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Wiesel im Karussell

Es gibt Zustände, die sich der eleganten Umschreibung entziehen – und doch verlangen sie nach Sprache, als müsse man ihnen durch Benennung eine Form abringen. Der Schwindel, der mich bisweilen ereilt, gehört zu jener Kategorie ungebetener Phänomene, die sich mit einer fast schon zynischen Vehemenz in den Körper einschreiben.

Dann beginnt sich die Welt zu drehen. Nicht metaphorisch, nicht im poetischen Sinne eines „alles gerät aus den Fugen“ – sondern ganz real, insistierend, unaufhaltsam. Die Augen, sonst zuverlässige Vermittler zwischen Innen und Außen, geraten in ein unwillkürliches Flattern, ein Oszillieren, das jede visuelle Ordnung ad absurdum führt. Ein Nystagmus, der sich weder verhandeln noch beschwichtigen lässt.

Dazu gesellt sich eine Übelkeit, die keine halben Sachen kennt. Sie kommt nicht zaghaft, sondern mit der Selbstverständlichkeit eines alten Bekannten, der nie gelernt hat, anzuklopfen. Im Kopf ein Druck, als hätte sich ein ganzer Bienenstock dort eingenistet – geschäftig, laut, unnachgiebig.

Und so sitze ich da. Stillgelegt von einem Körper, der sich kurzfristig entschlossen hat, seine eigenen Gesetze neu zu schreiben.

Es sind diese Episoden, die sich in ihrer Frequenz einer verlässlichen Planbarkeit entziehen. Tage relativer Ruhe wechseln sich ab mit Momenten, in denen das Gleichgewicht – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – schlicht suspendiert wird. Alltag, dann wieder Ausnahmezustand. Eine gewisse Form der Koexistenz, wenn auch keine besonders einvernehmliche.

Und doch – mein inneres Wiesel, dieses hyperaktive, bisweilen unerquicklich ehrliche Wesen, hat im Laufe der Jahre eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Wo einst Frustration regierte, regt sich nun – man möchte es kaum glauben – Humor.

„Zwei bis drei Stunden Karussell, kostenlos“, konstatiert es trocken, mit einer Nonchalance, die irgendwo zwischen Resignation und subversiver Selbstermächtigung oszilliert.

Die Wasserbüffelin hingegen – stoisch, erdverbunden, mit einer Gelassenheit gesegnet, die man nur bewundern kann – hebt kurz den Kopf, kaut weiter und scheint zu sagen: Es geht vorbei.

Und ja, schwarzer Humor ist hier kein Beiwerk, sondern ein essenzielles Instrument der inneren Stabilisierung. Eine Form der Reskription, vielleicht sogar eine leise, aber entschlossene Auflehnung gegen das Ausgeliefertsein. Denn während der Schwindel tobt und auch noch ein, zwei Tage danach seine Nachwehen in Form von Erschöpfung und Reizbarkeit hinterlässt, bin ich gewiss vieles – aber nicht die personifizierte Heiterkeit.

Und dennoch: Wir – das Wiesel, die Büffelin und ich – verweilen nicht im Zustand der Kapitulation.

Wir schließen die Augen und gehen hindurch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht aus heroischem Übermut, sondern aus schlichter Notwendigkeit.

Und wenn die Augen wieder beginnen, ihre eigentümlichen Tänze aufzuführen, wenn das Bild der Welt erneut zu flirren beginnt – dann, ja dann singe ich. Lauter, als es vielleicht angemessen wäre. Gebe den Takt vor in einem System, das sich gerade jeder Kontrolle entzieht.

Nicht, weil es den Schwindel vertreibt. Das wäre eine allzu naive Hoffnung.

Sondern weil es mir gehört.

Weil in diesem Moment, zwischen

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