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Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #13

Verschiedene Schreib-Methoden:

„Was wäre, wenn...“: Fantasie als Werkzeug zur Selbsterkenntnis

Einleitung

Fantasie – die Superkraft der Kinder, die wir im Heranwachsen und mit wachsender Vernunft kopfschüttelnd ablegen, als hätte uns das Leben von zu vielen Flausen im Kopf kuriert...Ein fataler Fehler! Erwachsene Fantasie darf reflektierter und geerdeter sein – aber wir dürfen uns nicht die Verrücktheiten und Visionen nehmen lassen, die unsere Tagträume beherbergen. Träume sind nämlich mehr als nur Spielereien und Bilder im Kopf, sie sind ein Raum, wo wir uns ohne Risiko ausprobieren können, die Leinwand, auf der unsere Sehnsüchte sichtbar werden und nicht mehr nur von Alltag und Routinen überdeckt werden, und der Ort, an dem wir Grenzen überschreiten können – probeweise, ohne Risiko.

Kindliche Phantasie ist (und das ist wundervoll und absolut erwünscht) oftmals ein tiefes Abtauchen ins Irreale: Da können wir fliegen und zaubern und Prinzessin sein. Natürlich wissen wir als Erwachsene, dass im Leben nicht alles wahr wird, was wir uns denken können, nur weil wir es denken können. Aber mit dieser Erkenntnis geht ganz oft das Vertrauen in die Fantasie verloren, die zu allen Zeiten bleibend einen großen Wert für unser Leben haben kann. Obwohl uns das oft nicht bewusst wird, liegt ein großer Schatz im aktiven Nutzen und Kultivieren einer blühenden Fantasie: Fantasie kann das Unsichtbare sichtbar machen – deine Sehnsüchte, Träume und Wünscht. Du kannst in deiner Fantasie Grenzen überschreiten. Und ich spreche nicht von den Grenzen des Irrealen, sondern von den Grenzen des „geht nicht“ oder „macht man nicht“. Auf diese Weise kann man neue Wege oder Identitäten ausprobieren oder sich einfach mal in sie „hineinfühlen“. Deine Fantasie ist außerdem wie ein Spiegel, denn wenn du dir die Frage „was wäre wenn...?“ stellst, dann können die Gedanken und Bilder, die sich ergeben und dir bewusst werden, dir Muster, Werte oder Bedürfnisse aufzeigen, die dir vielleicht noch nicht bewusst waren. Manchmal trauen wir uns vielleicht auch nicht mit vollem Bewusstsein, alles zu denken. Was als kleiner Tagtraum aus deinem Unterbewusstsein zu dir kommt, kann dir vielleicht deine Träume zeigen, die du dir im realistischen Modus deines Bewusstseins, als Plan für deine Zukunft vielleicht nie erlauben würdest.

Ich merke in der psychologischen Begleitung meiner Klientinnen immer wieder, dass es gerade das Verschriftlichen der eigenen Geschichte mit sich bringt, dass Menschen sich trauen, ins Träumen zu kommen. Viele denken schreibend vor sich hin und erlauben sich im Flow, auch mal in die Zukunft zu spekulieren und Lebensentwürfe zu skizzieren, die sein könnten und sich ergeben würden, wenn man Weichenstellungen in der Gegenwart so oder anders wählt. Dieses Phänomen könnt ihr euch natürlich auch im Journaling, also im Dialog mit euch selbst, zu Nutze machen. Kleiner Teaser: Gerade „Was-wäre-wenn“-Fragen können unglaublich effektiv sein und helfen, verborgene Wünsche, Ängste und Potenziale sichtbar zu machen.

