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Infantile Gesellschaft – ein leiser Rückschritt

Eine Gesellschaft wird nicht infantil, weil sie lacht, spielt oder kreativ ist. Sie wird infantil, wenn sie Verantwortung meidet.

Infantilität ist kein Alter, es ist eine Haltung. Und sie zeigt sich dort, wo Menschen Rechte fordern, aber Pflichten delegieren.

Wo Empörung Denken ersetzt und Komplexität als Angriff empfunden wird.

Eine reife Gesellschaft hält Spannung aus. Sie weiß: Freiheit bedeutet auch Zumutung. Infantilität dagegen sucht Schutz vor Zumutung – und nennt es Moral.

Woran erkennt man das?

  • An der Unfähigkeit, „Nein“ zu ertragen.

  • An der Sehnsucht nach einfachen Schuldigen.

  • An der Erwartung, dass der Staat, die Technik oder „die anderen“ Gefühle regulieren.

  • An der Angst vor offenen Fragen.

Technologie verstärkt das, denn Soziale Medien belohnen Impuls statt Reflexion. Künstliche Intelligenz nimmt Denkaufwand ab – und wird damit zur Krücke für jene, die nie gelernt haben, selbst zu gehen.

Aber das Problem ist nicht der Fortschritt, sondern eine Gesellschaft, die innerlich nicht mitgewachsen ist.

Infantilität erkennt man auch daran, dass Kritik als Angriff gilt, Widerspruch als Feindseligkeit erlebt wird und Selbstverantwortung als Härte missverstanden wird.

Eine reife Gesellschaft bildet Bürger.

Eine infantile Gesellschaft produziert Konsumenten.

Reife beginnt dort, wo man sich selbst hinterfragt, wo man die eigene Meinung prüft, bevor man sie verteidigt und wo man Unsicherheit aushält, ohne sofort nach Führung zu rufen.

Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, ob die Welt komplizierter wird, sondern ob wir bereit sind, erwachsen zu werden.

Mehr nicht.

2026 Bianka Seredinski-Holzner

Tópico Ambiguität Orientierung