Freundschaftsbesuch ~ Volksheld ~ Gesundheitsdosis

In meiner LöwenPost 30 (Opens in a new window) vom letzten November habe ich vom Wechsel an der Parteispitze der Kuomintang in Taiwan berichtet. Der positive Aufbruch wird nun auch von der neuen Parteivorsitzenden Cheng Li-wen nicht nur durch ihre Appelle zur Harmonie in der Gesellschaft und dem Aufruf zu friedlichen Beziehungen zum chinesischen Festland und den Amerikanern unterstrichen, sondern nun reist sie im April auch nach Beijing, Shanghai und in die Provinz Jiangsu und trifft dort den chinesischen Präsidenten Xi. Sie unterstreicht damit ihr Bemühen um Frieden in der Region und äußert sich so:
Ein Krieg zwischen den beiden Seiten ist nicht unvermeidlich; beide Seiten müssen sich nicht in Gefahr begeben und einen bewaffneten Konflikt herbeiführen. Mit unserer eigenen Weisheit und Anstrengung können wir gemeinsam einen breiten Weg zum Frieden ebnen.
Es ist genau das richtige Zeichen für eine friedliche Verständigung der Menschen in Festlandchina und Taiwan und richtet sich auch gegen den Hass, den die regierende Demokratische Fortschrittspartei auf der Insel streut. Der Iran-Krieg zeigt, dass dieser ideologische Hass der DPP keinen Gewinner kennt. Der letzte Besuch eines Parteivorsitzenden der Kuomintang liegt schon fast zehn Jahre zurück, so dass Cheng Li-wen anmerkt:
Wir hoffen, dass der Besuch im April den Beginn eines etwas freundlicheren Frühlings in der Taiwanstraße einläuten kann – ein erster Schritt zur Vertiefung des gegenseitigen Wohlwollens und zum Aufbau gemeinsamen Vertrauens. Frieden in der Taiwanstraße ist nicht nur Taiwans Wunsch, sondern auch die höchste gemeinsame Erwartung des Festlandes und Pekings. Wir sind bereit, uns für Frieden in der Taiwanstraße, für regionale Stabilität und sogar für den Frieden der Menschheit einzusetzen, damit die ganze Welt beruhigt sein kann und keine Angst mehr vor einem Kriegsausbruch in der Taiwanstraße haben muss.
Ich finde, dass dieser Besuch zurecht einen hohen symbolischen Wert hat und bis tief in die chinesische Gesellschaft wirken wird.
Ich gebe es zu: Eigentlich, wollte ich nichts über den plötzlichen Tod des Influencers Zhang Xuefeng in China schreiben, aber dann hat mich ein Blogbeitrag von Fred Gao (Inside China (Opens in a new window)) tief beeindruckt und einen differenzierten Blick auf die berühmte Person ermöglicht. Wer war Zhang Xuefeng? Er hat in Livestreams Jugendliche zu Berufsausbildungsfragen und der Wahl von Studienfächern und Studienorten beraten. Warum wollte ich nichts schreiben? Für mich war Zhang Xuefeng in seinen Äußerungen zu ordinär und diese Art von Beschimpfung und Rechthaberei ist nach meiner Bewertung eine unpassende Kommunikation. Warum schreibe ich nun trotzdem etwas? Nun, weil er in China sehr beliebt war und sich deshalb eine kilometerlange Schlange von Menschen zur Verabschiedung am Bestattungsinstitut bildete, weshalb ich diese Beliebtheit hinterfrage. Und da hat Fred Gao in seinem Blog die richtigen Schlüsse gezogen. In China spielt Bildung eine große Rolle und der Bildungsdruck für Jugendliche ist sehr hoch, wobei dabei ein übermäßiger Fokus auf die Gaokao-Prüfung (Zugangsprüfung zu höheren Bildungsstätten) und den Spitzenuniversitäten gelenkt wird und auf Studienfächer, die einen gesicherten Staatsjob in Aussicht stellen. Zhao Xuefeng dagegen würdigte auch Jugendliche, die bei Spitzenleistungen nicht mithalten konnten und konzentrierte sich auf Berufsfelder, die eine gute Anstellungschance haben. So plädierte er für eine Wahl nach Fähigkeit und Berufschance und weniger nach einer Wahl nach Erwartungen der Gesellschaft oder der Familie. Da mein Stiefsohn vor zwei Jahren genau vor der gleichen Situation gestellt war, habe ich diesen chinesischen, oft leidvollen, Prozess miterleben