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Menstruation - Nebenbaustellen und paar beschämte Männer😉

Wo also ist sie, diese vielbeschriebene, doch erstaunlich stiefmütterlich beforschte Menopause, wenn man sie einmal dringlichst bräuchte?

Vielleicht sitzt sie irgendwo hinter einem anatomischen Paravent, nippt an einem altrosa Kamillentee – selbstverständlich lauwarm, denn nichts ist in diesem Lebenskapitel noch wirklich heiß – und blättert gelangweilt durch endokrinologische Fußnoten, während wir uns schwitzend, frierend und emotional oszillierend durchs Dasein tasten.

Ich, Diana – gelegentlich auch Frau Krümelkuchen, je nachdem, welche Persönlichkeitsschicht sich gerade durchsetzt – befinde mich seit einigen Jahren in jenem mysteriösen Korridor namens Perimenopause. Jener prekären Zwischenwelt, jener promissorischen Übergangszone, in der der weibliche Organismus beginnt, seine hormonelle Oper in ein neues Register zu verlagern, ohne jedoch vorher den Dirigenten darüber zu informieren.

Ein Raum, der anmutet wie ein Wartezimmer der Evolution:

Zu schade zum Aufgeben, zu reif zum Anfang, zu lebendig zum Verblassen – und zu müde, um darüber noch eine Revolution auszurufen.

Man könnte beinahe meinen, der Körper sei in einer Art biologischer Diplomatie-Mission unterwegs. Einer Phase, in der er versucht, allen noch vorhandenen hormonellen Fraktionen ein letztes Mal zu schmeicheln, um die fragile Innenpolitik des Endokrinums vor dem vollständigen Staatsstreich zu bewahren.

Ein hormonelles Balancing-Act, irgendwo zwischen Hybris und Hilferuf, zwischen assertorischer Gewissheit und subterriner Verzweiflung.

Ich komme also – mit einer Mischung aus Selbstironie und akademischem Enthusiasmus – aus jenem Zeitalter, in dem man Kinder gebärt, Projekte stemmt, Nächte durchwacht und am Ende noch lächelt, obwohl das Leben längst den Stuhl unter einem weggezogen hat. Und nun?

Nun betrete ich jenes zweite Reich, in dem Frauen – so sagt man – allmählich unsichtbar werden.

Nicht, weil wir an Präsenz verlieren, sondern weil die Welt uns nicht mehr anschaut.

Die Ironie könnte nicht größer sein: Gerade jetzt, wo wir endlich wissen, wer wir sind, beginnt die Gesellschaft, die Blickrichtung zu wechseln.

Ich jedoch nicht.

Ich stehe mitten im Leben.

Mit Würde, mit Humor, mit einer Wasserbüffelin im Herzen und einem Wiesel im Nacken, das bei jedem nächtlichen Hitzeschub missmutig die Stirn runzelt.

Seltsam, ja – geradezu paradox –, dass ich diese Zeilen ausgerechnet jetzt schreibe, während mein Unterbauch sich in kriegerischer Formation zusammenzieht. Ich liege gekrümmt da wie eine schlecht gelaunte Hieroglyphenfigur, während mein Uterus offenbar beschlossen hat, ein letztes Mal seine Grandezza zu demonstrieren.

Eine Art menstruelle Ehrenrunde, bevor er sich – promissorisch angekündigt, aber keineswegs verlässlich – irgendwann zurückzieht in jenes mythische Reich, das man „Pause“ nennt.

Und da liege ich nun, zwischen Wärmflasche und Weltschmerz, und sehne mir die verheißene Stille herbei, die sagenumwobene Pause, dieses hormonelle Nirwana, von dem alle reden und das doch keiner je gesehen hat. Eine Pause, die angeblich Befreiung bringt und doch – wie vieles im weiblichen Lebenszyklus – eher einem halbseidigen Versprechen gleicht, das stets im außertischen Raum der Zukunft schwebt.

Ironischerweise wünscht man sich diese Ruhe genau dann am innigsten, wenn der eigene Körper gerade das Gegenteil vollführt: eine infernalische Moritat aus Krämpfen, Hitze, Kälte und diesem schwer zu benennenden diffusen Gefühl der inneren Rebellion.

Ich möchte beinahe wissenschaftlich-präzise protokollieren, welcher neuroendokrinologische Impuls mich dazu bringt, inmitten dieser monatlichen Tortur einem Zustand hinterherzutrauern, der sich im Rückblick vermutlich genauso widerspenstig, dornig und launisch herausstellen wird wie alles davor und danach.

Aber vielleicht gehört gerade das zur weiblichen Biografie:

Dieses eigentümliche Oszillieren zwischen Hoffnung und Hypothese, zwischen biologischer Realität und metaphysischer Selbstbehauptung.