Fantasie als Spiegel der Seele

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Tagträumen und bewusst eingesetzter Fantasie? Jein. Prinzipiell kann das Ergebnis von Phantasie und Tagträumen das gleiche sein. Möglicherweise entstehen vor deinem geistigen Auge dieselben Bilder und Emotionen. Im Unterschied zu bewusster und methodisch eingesetzter Fantasie sind Tagträume jedoch eher unwillkürlich. Das, wohin deine Gedanken wandern, wenn du sie lässt. Ein Fließen oder Ziehen, Bilder, die wie Wolken kommen und gehen – manchmal wiederkehrend. Der größte Unterschied ist jedoch meiner Meinung nach, dass wir bei Tagträumen deutlich stärker zu Zensur neigen. Kommt dir das bekannt vor: Gerade schwelgst du noch in fernen Sphären und angenehmen Gedanken, die dein Herz aufgeregt schlagen lassen, doch dann mahnst du dich eindringlich und vehement „Schluss jetzt mit diesem Quatsch! So wird es eh nicht kommen. Das ist doch Kinderei. Ich sollte mich nicht hineinsteigern. Sofort Schluss mit diesen Gedanken!“ Fantasie ist auch der Inhalt aller Tagträume, von daher schon sehr ähnlich. Doch wenn ich von Fantasie als Methode spreche, meine ich ausdrücklich etwas, was gezielt Raum bekommen soll, was wir nutzen und analysieren und als wertvolle Instrument zur eigenen Selbsterforschung begreifen dürfen. Man könnte sagen: Fantasie in deinem Journaling Prozess ist wie Tagträumen, jedoch bewusst, gezielt, reflektiert und ausdrücklich gewollt.

Auf diese Weise kann Fantasie ganz viele ungelebte Möglichkeiten sichtbar, weil sie dir erlaubt, das Leben jenseits deiner aktuellen Grenzen zu erforschen. Dabei ist es nicht immer so, dass unsere visionären Bilder ein 1zu1 Wunschzettel sind, was für eine Art Leben wir lieber hätten. Wenn zum Beispiel deine Gedanken immer wieder um den Gedanken kreisen, in einer anderen Stadt oder in einem anderen Land vollkommen neu anzufangen, dann bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das das Leben wäre, das du lieber hättest. Aber es kann symbolisch für etwas stehen, was du in deinem Leben vermisst: Vielleicht das Bedürfnis nach Freiheit oder Anonymität, vielleicht bist du mit deinem Leben an einem Punkt gekommen, wo deine Seele nach Veränderung schreit – wobei die kleinen Schritte oft ebenso seelennährend sind wie die großen Schritte. Psychologischer gesehen können Tagträume und Fantasien ebenso wie eine Träume in der Nacht Projektion sein, eine Art verarbeiten oder das Bewusstmachen innere Ressourcen.

Wenn du von einem anderem Partner als dem an deiner Seite träumst, muss dies nicht das Ende eurer Liebe ankündigen, kann aber darauf hindeuten, dass es an der Zeit ist, euch wieder neu zu entdecken und eure Bedürfnisse und Rollen zu hinterfragen. Wenn deine Gedanken immer wieder in deine Kindheit wandern, kann das eine Erinnerung an deine tiefsitzenden Wünsche sein oder aber auch die Erinnerung daran, was dich im Leben stark gemacht, geerdet und dir Geborgenheit geschenkt hat.

In meiner scheiternden Ehe war es ein letzter Rettungsversuch, an eine gemeinsame Vision zu appellieren. Die Frage „Gibt es irgendeine Idee oder ein Bild von der Zukunft, in der wir uns miteinander sehen? Ein Ziel, auf das wir uns beide freuen könnten? Die Leere dort, wo gemeinsame Fantasie etwas hätte schaffen können, sprach ihre eigene, sehr deutliche Sprache.

Die Kraft der „Was wäre wenn“-Fragen

Wie schon angedeutet ist bewusstes Fantasieren für die meisten Erwachsenen eine eher befremdliche Disziplin geworden. Zeitverschwendung, oder? Vielleicht hast du dir deine kindlichen Gedankenreisen und ihr farbenfrohes Eigenleben bewahren können. Für alle anderen, deren Zugang zur eigenen Fantasie eher verschüttet und mit argwöhnischer Skepsis belegt sind: So genannte Was-wäre-wenn-Fragen sind eine wunderbare Möglichkeit, geschlossene Türen wieder zu öffnen. Zum Beispiel: „Was wäre, wenn ich keine Angst hätte?“ oder „Was wäre, wenn ich neu anfangen könnte?“ oder „Was wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“ Mit dieser Art Fragen können wir die Grenzen der Gegenwart durchbrechen und uns zumindest gedanklich neue Wege und Ziele erschließen. Diese Fragetechnik hilft, Denkblockaden zu überwinden, und ist wie ein gedanklicher Schlüssel, um den Zwang zur Realität mal kurz aufzuheben. Die Was-wäre-wenn-Technik umgeht den inneren Zensor, der sich normalerweise immer schnell und gerne zu Wort meldet mit „Das geht nicht/das darf ich nicht/das schaffe ich nicht“ und uns damit in Sphären verhaftet, die immerzu alles beim Alten lassen und den Blick für das Mögliche versperren. Was-wäre-wenn-Fragen machen solche Möglichkeiten sichtbar und animieren damit etwas ganz Entscheidendes, was du für Klarheit und Mut dringend brauchst: Emotionen! Gefühle wie Neugierde, Vorfreude und Mut können so wichtig sein, weil sie Veränderungen emotional erlebbar machen und damit ein erster Schritt aus der Blockade sein können. Auf den Punkt gebracht: Was-wäre-wenn-Fragen verwandeln Starre in Bewegung, indem sie unsere Fantasie ankurbeln.