können. Letztendlich bin ich sehr froh, dass er sich für eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker für Elektroautos entschieden hat, was bei dem Umfeld in China ein zukunftssicherer Job bedeutet und darüber hinaus ein spannendes und interessantes Berufsfeld bietet. Viele andere Jugendliche haben diesen Zukunftscheck nicht gemacht und Studienfächer gewählt, die nun am Arbeitsmarkt nicht so sehr gefragt sind und die Jugendarbeitslosigkeitsquote nach oben treibt. Zhao Xuefeng wetterte vor allem gegen das Journalistenstudium und sagte den Absolventen schlechte Berufsaussichten voraus, weil sich zu viele Menschen in diesem Berufsfeld tummeln. Eine solche ehrliche, schonungslose und direkte Berufsberatung ist in China nicht selbstverständlich und wurde deshalb dankbar von Millionen Menschen angenommen, auch wenn der rüde Ton manchmal beleidigend wirkte. Der plötzliche Herztod von Zhao Xuefeng reißt deshalb eine große Lücke, weil in der üblichen verklausulierenden Kommunikation in China eine direkte und offene Ansprache von vielen Menschen dankbar aufgenommen wird. Man kann also nur hoffen, dass sich andere Influencer diese besondere Persönlichkeit als Vorbild nehmen und somit das Erbe von Zhao Xuefeng in der chinesischen Internetwelt weiter leben wird.
Die umtriebige Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel ist nicht nur Professorin an der renommierten Universität St. Gallen in der Schweiz, sondern sie schreibt auch regelmäßig eine Kolumne im Handelsblatt. Hier hat sie dabei vor ein paar Tagen die deutsche Politik im Hinblick auf Infrastrukturinvestitionen scharfzüngig kommentiert:
Selbst Spanien und Griechenland sind uns voraus. Das sind übrigens die Staaten, über die sich viele Deutsche während der Euro-Krise lustig gemacht haben.
oder
Die Erkenntnis, dass in diesem Land etwas nicht stimmt, tröpfelt so langsam ins Gehirn jedes noch so gutwilligen Beobachters. Ungefähr in der Geschwindigkeit, in der es am Düsseldorfer Hauptbahnhof seit Monaten von der Decke tropft.
und bewertet die deutsche Politik folgendermaßen:
Wir hangeln uns in Deutschland von einer minimalinvasiven Maßnahme zur nächsten, bekämpfen Symptome, aber keine Ursachen. Das große Ganze, das haben wir vor langer Zeit aus den Augen verloren.
Humorvoll wirkt da auch ihre Anmerkung, wie die Schweizer Bahn den Blick auf den deutschen Bahnverkehr richtet:
Die Schweizer SBB ist inzwischen dazu übergegangen, die durch die DB verursachten Verspätungen mit „Grund ist ein Problem in Deutschland“ anzukündigen. Das ist eine ziemlich treffende Beschreibung.
Doch ihre Kolumne leitet sie mit drei bedeutenden Sätzen ein:
Man soll sich nicht immer so aufregen. Das ist gesünder und auch sympathischer. Dabei hilft es allerdings, sich viel außerhalb von Deutschland aufzuhalten.
Das tue ich so oft ich kann, und ich möchte ergänzen, dass es auch hilft, den Blick auf andere Länder zu richten, in denen Infrastrukturinvestitionen sowie politische Entscheidungen und deren Umsetzung viel besser funktionieren. Denn nur so können Menschen in Deutschland erkennen, dass die Politiker in ihrem Land mit ihren fadenscheinigen Reden und Ausreden der Bevölkerung nur ihre schlechte Leistung verschleiern wollen. Dazu schreibe ich diesen Lion City Journal Blog und auch meinen Taibang Blog, damit der Blick über den Tellerrand von Europa nach China, Singapore und Korea die politische Erkenntnisfähigkeit der Menschen schärft. Außerdem lenkt es ganz nebenbei von der inländischen Misere ab und steuert den Geist auf positive Geschehnisse in den drei ostasiatischen Ländern. Und das ist, so die Meinung auch von Frau Meckel, "gesünder" und "sympathischer". So kann man bei mir diese Gesundheitsdosis kostenlos abonnieren:
Damit wünsche ich all meinen Lesern ein gesundes Qingming-Gedenken und Osterfest! 🐇🕯️