Mein Uterus krampft, als wolle er – in einem letzten Akt archaischer Selbstbehauptung – beweisen, dass er noch immer über ein ganzes Arsenal an kontraktilen Grausamkeiten verfügt. Die Beine versagen, als hätten sie sich kurzerhand aus der Verantwortung gestohlen, und meine Hormone?

Nun, die befinden sich in einem orchestrierten Chaos, das jeder zivilisierten Ordnung Hohn spricht. Ein endokrines Crescendo, das anmutet wie ein Barockorchester unter Leitung eines Dirigenten, der mitten im Stück beschließt, spontan zu improvisieren.

Der ganze Körper gerät in Aufruhr.

Nicht nur der Uterus, nein – auch Bauch und Rücken schließen sich solidarisch an, als wollten sie eindrucksvoll bestätigen, dass Schmerz sich selten lokal benimmt, sondern bevorzugt expansiv. Muskeln verkrampfen, Faszien rebellieren, und das gesamte vegetative Nervensystem meldet sich mit der sanften Eleganz eines Feueralarms.

Und ja – viele Frauen, so auch ich, dürfen in dieser Phase mit einem wenig glamourösen Begleiter rechnen: dem menstruellen Durchfall. Eine Reaktion, die von Prostaglandinen ausgelöst wird, jenen biochemischen Unruhestiftern, die gleichzeitig den Uterus zu Kontraktionen animieren und dem Darm zuflüstern: Mach du auch mal ein bisschen Stimmung.

Es wäre beinahe absurd-komisch, wenn es nicht so erbarmungslos schmerzhaft wäre.

Ich benenne es so explizit, wie es ist.

Unverstellt, unverschönt, ohne Rücksicht auf jene, die lieber in euphemistischen Nebelwolken leben möchten, um ihrer eigenen Betretenheit zu entgehen.

Ich verweigere mich dieser jahrhundertealten Tradition, in der Frauenkörper diskret, verschämt und unter vorgehaltener Hand beschrieben werden sollen – als wäre der weibliche Zyklus eine Art höfische Intrige, die man aus Respekt vor männlichen Errötungen tunlichst verschweigen müsse.

Nein.

Ich spreche es aus.

Weil es Realität ist. Weil es Wissenschaft ist.

Und weil Schweigen nichts anderes tut, als unsichtbar zu machen, was längst sichtbar sein müsste.

Und wenn Männer dann – mit jener eigentümlichen Mischung aus moralischer Entrüstung und pubertärer Peinlichkeit – zu stammeln beginnen „Wie kannst du das sagen? Oh mein Gott, man muss doch nicht ständig darüber sprechen…“, dann überkommt mich ein beinahe mütterlicher Impuls. Ein Impuls, der irgendwo zwischen Milde, Belustigung und einer Resignation siedelt, die nur Frauen in zyklischer Geiselhaft wirklich kennen.

Ich möchte ihnen dann einen schlichten, aber hochwirksamen Ratschlag mitgeben, den nur eine Frau formulieren kann, während sie gerade menstruiert, verkrampft und schwitzend, aber dennoch assertorisch aufrecht in ihrer Wahrheit steht:

Werdet erwachsen.

Mehr verlange ich gar nicht. Keine Seelenwanderung, keine spirituelle Initiation, kein aristotelisches Studium der weiblichen Biologie. Nur: Werdet erwachsen.

Mein Jüngster – ein Teenager, dessen Lebensrealität ansonsten primär aus Memes, Müsli und Marvel besteht – kommt mit diesem Thema besser klar als ihr.

Er fragt nicht betreten, warum ich über Schmerzen spreche, die mich im Zweifel für Stunden außer Kraft setzen.

Er errötet nicht.

Er windet sich nicht wie ein schlecht erzogener Regenwurm im Lichte der Aufklärung.

Er nimmt es schlicht zur Kenntnis.

Er lebt damit.

Er reagiert angemessen.

Kurz: Er zeigt die Art von Aufgeklärtheit, die mancher Vertreter der erwachsenen Spezies Homo sapiens offenbar auf dem evolutionären Weg verlegt hat.

Nehmt euch, bitte, ein Beispiel an diesen Kindern unserer Zeit – jenen jungen Menschen, die ohne großes Pathos verstanden haben, dass ein menstruierender Körper kein moralisches Ärgernis, sondern ein biologisches Ereignis ist. Ein Vorgang, der sich nicht mit Schamglasur überziehen lässt, nur damit niemandem der kulturell konditionierte Blush ins Gesicht schießt.

Bleibt's xund - eure Frau Kruemelkuchen

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