
Hier seht ihr Hörlibert – mein SONNET 2 auf der rechten Seite. Seit Dezember 2022 begleitet er mich durch meinen Alltag, und was einst tastendes Erproben war, ist längst zu einem Zustand der klanglichen Verlässlichkeit gereift.
Die Einstellungen sind heute so fein justiert, so präzise auf mein individuelles Hören abgestimmt, dass ich sagen kann: Ich höre – nicht perfekt im absoluten Sinne, aber in einer Weise, die mich trägt. Die mich ruhig werden lässt. Die mir erlaubt, mich im Klang zu verorten. Die allermeisten Geräusche erscheinen mir stimmig, nahezu selbstverständlich – und genau darin liegt ein stilles Glück.
Die linke Seite bleibt dem Blick verborgen. Und selbst wenn ich sie zeigen könnte – man würde sie nicht sehen.
Dort ist Hörmine.
Oder vielmehr: Dort bin ich mit ihr.
Hörmine ist kein äußerliches Gerät, kein sichtbar getragenes Hilfsmittel. Sie ist ein vollständig implantiertes System von MED-EL – und seit Herbst 2024 Teil meines Körpers, meines Empfindens, meines Hörens. Seit eineinhalb Jahren lerne ich mit ihr, lebe ich mit ihr, taste ich mich durch eine Welt, die sich neu zusammensetzt – Schicht um Schicht, Ton um Ton.
Sie ist bei mir – physisch – 24 Stunden am Tag.
Doch nein, sie ist nicht ununterbrochen aktiv.
Das wäre selbst für mein inneres Wiesel ein akustischer Affront von kaum zu bändigender Intensität. Es würde insistieren, rebellieren, vermutlich einen kleinen Aufstand proben.
Auch mit Hörmine verfüge ich über Kontrolle:
Ich kann sie ein- und ausschalten, Programme wählen, Feinjustierungen vornehmen lassen. Ich kann die Mikrofonempfindlichkeit regulieren, sie stumm schalten oder – ganz wie bei Hörlibert – die Telespule aktivieren. Es ist ein Zusammenspiel aus Technik und Selbstermächtigung, aus Präzision und Vertrauen.
Und dann gibt es diese Momente des bewussten Rückzugs:
Wenn ich Hörlibert zur Seite lege und Hörmine allein „sprechen“ lasse.
Trainingsmomente.
Reduzierte Räume.
Ein Lauschen, das sich konzentriert, fast meditativ verdichtet.
Ich hatte mit beiden Systemen, bemerkenswert rasch ein ausgezeichnetes Sprachverstehen. Was – wie bei den meisten – zunächst herausfordernd bleibt, ist der Klang, an den sich das auditorische System erst adaptieren muss. Sprache ist kein statisches Konstrukt, sondern ein fortwährender Trainingsprozess: Laute, Buchstaben, Wörter – sie verlangen nach Wiederholung, nach Kontext, nach Variation.
Nicht jede Hörumgebung ist wohlwollend. Gute Akustik trägt, schlechte Akustik kann zur akustischen Zumutung werden. Räume verändern Klang, und was im eigenen Zuhause vertraut und klar erscheint, kann andernorts fremd und diffus wirken. Das Gehirn ist in diesem Prozess kein passiver Empfänger, sondern ein lernfähiges Organ – ein Muskel im übertragenen Sinne, der insistierend trainiert werden will: Geräusche, Töne, Sprache, selbst Musik müssen immer wieder neu erschlossen werden.
Mein inneres Wiesel hat bereits die Trainingshose angelegt – irgendwo zwischen Achtzigerjahre-Ästhetik und kognitiver Hochleistung, mit Schweißbändern an Handgelenken und Stirn, bereit zur täglichen Gehirn-Aerobic. Und ich gestehe: Ich mag