Journaling-Impulse

Lust auf ein paar ganz konkrete Was-wäre-wenn-Schreibanregungen?

1. Was wäre, wenn ich keine Angst davor hätte, Fehler zu machen?

2. Was wäre, wenn ich meinem inneren Drang folgen dürfte – ohne Rechtfertigung?

3. Was wäre, wenn das Leben es gut mit mir meint?

4. Was wäre, wenn ich auf mein Herz statt auf meine Zweifel hören würde?

5. Was wäre, wenn ich alles loslassen könnte, was mir nicht mehr dient?

6. Was wäre, wenn ich mir selbst die Erlaubnis gäbe, groß zu träumen?

7. Was wäre, wenn ich schon alles in mir hätte, was ich brauche?

8. Was wäre, wenn ich heute damit anfangen würde, an meinen Möglichkeiten statt an meinen Grenzen zu denken?

9. Was wäre, wenn mein Leben ein Abenteuer wäre, das ich gestalten darf?

10. Was wenn ich mir selbst vollkommen vertrauen würde?

Wie beantwortet man nun solche Fragen „fantasievoll“? Du musst diese Fragen nicht alle beantworten. Du kannst täglich eine beantworten oder nur die, die dich spontan ansprechen. Gut wäre, wenn du jeder einzelnen Frage ein bisschen Zeit widmest oder vielleicht sogar eine Weile mit ihr „schwanger gehst“. Es kann nützlich sein, dir erstmal ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um einfach Bilder in deinem Inneren zu kreieren. Dafür kannst du einen Spaziergang machen oder die Frage meditieren oder einfach nur mit deiner Lieblingsmusik vor deinem inneren Auge eine Art Bild entstehen lassen. Natürlich kann man diese Fragen auch rein theoretisch, sachlich und „bilderfrei“ beantworten, aber stelle dich mal der Herausforderung, deine ungezügelte, freie und nicht zu bremsende Fantasie ans Werk zu lassen. Und wenn die Bilder eine Weile wirken durften, kannst du aufschreiben, was du gesehen hast. Schreibe dabei zunächst ganz frei, ohne das zu bewerten, was deine Fantasie dir gezeigt hat. Also kein „Total unrealistisch, aber ich habe zuerst an eine Villa auf den Bahamas gedacht, was für ein Quatsch, als wenn ich jemals genug Geld für einen solchen Prachtbau haben würde“. Sondern schreibe ganz neutral: Vor meinem inneren Auge ist das Bild einer Villa mit vielen Zimmer entstanden. Ich bin durch alle Räume gelaufen und habe mich sehr wohl und frei gefühlt“. Wenn bestimmte Phantasie-Settings oder Bilder sich gut anfühlen, dann kannst du sie auch wiederholt aufsuchen und dich dabei Fragen:

- Was zeigt mir dieses Bild über meine Wünsche und Sehnsüchte?

- Welche Gefühle löst das Bild in mir aus? - Freude, Angst, Enge, Weite?

- Welche verborgenen Bedürfnisse werden sichtbar?

- Welche Anteile von mir erkenne ich in diesem Bild wieder?

- Was sagt dieses Bild darüber aus, was mir wirklich wichtig ist?

- Welche Schritte könnte ich im Kleinen gehen, um diesem Bild näher zu kommen?

- Welche Blockaden oder innere Stimmen tauchen in mir auf, wenn ich mir vorstelle, dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen

- Wie würde sich mein Leben verändern, wenn dieses Bild Realität werden würde?

- Welche Ressourcen oder Stärken brauche ich, um mich diesem Bild zu nähern?

