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Konfabulieren – oder: Wenn das Gehirn großzügig ergänzt

Man stelle sich das Gehirn nicht als nüchternen Buchhalter vor, der jede Wahrnehmung säuberlich verbucht. Eher als einen flamboyanten Dramaturgen, der insistiert: Die Lücke muss gefüllt werden. Und zwar jetzt.

Konfabulieren – jenes ebenso faszinierende wie delikate Phänomen – beschreibt nichts anderes als das kreative Ergänzen dort, wo Wahrnehmung fragmentarisch bleibt. Es ist kein Lügen. Es ist ein Akt neuronaler Ökonomie. Das Gehirn verabscheut Vakuum. Es überbordert lieber in Hypothesen, als Leerstelle zu tolerieren.

Gerade im Kontext von Hören und Wahrnehmung wird dieses Prinzip exponiert sichtbar.

Ein Gespräch im Störlärm. Lippenbewegungen, die nicht ganz kongruent zum Gehörten passen. Ein Halbsatz, der im Raum verhallt. Das auditorische System liefert Fragmente – das Kortex-Orchester improvisiert. Es konstruiert Bedeutung, extrapoliert Kontext, schließt promissorisch auf das, was „wohl gemeint“ gewesen sein muss.

Und voilà: Aus „Ei“ wird „Eis“.

Das Kind steht mit einem gigantischen Becher im Wohnzimmer.

Die neuronale Dramaturgie hatte einen anderen Plot.

Das Wiesel und die Büffelin

Ihr Wiesel – man darf es so sagen – konfabuliert mit einer fast barocken Lust. Es füllt nicht nur Lücken, es dekoriert sie. Wenn jemand im Restaurant nuschelt, ergänzt das Wiesel nicht nur das Wort, sondern gleich die implizite Haltung, den Subtext, die vermeintliche Kritik, den sozialen Kontext. Es oszilliert zwischen Sensibilität und spekulativer Überinterpretation.

Die Büffelin hingegen insistiert auf Validität.

Sie prüft, wägt ab, will Evidenz.

Konfabulieren? Nur im Notfall.

Sie weiß: Wahrnehmung ist keine exakte Kopie der Realität, sondern eine probabilistische Konstruktion. Ein kognitives Modell, das permanent aktualisiert wird – Predictive Coding nennt die Neurowissenschaft dieses Prinzip. Das Gehirn antizipiert, vergleicht, korrigiert. Und wenn Daten fehlen, ergänzt es.

Nicht aus Bosheit.

Aus Effizienz.

Die Satire der Gewissheit

Wie köstlich komisch ist es doch, wenn wir mit assertorischer Sicherheit etwas behaupten, das in Wahrheit eine elaborierte Ergänzung unseres neuronalen Systems war.

„Er hat das bestimmt so gemeint.“

„Ich habe ganz klar gehört, dass…“

“Du hast aber dich gesagt, dass….”

Ganz klar. Natürlich.

Das Gehirn nickt würdevoll – während es im Hintergrund noch die Kulissen verschiebt.

Gerade Menschen mit Hörbeeinträchtigung erleben diese Dynamik exponierter. Wo akustische Information nicht abundant

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