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Teilhabe oder Deko - eine Lesung die mich erdete

Ich war mit meiner Freundin bei einer Lesung. In unverfälschter bairischer Mundart, jener betörend eigensinnigen Sprachästhetik, die klingt, als hätte die Region selbst jahrhundertelang an ihr gefeilt. Gruselgeschichten aus Passau, mit einer Leidenschaft vorgetragen, die sich wie akustischer Rauch um die Zuhörerschaft legte.

Soweit so gut — zumindest für jene, die akustisch unversehrt waren.

Während der Autor in charmantem Dialekt die Abgründe des Passauer Alltags ausleuchtete, schlich sich in mir ein anderes, wesentlich subtileres Gespenst ein: jenes der symbolischen Teilnahme. Eine Präsenzform, die äußerlich vollkommen integriert wirkt, innerlich jedoch den Status einer ornamentalen Randfigur einnimmt. Teilhabe oder Deko — dieses binäre Schicksal der Hörbehinderten schlägt in bestimmten Räumen mit fast anthropologischer Präzision zu.

Dialekt, Festsaal und akustische Physik verbanden sich zu einem Trio infernale:

Hörlibert und Hörmine arbeiteten auf Hochtouren, meine Synapsen kochten aber die bairische Phonetik tropfte ihnen durch die digitalen Finger wie unwillige Flüssigkeit. Der Klang zerfaserte, der Sinn erodierte. Ich irrte durch ein auditives Dickicht, in dem Bedeutungen aufblitzten, um sofort wieder zu entweichen.

Das Publikum dagegen lachte. Und wie es lachte.

Diese kollektive, raumgreifende Heiterkeit, die verrät: Der Witz hat gesessen.

Nur dass er bei mir nicht einmal angekommen war.

Die Raumakustik – eine Operette aus Hall, Wandreflexionen und Lautsprechern, die vermutlich seit dem Zweiten Weltkrieg tapfer durchhalten – tat das ihrige. Die bairische Mundart waberte durch den Saal wie semantischer Nebel, aus dem mir nur wenige Inselwörter entgegenschwappten:

„Passau“. „Druntn“. “Eiskoid“. „Heanzl“. - heanzl? Was hab ich da gehört? “Massaker” - ganz sicher.

Ein Wörterbuch der Fragmente, ohne Grammatik, ohne Narrative, ohne Rettungsring.

Ich verstand nichts.

Nicht tendenziell wenig.

Nichts.

Keinen einzigen zusammenhängenden Satz konnte ich erhaschen, erarbeiten, verstehen. Trotz höchster Konzentration, die im Laufe des Abends ihren Hut zog, dich verbeugte und sich einfach verabschiedete.

Und während das Gelächter um mich herum wie ein gesellschaftliches Gütesiegel zirkulierte, merkte ich, wie meine Rolle kippte: von der potenziellen Zuhörerin zur dekorativen Anwesenden. Ein Mensch, der in einem Festsaal sitzt, aber nicht in dessen Wirklichkeit.

Meine Freundin – warmherzig, wach, ohne falsches Sentiment – sah mich an und stellte mit einem einzigen Blick die Verbindung wieder her, die der Raum verweigerte. Ein Blick, der sagt: Ich sehe dich. Auch hier.

Trotzdem blieb das Gefühl:

abgehängt zu sein.

Nicht dramatisch, aber fein sedimentierend.

Ein Zustand, in dem die eigene Existenz zwar notiert, aber nicht adressiert wird.

Und so wurde mir klar:

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