wie oft besinnst du dich deiner eigenen Existenz? In welchen Momenten ist dir spürbar bewusst, mit vollem Tragweite, dass du am Leben bist? Und wie viel persönliche Leistung tut dir eigentlich noch gut? Mein Gast Stephan beschäftigt sich sehr viel mit diesen Fragen. Und er versucht, sie sich selbst ehrlich zu beantworten. Sei es in seiner künstlerischen Arbeit und auch privat.
Weil ich das so beeindruckend finde, habe ich ein sehr langes Gespräch mit ihm geführt. Wie geht man mit sich selbst um, wenn der Körper plötzlich nicht mehr funktioniert wie gewohnt? Was bedeutet Erfolg wirklich, und wie wichtig ist Selbstliebe, gerade während persönlicher Krisen? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die wir in der heutigen Folge (Öffnet in neuem Fenster) besprochen haben.
Heute mit einem etwas ausführlicheren Einblick in meine Arbeit, siehe „Vom Schnittpult“ unten.
Vom ewigen Leistenwollen bis zur Ehrlichkeit mit sich selbst – Stephan und der Hodenkrebs
Stephan nimmt uns mit auf seine Reise durch Unsicherheit, Angst und die Suche nach neuer Lebensfreude. Offen erzählt er von kleinen und großen „Erfolgen“ im Alltag, seiner Freundschaft zu sich selbst und der Kunst, sich hin und wieder in den Mittelpunkt zu stellen, ohne egoistisch zu sein. Auch Themen wie Humor, Unterstützung durch Freunde und Familie und der Umgang mit medizinischen Entscheidungen bleiben nicht außen vor – inklusive ehrlicher Einblicke in die Herausforderungen des Krankenhaus-Alltags.
Die Folge regt dazu an, über den Sinn des Lebens, eigene Routinen der Selbstfürsorge und die Bedeutung von Mitgefühl (mit sich und anderen) nachzudenken. Philosophisch, persönlich und mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit: Diese Episode ist ein authentisches Plädoyer für einen liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen, auch und gerade in schwierigen Zeiten.
Das Gespräch wurde aufgezeichnet im April 2024.
Die Themen dieser Folge zusammengefasst:
Die Freundschaft mit sich selbst. Stephan stellt einen ganz besonderen Ansatz im Umgang mit seiner Erkrankung vor: Mit sich selbst so umgehen wie mit einem guten Freund – mit Fürsorge, Geduld und auch mal einem Augenzwinkern. Er erzählt offen, dass es oft schwerer fällt, freundlich zu sich selbst zu sein, als zu anderen Menschen. Aber: „Ich mag mich“, sagt er, und ja, das darf und soll man gern öfter sagen.
Krebs als Zäsur – und als Chance. Stephan beschreibt anschaulich, wie die Krebsdiagnose sein Leben aus der Bahn geworfen hat. Der Wunsch, möglichst schnell wieder „normal“ zu funktionieren, stand im Raum – und führte im Nachhinein zu manch „wahnsinniger“ Entscheidung. Erst ein Jahr später kann er innehalten: „Eigentlich habe ich diese Chance, die dieser Krebs auch gewesen wäre, noch gar nicht wahrgenommen.“ Heute sieht er: Nur wer dem Körper und sich selbst Zuwendung schenkt, kann wirklich heilen – innerlich und äußerlich.
Die Kunst der Selbstfürsorge. Wie kann Selbstfürsorge im Alltag aussehen? Stephan teilt einfache, wirkungsvolle Tipps: sich Pausen gönnen, ohne Druck etwas leisten zu müssen, Bewegung, gutes Essen, Kochen für sich (und andere!), oder einfach mal faul sein dürfen. Und auch kleine Erfolge feiern – zum Beispiel, sich nicht über den nervenden Nachbarn zu ärgern, sondern auch mit ihm freundlich zu sein.
Philosophie & Erfolg. Es wird philosophisch: Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Erfolg? Stephan stellt die Frage in den Raum und bietet eine Alternative zu Leistung und Wettbewerb: Erfolg kann auch bedeuten, sich und andere einfach anzunehmen – bedingungslos.
Umgang mit dem Gesundheitssystem. Stephan berichtet von seinen Erfahrungen mit widersprüchlichen medizinischen Empfehlungen und teils unnötigen Eingriffen. Tipp aus der Folge: Bei Unsicherheit über Therapien oder Diagnosen ruhig eine Zweitmeinung einholen. Gesundheitliche Entscheidungen sind oft komplex – lass dir Zeit und hinterfrage.
Gefühle & Sprache. Stephan spricht über Angst, Hoffnung und die verteufelte Metapher vom „Kampf gegen den Krebs“ – warum „Heilung“ ein stärkeres Bild ist als „Kampf“. Und, ganz wichtig: Die Frage „Wie geht’s dir?“ darf ruhig ehrlich beantwortet werden, nicht nur aus Höflichkeit.
Du möchtest noch tiefer eintauchen? In der Folge findest du Tipps zu Vipassana-Meditation, Buch-Empfehlungen und die Einladung, dich auch mit Selbstmitgefühl auseinanderzusetzen.
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Jumplist
00:02:23 Danke an neues Mitglied
00:02:31 Einleitung und Vorstellung Stephan
00:08:51 Vielfältige Gesichter des Erfolgs
00:11:41 Naturachtung und Menschenverantwortung
00:15:59 Selbstfürsorge ausleben
00:19:06 Gap zwischen Spüren und Tun
00:21:34 Hodenkrebs-Diagnose
00:26:37 Früherkennung: Abtasten der Hoden
00:31:13 Offener Umgang mit Krankheit
00:35:35 Freundschaft zum Körper entwickeln
00:41:22 Wichtige Frage: Wie geht es dir?
