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Terz – Theorie und Wirklichkeit (noch)

„Terz“ – ein Begriff, der wohl noch jedem aus dem Musikunterricht vertraut klingt. Theoretisch klar umrissen, in den Noten eindeutig verortet, im Ohr der Hörenden unverwechselbar. So weit die Theorie.

Doch bei mir verhält es sich anders. Ich höre sie nicht. Zumindest noch nicht. Hörmine, mein vollimplantiertes CI, benötigt an dieser Stelle weitere Feineinstellungen, und ich – ungleich mehr Training. Beides geht Hand in Hand. Denn die im tiefen Frequenzbereich gespielte Terz klingt für mich zunächst wie ein einziger Ton, ein monotones Grundrauschen mit vielleicht, wenn ich großes Glück habe, hauchdünnen Nuancen. Aber keineswegs so selbstverständlich unterscheidbar, wie es der Natur dieser Intervallbeziehung entspräche.

Musikwahrnehmung ist – nüchtern betrachtet – eine der schwierigsten Disziplinen mit Cochlea-Implantat. Sie verlangt nicht nur Übung, sondern eine fast übermenschliche Geduld. Und sie erfordert das Zusammenspiel mit den Audiologinnen, deren Justierungen den Weg ebnen. Hier wird die Frustrationstoleranz auf eine Probe gestellt, die manch einer kaum für möglich hielte. Während man selbst noch glaubt, das Übungsstück gleiche einem musikalischen Kindergarten voller dissonanter Fragmente, dechiffriert ein anderer CI-Träger bereits fein differenzierte Harmonien und wohltuende Klangfarben.

Hörtraining bedeutet Arbeit – akribisches Erarbeiten einzelner Frequenzen, das tastende Erkennen von Instrumenten, das mühsame Herausfiltern von Moll und Dur.

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