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Es gibt Freundinnen.

Und es gibt Freundinnen.

Mit den einen teile ich den flirrenden, leicht überbordenden Humor, jenes subkutane Augenzwinkern, das nur dann funktioniert, wenn man die Ironie nicht erklären muss. Wir konfabulieren uns durch Alltäglichkeiten, sezieren Absurditäten, legen mit chirurgischer Präzision den Sarkasmus frei wie andere den Sonntagsbraten. Ein halber Blick genügt – und das Wiesel hebt bereits eine Augenbraue.

Mit den anderen jedoch – und sie sind rar wie stille Bibliotheken in lärmender Welt – teile ich nicht nur das Lachen, sondern das Denken. Den Geist. Die inneren Architekturen. Dort, wo Gedanken nicht Smalltalk sind, sondern Expedition. Wo Ambivalenzen nicht glattgebügelt, sondern ausgeleuchtet werden. Wo Zweifel Platz haben dürfen, ohne sofort therapiert zu werden.

Sie kennen meine Schatten und insistieren nicht auf Licht.

Sie sehen meine Stärke und exponieren sie nicht wie eine Trophäe.

Sie wissen, wann mein Inneres oszilliert – und bleiben.

Es ist eine Form von Sororisation, die nicht laut ist, nicht flamboyant, nicht inszeniert. Sondern still, abundant, tragfähig. Ein Einverständnis ohne Vertrag. Ein Bündnis ohne Pathos.

Und ja – wir wären vermutlich brillante Ermittlerinnen in einem True-Crime-Podcast. Nicht, weil wir so misstrauisch wären. Sondern weil wir Details hören, Nuancen lesen, Narrative dekonstruieren. Weil wir wissen, dass zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten oft ein ganzes Boudoir an unausgesprochenen Wahrheiten liegt.

Freundschaft ist kein homogener Begriff. Sie ist kein Einheitsmodell. Sie ist eine Konvergenz aus Resonanz, Vertrauen und der Fähigkeit, einander zuzumuten.

Und vielleicht ist das die eigentliche Essenz:

Dass man in manchen Beziehungen lacht – und in anderen atmet.

Es gibt jene Freundinnen, mit denen ich Bücher tausche wie andere Menschen Rezepte. Empfehlungen wandern von Hand zu Hand, mit Eselsohren versehen, mit Randnotizen im Geist. Wir sprechen nicht nur über Inhalte, wir sprechen über Subtexte, über Narrative, über das, was zwischen den Zeilen insistiert. Lesen ist für uns kein Zeitvertreib – es ist eine stille Komplizenschaft.

Und wenn eine von ihnen mir sagt, ihr Morgenkaffee gehöre mir – nicht physisch, sondern geistig –, wenn sie erzählt, dass meine Zeilen sie durch ihr Frühstück begleiten wie eine vertraute Stimme im Hintergrund, dann geschieht etwas Seltenes: Ich werde nicht nur gelesen. Ich werde rezipiert.

Ein größeres Kompliment? Kaum vorstellbar.

Denn Schreiben ist ein exponierter Akt. Man legt Gedanken offen, noch bevor sie vollständig gerüstet sind. Man zeigt Fragilität, Zweifel, Ambivalenz. Und wenn jemand diese Gedanken nicht nur konsumiert, sondern mitgeht, mitdenkt, vielleicht sogar widerspricht – dann entsteht Resonanz. Eine Form geistiger Nähe, die abundant ist an Bedeutung.

Gerade diese Menschen sind für mich etwas Besonderes. Jene, die sich nicht für die Rolle interessieren, die ich vielleicht ausfülle – nicht für das Bild, das andere von mir entwerfen, nicht für jene Maske, die das Leben einem bisweilen exponiert aufsetzt. Sie lieben nicht das Konstrukt. Sie suchen nicht die Funktion.

Sie sehen den Menschen.

