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Keine Träne wert

Ich bin Uschi, 39, Mama von drei Kindern und seit einem Jahr getrennt. Ich habe mich verloren und beschlossen: ich werde die werden, die ich mir versprochen habe. Der Plan: in 100 Tagen verbessere ich mein Leben jeden Tag um 1 Prozent.

Seit 14 Tagen bin ich dabei.

Heute ist Montag. Wochenanfang. Mein Vor-den-Kindern-Ich wäre im Megahype. Ich bin es auch, aber erst wenn die drei endlich am Schultor verabschiedet sind. Bis dahin gehen mir 99% meiner Energie bereits flöten, sage ich euch.

Haushalt und Geldverdienendruck rufen aus allen Ecken, sobald niemand “Mama” brüllt. Ich renne zum Zahnarzt, beglückwünsche mich zu der Entscheidung, die neue Beißschiene auf Raten zu kaufen und mich hoffentlich vorm Durchknirschen noch durchgerungen zu haben. Rufe im Anschluss den Ex an – wir teilen uns ein Auto – es läuft so semi sag ich mal – die Absprache dazu ist beschissen. Er gibt mir die Koordinaten durch, ich mach mich auf dem Weg nach Melenara. Silvia und ich planen das Uschihotel und sie hilft mir mit meinem LinkedIn. Für eine Stunde ist kurz alles, was nicht rund läuft, vergessen. Dann geht es weiter: die Kinder von der Schule abholen, aufteilen, Nachmittagsaktivitäten klären – wieder Absprachen mit meinem Ex – wieder mehr als unangenehm – mein Kopf sticht. Nach einem normalen Montagnachmittag sitzen wir zusammen im Auto. Es gibt keine humanen Absprachen, keine regelmäßigen Gespräche.

Also hier ist es: das Versprechen an mich, jeden Tag etwas zu finden, selbst, wenn mir alles, wirklich alles vergeht:

Mein einer Prozent heute war, dass ich - während im Auto Sachen besprochen werden mussten und kein einziges Wort milde war - dass ich nicht geweint habe. Weil das noch mehr schmerzt dann und ich endlich spüre, wenn jemand austeilt, weil er sich nicht anders zu helfen weiß und es nicht mehr auf mich und meinen Wert projiziere. Ja, er kämpft nicht, nein, er achtet nicht auf meine Gefühle, interessiert sich nachwievor kein Stück für meine Gedanken, nein, das ist nicht leicht, das zu erkennen, wenn man so sehr geliebt werden wollte.

Aber so viele Jahre in dieser ewig nie enden wollenden Phase des „Gehen oder Bleiben“ liefen mir nonstop Tränen die Wange runter. Die, die du verstecken willst, die leisen.

Und irgendwann - meine 1% ist es besser ab heute Erkenntnis - hat es sich also ausgeweint.

In all den Jahren habe ich keine einzige Träne in seinen Augen gesehen. Keine vor Freude, keine aus Wut, keine aus Trauer. Das ist das, was, wenn ich alles runterbrechen müsste, alles erklärt.

Ich möchte weiter weinen können. Vor Freude, vor Ehrfurcht, vor Berührung. Aber ich möchte nicht mehr weinen, weil ich wieder enttäuscht bin, wieder ignoriert werde, wieder beleidigt, wieder manipuliert, wieder ausgenutzt usw usw usw werde. Ich möchte so schlau sein, dass ich diese Tränen einstelle, weil sie niemanden berühren, den sie betreffen und einfach so viele, viel zu viele in diesem letzten Jahrzehnt geflossen sind.

Was ist die 1%-Mission?

Ich hab beschlossen, mich nicht mehr komplett neu zu erfinden – nur 1 % besser zu werden. Jeden Tag. Früher wollte ich immer alles auf einmal ändern. Mehr Sport, weniger Drama, besser essen, früher schlafen. Und bin jedes Mal gescheitert. Heute weiß ich: 1 % reicht. 1 % ist ehrlich. 1 % kann ich schaffen.“

Was ist dein 1 % heute?

Topic USCHI LETTER

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