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Zwischen Schwerkraft und Selbstüberschätzung – oder: Wie ich im Hängesessel strandete

Es gibt diese leisen, beinahe unscheinbaren Ideen, die sich zunächst wie ein Versprechen anfühlen. Ein Versprechen auf Komfort, auf ästhetische Stimmigkeit, auf jenes kleine, private Idyll, in dem Lesen nicht bloß Tätigkeit, sondern Zustand ist.

Ich bin – das sei ohne falsche Bescheidenheit konstatiert – eine Vielleserin. Eine Buchraupe von nahezu enzyklopädischer Ortsunabhängigkeit. Ich lese im Café, im Wartezimmer, im Auto auf Parkplätzen, im Park, im Garten, im Bad, im Schwimmbad, auf dem Sofa, am Küchentisch. Lesen ist kein Ort. Lesen ist ein Aggregatzustand.

Und doch – oder vielleicht gerade deshalb – bedarf es bisweilen einer Variation. Einer leichten Verschiebung der Perspektive. Ein anderer Winkel, ein anderer Untergrund, ein anderes Gefühl im Körper. Weg vom Sofa. Hin zum Stuhl. Oder gehend, halb lesend, halb denkend – auch das ist mir nicht fremd.

Und dann war da diese Idee.

Ein Hängesessel.

Man stelle sich das vor: sanftes Schwingen, ein Buch in der Hand, vielleicht ein leiser Wind, der durch die Seiten streicht – eine Szene von fast schon literarischer Selbstgefälligkeit. Und ich mittendrin, in dieser Inszenierung meiner eigenen Lesekultur.

Fand ich die Idee grundsätzlich gut, mich mit gebrochener Rippe in diesen Hängesessel zu fletzen?

Ja.

Saß ich bequem?

Auch ja.

Hatte ich diese Situation zu Ende gedacht?

Mit einer Konsequenz, die im Nachhinein fast schon bewundernswert ist: nein.

Denn was in der Theorie als harmonisches Arrangement erschien, entpuppte sich in der Praxis als biomechanische Herausforderung von nicht unerheblicher Komplexität. Der Hängesessel – zunächst ein Ort des Rückzugs – entwickelte sich zusehends zu einer Art sanft schwingender Falle.

Das Problem lag nicht im Hinsetzen.

Das Problem lag im Danach.

Denn plötzlich war ich nicht mehr Leserin, sondern Versuchsanordnung. Eingebettet in Stoff, umgeben von Schwerkraft und einer Rippe, die ihre Verletzlichkeit mit insistierender Deutlichkeit artikulierte. Jede minimale Bewegung wurde zum Diskurs zwischen Schmerzvermeidung und physikalischer Realität.

Ich begann zu überlegen.

Sehr ernsthaft.

Sehr strukturiert.

Und mit einer inneren Dramatik, die vermutlich jeder Außenstehende als latent überzogen bezeichnen würde.

Wie, so fragte ich mich, erhebt man sich würdevoll aus einem Hängesessel, wenn der eigene Körper beschließt, bei jeder falschen Bewegung einen kleinen, aber präzise gesetzten Protest einzulegen?

Ich prüfte Optionen.

Ein kontrolliertes Aufrichten? Illusorisch.

Ein seitliches Herausgleiten? Mit dem ästhetischen Charme eines gestrandeten Seehunds.

Ein beherztes Hochdrücken? Von der Rippe kategorisch vetoisiert.

In einem Moment bemerkenswerter Klarheit zog ich sogar in Erwägung, die Nachbarin anzurufen.

Mit der dezenten Anfrage, ob sie bereit wäre, mich – möglichst bruchschonend – aus einem Hängesessel zu extrahieren.

Ein Gedanke, der gleichermaßen pragmatisch wie entwürdigend wirkte.

Und während ich dort saß – halb schwebend, halb gefangen –, meldete sich mein inneres Wiesel mit jener nervösen, kaum zu bändigenden Heiterkeit, die es stets dann entwickelt, wenn Situationen eine gewisse Absurditätsschwelle überschreiten. Es kicherte. Unverhohlen. Vielleicht auch ein wenig schadenfroh.

Die Büffelin hingegen blieb gelassen. Sie kaute gedanklich an einem Halm stoischer Vernunft und kommentierte die Lage mit jener ruhigen Selbstverständlichkeit, die fast schon irritierend wirkt:

Das, meine Liebe, ist das Resultat selektiver Voraussicht.

Und sie hatte recht.

Denn manchmal habe ich wirklich ausgezeichnete Ideen.

Ideen von einer fast schon bestechenden Eleganz.

Solange ich sie nicht zu Ende denke.

Doch vielleicht liegt genau darin eine stille Qualität.

In dieser Bereitschaft, sich dem Moment hinzugeben, ohne jede Konsequenz im Vorfeld zu durchdringen. In diesem kleinen, eigensinnigen Trotz gegenüber der permanenten Optimierungslogik des Alltags.

Nicht jede Entscheidung muss rational sein.

Nicht jede Idee muss zu Ende gedacht werden.

Manche dürfen einfach geschehen – mit all ihren komischen, unbequemen, leicht absurden Konsequenzen. (Aber bitte nicht mehr mit gebrochener Rippe)

Und wenn man am Ende in einem Hängesessel sitzt, bewegungsminimal, schmerzvermeidend, leicht verzweifelt und gleichzeitig zutiefst amüsiert über die eigene Hybris – dann ist das vielleicht kein Scheitern. (es war pure Dummheit)

Sondern einfach eine sehr körpernahe Form von Erkenntnis. (Klingt viel besser)

Mit Nachhall.

Und, zugegeben, einem leichten Ziehen in der Rippe. (Grundgütiger waren das Schmerzen)

…. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sitzt sie da noch heute ….

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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