkommen. Was unterschrieben werden soll — am Freitag, dem 19. Juni, in Genf —, ist ein Memorandum über eine 60-tägige Waffenruhe. Der genaue Text ist bis heute nicht veröffentlicht. Man feiert einen Frieden, dessen Wortlaut niemand kennt.

Der belegbare Kern: Kampfhandlungen werden eingestellt, an allen Fronten, Libanon eingeschlossen. Trump kündigte an, die Seeblockade gegen Irans Häfen aufzuheben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Danach, erst nach der Unterschrift, beginnen 60 Tage „technischer” Gespräche, über das eigentliche Abkommen. Thema: das Atomprogramm. Sonst nichts.

Lest das nochmal. Verhandelt wird über die Anreicherung. Nicht über die Raketen. Nicht über die Terrororganisationen, die Teheran von Beirut bis Sanaa bezahlt und bewaffnet. Die zwei Bedrohungen, die uns hier oben im Norden und unten im Süden konkret bluten lassen, kommen im formellen Verfahren überhaupt nicht vor. Das Atomprogramm bekommt 60 Tage Aufschub. Die Hisbollah bekommt eine Waffenruhe, hinter der sie sich in Ruhe neu aufstellt.

Eine Belohnung für den Aggressor

So muss man es nennen. Der Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen amerikanisch-israelischen Schlägen gegen ein Regime, das offen nach der Bombe griff. Das ist die in den Medien vermittelte Info. Doch das ist nicht wahr.

Der Krieg began bereits am 7.10.2023, mit dem Überfall der Hamas auf Israel, den das iranische Regime mutorganisiert und mitfinanziert hat. Das iranische Regime hat auch Israel direkt zweimal mit Hunderten ballistischen Raketen im Jahr 2024 angegriffen und indirekt mit ihrem Proxy Hezbollah seitdem 8.10.2023.

Der Krieg endet nun damit, dass dieses Regime Sanktionserleichterungen und die Aufhebung der Blockade einstreicht — als Gegenleistung dafür, dass es aufhört zu schießen. Wer den Brandstifter dafür entlohnt, dass er die Streichhölzer für einen Moment weglegt, lädt ihn zum nächsten Feuer ein.

Und jetzt der Teil, bei dem man präzise sein muss. Durch die iranischen Staatsmedien geistert ein 14-Punkte-Entwurf: 24 Milliarden Dollar eingefrorenes Geld, die Hälfte sofort, dazu ein Wiederaufbauprogramm von mindestens 300 Milliarden. Das klingt nach Kapitulation Washingtons — und ist eine iranische Behauptung, die Trump rundheraus bestreitet. Er nannte die geleakten Bedingungen erfunden und die Iraner „unehrenhaft”, sein Vize betonte, Gelder flössen nur bei erfüllten Verpflichtungen. Es ist also kein Fakt, dass diese Milliarden fließen.

Aber genau hier liegt die Pointe: Teheran schreibt die Schlagzeile, Washington dementiert hinterher. Und im Hickhack über die Reihenfolge zeigt sich, wer am längeren Hebel sitzt. Die USA wollen erst Gespräche, dann schrittweise Freigaben. Der Iran verlangt die sofortige Aufhebung der Blockade und die Freigabe der Vermögenswerte als Vorbedingung — bevor überhaupt verhandelt wird. Und er bindet das Schicksal des Libanon direkt an seine eigenen Bedingungen, um die Hezbollah aus der Schusslinie zu nehmen. Das ist kein Verlierer, der um Gnade bittet. Das ist ein Akteur, der die Tagesordnung diktiert.

Israel sagt: Das bindet uns nicht

Bemerkenswert ist die erste offizielle israelische Reaktion — weil sie so unmissverständlich ist.

Verteidigungsminister Israel Katz stellte klar: Die IDF bleibt zeitlich unbegrenzt in den Sicherheitszonen in Libanon, Syrien und Gaza. Die Gebiete werden geräumt, die Terrorinfrastruktur über und unter der Erde zerstört. Greift der Iran an, werde man ihn „mit großer Wucht” antworten.

Viele Politiker und Bürger in Israel sind entsetzt. Israel ist ein souveräner Staat, der seine Bürger vor Angriffen schützen muss.

Auch Netanjahu soll Trump direkt gesagt haben, Israel ziehe nicht aus dem Libanon ab und betrachte sich an die Libanon-Teile des Deals nicht gebunden — mit voller Rückendeckung des Kabinetts. Wenn die eigene Regierung dem Verbündeten so offen widerspricht, ist das kein diplomatisches Theater. Das ist ein Land, das gemerkt hat, dass über seinen Kopf hinweg verhandelt wurde.

Die Falle im Norden, einen Tag vor der Unterschrift

Wie das Spiel funktioniert, hat man in der Nacht davor gesehen. Eine Hezbollah-Drohne auf Nordisrael, darauf gezielte israelische Schläge in Dahiya, darauf iranische Drohungen — in Israel war die Unruhe groß, viele suchten Schutzräume auf. Und genau in diesem Moment kam der amerikanische Druck samt Zugeständnissen an Teheran, und die Eskalation wurde abgewendet.

Das ist die Mechanik in Reinform. Der Iran setzt seine Stellvertreter ein, eskaliert bis an die Kante, und kassiert dafür, dass er einen Schritt zurücktritt — einen Schritt, den er selbst provoziert hat. Drohung als Verhandlungsmasse. Es hat funktioniert.

Kein Frieden, ein Aufschub

Das iranische Regime spielt auf Zeit. Es ist zwar geschwächt durch den Krieg aber noch überlebensfähig. Und vor allem hat es keine Wahlen und kann die Verhandlungen für das eigentliche Abkommen solange hinziehen, bis Trump nicht mehr im Amt ist bzw. bis die USA im Wahlkampf steckt.

Währenddessen und danach werden sie wieder ihre Bürger unterdrücken und hinrichten und daran arbeiten, Israel zu vernichten.

Die Parallele zu 2015 drängt sich auf, und sie ist keine Beruhigung. Damals nutzte das Regime die finanzielle Luft, um seine Wirtschaft zu stützen, seine Proxys aufzurüsten und sein Atom Programm voranzutreiben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders läuft. Geld, das jetzt freikommt, landet nicht bei den Iranerinnen, die gegen dieses Regime auf die Straße gehen. Es landet bei den Revolutionsgarden.

Und das ist der bitterste Punkt. Das Überleben des Regimes ist kein neutrales Ergebnis. Es stärkt im Inneren die radikalsten Kräfte, die IRGC, und damit die härtere Unterdrückung der eigenen Bevölkerung. Wer in Teheran den größten Anteil an dieser „Diplomatie” für sich reklamieren wird, sind ausgerechnet die, die man eigentlich schwächen wollte. Ein Sieg für die Falken, bezahlt von allen anderen.

Ab Freitag läuft die Uhr. 60 Tage, in denen der Iran aus einer auffällig starken Position spricht — Blockade weg, Hormus offen, Geld in Aussicht. Der Treiber des Ganzen ist Müdigkeit: Washington will keinen großen Krieg, Teheran braucht ökonomische Luft. Daraus wird kein dauerhafter Frieden. Daraus wird eine Pause vor der nächsten Runde — und die Konfrontation mit diesem Regime bleibt langfristig so gut wie unvermeidbar.

Ich sitze in Israel, 1-2 Autostunden von der Grenze im Norden. Und ich weiß genau, auf wessen Schultern die Last fällt, wenn die 60 Tage abgelaufen sind und der Applaus für die Geburtstagsshow längst verklungen ist.

Bis bald und Shalom aus Ra’anana.

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