- Was möchte mir dieses Bild als Botschaft mitgeben – jetzt, in diesem Moment?

Fantasie in den Alltag holen

Vielleicht hilft es dir auch, Fantasie als Disziplin deines kreativen Geistes wieder mehr in deinen Alltag zu holen. Erlaube dir bewusstes Tagträumen oder versuche deine Tagträume als Botschaft zu verstehen, wenn du dich mal wieder bei Träumereien „erwischt“. Erinnerst du dich noch an deine Lieblingsfantasien aus deiner Kindheit? Taugen sie dir heute noch und kannst du gedanklich in diese Träume zurückkehren? Was haben sie mit deinem Leben gemacht? Kleine Fantasieübungen (im Alltag oder im Journal) können helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und Fantasie als Werkzeug und Kraftgeber wieder mehr zu verinnerlichen. Nutze Fantasiegeschichten oder Fantasiereisen in deiner Meditationspraxis. Oder lasse dich die Kunst der Fantasie von deinen Kindern lehren: Frage (d)ein Kind, wovon es träumt, welche Bilder es sich ausmalt, welches seine liebsten Fantasie-Spiel-Geschichten sind. Erzähle deinem Kind von deinen Kindheits-Träumen oder erfindet gemeinsam Fantasiegeschichten als Spiel. Kinder können und SUPER viel darüber lehren, was Tagträume können!

Ausblick

Entgegen der landläufigen Meinung unter fantasie-gestörten Erwachsenen ist Fantasie keine Flucht aus dem Alltag, sondern eine Ressource, die wir nutzen können. Träume und, ja, auch Tagträume sind eine Weise, wie wir mit unserem Unterbewusstsein in Kontakt treten können und selbstauferlegte Grenzen sprengen können. Für die meisten Menschen ist es schön und erfüllend, mit eben diesem bildreichen Schatz auf dem eigenen Inneren wieder neu auf Tuchfühlung zu gehen. Es kann aber auch sein, dass die Beschäftigung mit deinen Fantasien und Sehnsüchten etwas auf den Plan ruft, womit du nicht gerne alleine bleiben möchtest. Menschen wenden sich an mich, wenn sie ihre Ehe nicht aufgeben und verlieren wollen, aber in Tagträumen immer wieder in ein anderes Leben flüchten und einen anderen Partner an ihrer Seite sehen. Menschen wenden sich an mich, wenn sie spüren, dass ihre Sehnsüchte nach einem anderen Lebensentwurf groß sind, aber die Angst vor den kommenden Schritten übermächtig – oder einfach gar nicht in Sicht.

Wenn die Beschäftigung mit einen Träumen dich zu der Erkenntnis führt, dass du einen neutralen Blick und professionelle psychologische Beratung brauchst, dann kannst du unter Datum & Uhrzeit wählen - Calendly einen Zeitslot buchen (keine Sorge, der ist nicht bindend, sondern nur zur Orientierung, damit es keine Überbuchungen gibt), mir eine Email schicken an sina.schulenberg@gmx.de und mir dein Problem schildern. Ich antworte binnen 5 Tagen nach Erhalt deiner Email – nähere Infos findest du auf meiner Website www.dein-seelenkompass.de/ Ich freue mich von dir zu lesen.

Wenn du den Newsletter magst – vielleicht könnte dann auch meine wöchentlich erscheinende Kolumne etwas für dich sein? Sie ist etwas umfangreicher und erscheint wöchentlich auch im Hörbuch-Audio-Format ab nur 3,50€ im Monat. Unter https://steady.page/en/feelslikesina/posts/3a5b0399-66a7-4cc7-a099-87ef5334edf6 findest du weiterführende Gedanken zum Thema „Die Sehnsucht nach dem radikalen Ausstieg“ - als erster Impuls der Hilfe zur Selbsthilfe, wenn deine Träume von einem anderen Leben dich nicht mehr loslassen.

Nächste Woche wird es in eurem Journaling Kurs gehen um die „Fragment Technik“, um „Splitter schreiben statt Perfektion suchen“. Bis dahin wünsche ich euch, dass ihr den Mut habt, eure inneren Bilder ernst zu nehmen und zu Papier zu bringen – vielleicht erkennt ihr in ihnen die leisen Spuren des nächsten Schrittes!

Eure Sina

Tópico Journaling Kurs

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