Nicht die Mutterrolle, nicht die Dozentin, nicht die Organisierende, nicht die Funktionierende. Sondern mich. In meiner Ambivalenz, meiner Oszillation zwischen Wiesel und Büffelin, zwischen analytischer Strenge und poetischer Weichheit. Sie nehmen mich nicht als Fragment wahr, sondern als Ganzes – mit Brüchen, mit Licht, mit Schatten.

Und das ist keineswegs alltäglich.

Und so erlaube ich mir heute, diesen Text nicht ins Ungefähre zu senden, nicht anonym ins digitale Rauschen, sondern ihn bewusst zu adressieren.

An euch.

An jene Freundinnen und Freunde, die mich nicht als Silhouette wahrnehmen, nicht als Funktionsträgerin, nicht als Summe meiner Verpflichtungen – sondern als Mensch.

Als Frau.

Als denkende, fragende, schreibende Frau.

Als jemand, der zu viel im Kopf hat – und genau darin seine Heimat findet.

Ihr seht nicht nur die Rollen, die das Leben mir zuschreibt wie Etiketten auf einem Aktenordner. Ihr seht nicht nur die Mutter, die Dozentin, die Organisierende, die Funktionierende oder gar die kranke, behindere Frau. Ihr seht die, die nachts noch Sätze verschiebt. Die Begriffe wendet, bis sie passen. Die Zahlen in Strukturen gießt und Gedanken in Syntax. Die versucht, das Überbordende im Inneren in Form zu bringen – in Worte, in Argumente, in Bilder.

Ihr wisst, dass Schreiben für mich keine Zierde ist. Kein dekoratives Hobby. Es ist ein Ordnungsversuch. Eine Reskription des Chaos. Ein behutsames Konfabulieren dort, wo das Erlebte noch keine Sprache hat.

Ich schreibe, um zu klären.

Ich schreibe, um zu verstehen.

Ich schreibe – in der leisen, promissorischen Hoffnung –, dass meine Texte nicht nur informieren, sondern berühren.

Dass sie etwas in Bewegung setzen.

Einen Gedanken.

Ein Innehalten.

Vielleicht sogar ein leises Wiedererkennen.

Und wenn ihr meine Zeilen lest – nicht flüchtig, nicht nebenbei, sondern mit echtem Interesse –, dann geschieht etwas, das ich nicht als selbstverständlich betrachte: Ihr nehmt meinen Geist ernst. Ihr nehmt mich ernst.

Ihr liebt nicht die Maske.

Ihr erwartet keine Performance.

Ihr braucht keine Rolle.

Ihr akzeptiert die Frau, die viel denkt.

Die oszilliert.

Die manchmal insistiert.

Die manchmal zweifelt.

Die mit Sprache ringt – und sie dennoch liebt.

Und so spreche ich heute ein Dankwort – nicht laut, nicht inszeniert, nicht als überbordende Geste, sondern still und klar.

Ich danke für jeden Menschen, der an meinem Leben teilhat. Nicht als Zaungast. Nicht als Kommentator. Sondern als Mitgehender.

Ich danke für jene Freundinnen, bei denen ich die Schutzschichten ablegen darf. Bei denen ich nicht moderieren muss, nicht erklären, nicht relativieren. Bei denen ich sagen darf, was mein Herz berührt – in seiner Zartheit wie in seiner Unruhe. Was mein Kopf gerade ausheckt, analysiert, zerlegt oder neu zusammensetzt. Was mich belastet. Was aus mir hinauswill, insistierend, dringlich, ungefiltert.

Es gibt Gedanken, die sind nicht für den Marktplatz bestimmt.

Nicht für jede Ohrmuschel.

Nicht für jede Deutung.

Und ich bin dankbar für jene wenigen, bei denen ich sie ablegen darf – ohne Verteidigung, ohne rhetorische Politur, ohne Maskierung.

In Wahrheit sind es nicht viele.

Sehr, sehr wenige.

Vielleicht

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