00:45:03 Operationen nach Diagnose
00:49:08 Kritik an Behandlung
00:54:41 Missverständnis im Krankenhaus
00:56:04 Patientenmanagement und Kompetenzkonflikte
01:01:35 Neuer Umgang mit sich selbst
01:07:14 Alleinsein und Innenschau-Momente
01:12:35 Selbsterkenntnis durch fremdes Leid
01:18:19 Heilung statt Kampf gegen Krebs
01:23:36 Globale Angst und Menschheitszukunft
01:26:52 Die Sache mit der Kausalität
01:27:32 Kommentare und Bewertung erbeten
01:27:49 Redaktioneller Hinweis
Quellen und Links
S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens (Öffnet in neuem Fenster) (Version 1.1, 2020, Leitlinienprogramm Onkologie)
Überlebenswahrscheinlichkeiten von Hodenkrebs (Keimzelltumoren, Seminome/Nicht-Seminome) (Öffnet in neuem Fenster), Q: IGCCCG 1997; Kier et al. 2017
Hodenabtasten: im Alter von 14 bis 45 Jahren (Öffnet in neuem Fenster) (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.)
„Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“, Gottfried Wilhelm Leibniz: (Philosophy of Min/e/d, Reinhart Gruhn) (Öffnet in neuem Fenster) und Otto Muck, Warum ist überhaupt etwas, Universität Innsbruck (Öffnet in neuem Fenster)
Vipassana-Meditation: Die Achtsamkeits- bzw. Einsichtspraxis Vipassanâ, eine Kernmeditation und -tradition. Hans Gruber, Universität Hamburg (Öffnet in neuem Fenster)
Vipassana-Seminare in der Tradition von Sayagyi U Ba Khin in Österreich (Öffnet in neuem Fenster)
Stephans Website
Buchtipps
Stephan Roiss. Lauter. Jung und Jung, 2024 (Öffnet in neuem Fenster) (unbezahlte Werbung), und hier der Buchtrailer dazu (Öffnet in neuem Fenster)
Stephan Roiss. Triceratops. 2 Auflage, Kremayr & Scheriau 2020 (Öffnet in neuem Fenster) (unbezahlte Werbung)
Links
Dr. Google befragen: Internet vs. Ärzt:innen – sichere Infos über Krebs einholen (Öffnet in neuem Fenster)
Shared Decision Making: Zweite Meinung – Der unschätzbare Wert einer abgesicherten Diagnose (Öffnet in neuem Fenster)
Meditation: Entspannungsübung für den Alltag mit Krebs (Bodyscan und Atemmeditation) (Öffnet in neuem Fenster)
Noch ein philosophischer Gast: Vom Burnout zum Reset – Philosophie und Fahrradbau mit Thomas (Öffnet in neuem Fenster)
Aktuelles (Medienradar)
Darmkrebs-Vorsorge ab 45 – neue Altersgrenze beschlossen
(OTS (Öffnet in neuem Fenster), 16.07.2025) Voraussichtlich ab Oktober 2025 haben Personen ab 45 Jahren Anspruch auf eine kostenfreie Darmspiegelung, fünf Jahre früher als bisher. Der Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger reagiert damit auf steigende Erkrankungszahlen bei Jüngeren. Die Koloskopie bleibt zentrale Maßnahme zur Früherkennung und Prävention einer der häufigsten Krebsarten. Ein wichtiger Schritt in Richtung besserer Vorsorge.
HPV-Impfung bis 30 Jahren bleibt bis Mitte 2026 gratis
(OTS (Öffnet in neuem Fenster), 27.06.2025) Noch eine gute Nachricht für die Krebsprävention: Die kostenfreie HPV-Impfung für unter 30-Jährige wird auch 2026 angeboten, bis Mitte des Jahres. Die Bundes-Zielsteuerungskommission (das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen in Österreich) bestätigt damit die Wirksamkeit der Maßnahme im Kampf gegen HPV-bedingte Krebserkrankungen (Gebärmutterhals, Vulva, Penis, Anus, Mund-Rachen-Raum).
Folgenhinweis: Was ist Glück? – der unverbogene Wolfgang und sein Weg zur Zufriedenheit (Öffnet in neuem Fenster) (Wolfgang hatte HPV-induzierten Zungengrundkrebs)
Mikroplastik in der Lunge: Neue Risiken für die Zellgesundheit
(OTS (Öffnet in neuem Fenster), 15.07.2025) Ein Forschungsteam der MedUni Wien zeigt: Mikroplastik-Partikel, wie Polystyrol-Mikro- und Nanoplastik (PS-MNPs, u.a. in Lebensmittelverpackungen enthalten), können in menschlichen Lungenzellen bösartige Veränderungen auslösen. Die Studie weist erstmals nach, dass die Partikel nicht nur Entzündungen fördern, sondern auch krebserregende Prozesse in Gang setzen könnten. Die Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung von Umweltschutz auch für die Krebsprävention.
Publikation: Journal of Hazardous Materials
Small Particles, Big Problems: Polystyrene nanoparticles induce DNA damage, oxidative stress, migration, and mitogenic pathways predominantly in non-malignant lung cells.
Büsra Ernhofer, Andreas Spittler, Franziska Ferk, Miroslav Mišík, Martha Magdalena Zylka, Lisa Glatt, Kristiina Boettiger, Anna Solta, Dominik Kirchhofer, Gerald Timelthaler, Zsolt Megyesfalvi, Verena Kopatz, Heinrich Kovar, Siegfried Knasmueller, Clemens Aigner, Lukas Kenner, Balazs Döme, Karin Schelch.
DOI: 10.1016/j.jhazmat.2025.139129 (Öffnet in neuem Fenster)
Bis bald!
Alexander
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