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„Es lohnt sich, hier eine Leitung hinzulegen“

NEWS / WASSERSTOFF IN DER NIEDERLAUSITZ

  1. September 2025

Die Lausitzer Wirtschaft fürchtet, beim Wasserstoff nicht ans Kernnetz zu kommen. Nun gab es Gelegenheit, einen wichtigen Entscheider beim Bund in Cottbus zu überzeugen.

von Christine Keilholz

Von Klaus Müller (Mitte) will Welt Leitungen. In Cottbus bekam er am Dienstag die Banane, die die Lausitz sich wünscht.
Klaus Müller (Mitte) bekam in Cottbus die Banane, die die Lausitz dringend braucht.

Klaus Müller weiß, wie Kommunikation funktioniert. Schwierige Aussagen formuliert man am besten als Ich-Botschaften. „Ich weiß, dass Sie alle hier große Erwartungen haben“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur mit einem breiten Lächeln in den vollen Saal hinein. Dass er diese Erwartungen nicht vollends erfüllen kann, war wohl allen klar, die im ersten Stock der ehrwürdigen IHK-Residenz in Cottbus zusammensaßen.

Die Kammer hatte Müller eingeladen, weil die Lausitz unzufrieden ist mit den Plänen, die seine Agentur für sie hat. Das Bild, das seit einem Jahr alle beschäftigt, ist die Landkarte mit eingezeichneten Linien, aus denen einmal Wasserstoffröhren werden sollen. In diesem Plan des Wasserstoff-Kernnetzes (Öffnet in neuem Fenster), das noch unter dem Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck erstellt wurde, ist die Lausitz ist als Energieregion kaum auszumachen.

Wir haben immer noch eine gestrichelte Linie von Eisenhüttenstadt nach Schwarze Pumpe“, so formulierte Heiko Jahn, Chef der Wirtschaftsregion Lausitz, die Hauptsorge der anwesenden Unternehmer und Manager. Und fragte Müller: „Was muss passieren, dass diese Leitung realisiert wird?“ Diese Linie, die wegen ihrer Form den Spitznamen Banane bekommen hat, muss aus Sicht der Lausitzer Wirtschaft einen sicheren Platz bekommen im Netzentwicklungsplan für Gas, den die Bundesnetzagentur bis Ende 2026 fertigstellen will.

Anschluss an die Autobahn

Dass die Bananentrasse aktuell nur gestrichelt ist, spielte Müller nonchalant herunter: Hauptsache, da ist eine Linie. Doch die Lausitzer Wasserstoff-Szene will sich damit nicht zufrieden geben. Noch steht die Kraftwerksstrategie des Bunds aus, die letztlich darüber entscheidet, welcher Kohlestandort weiterhin Industriezentrum bleiben wird. Insgesamt ist das zu viel Unsicherheit für diejenigen, die Wasserstoff in der Lausitz groß aufziehen wollen - und bereits beträchtlich investiert haben.

Etwa Jochem Schöppler, der mit seiner Firma Euromovement den Flugplatz Drewitz zum Green Areal Lausitz (Öffnet in neuem Fenster) entwickelt. Oder der Amtsdirektor von Peitz, Norbert Krüger, dessen Gemeinde im Schatten des Kraftwerks Jänschwalde liegt, das 2028 als erstes abgeschaltet wird. Krüger liegt viel daran, dass Jänschwalde einen Anschluss an das Netz bekommt. Nicht ans kleinteilige Verteilnetz, sondern an die Wasserstoff-Autobahn, wie der Kommunalpolitiker betont: „Wir hoffen, dass mit den ersten Bauanträgen am Gral das Signal gesetzt wird: Achtung, es lohnt sich, hier eine Leitung hinzulegen.

Und natürlich der Energiekonzern Leag mit seinen 7.000 Beschäftigten, der an seinen drei Kraftwerksstandorten in der Lausitz Gasanschlüsse braucht. Doch bisher ist keiner davon sicher. Die Leag will sich mit Wind, PV, Batterien und Gaskraftwerken neu aufbauen, erklärte Finanzvorstand Thomas Merker: „Die Lausitz Banane ist nicht nur ein bisschen Leitung für die Leag, das ist auch das Signal am die Region, dass wir bei dieser Entwicklung dabei sind.

Wildwest beim Bau

Ihnen allen konnte Klaus Müller nur darlegen, in welchem Spannungsfeld er agiert. Der 54-jährige Volkswirt aus Wuppertal war lange Vorstand der Verbraucherzentralen. Seit dreieinhalb Jahren leitet er die Netzagentur und seitdem will alle Welt Leitungen und Anschlüsse von ihm. Nicht nur aufstrebende Regionen wie die Lausitz, die grünen Strom produzieren und ausliefern wollen. Auf der Abnehmerseite konkurrieren Industrieanlagen, Rechenzentren, Elektrolyseure und Batteriespeicher um Zugang zum Netz. Der sei bis jetzt noch gerecht verteilt, merkte Müller an. Doch nun muss ausgewählt werden.

Müller zeichnete eine aktuelle Lage, in der beim Bau von Anlagen Wildwest-Verhalten herrsche. Baugrundstücke um Konverter herum würden aufgekauft, da spiele Geld keine Rolle. Was Rechenzentren und Batteriespeicher auf den Tisch legten, gehe auf keine Kuhhaut. „Das zu priorisieren, ist nicht die Traumrolle einer Behörde“, sagte Behördenchef Müller. „Oder möchte jemand entscheiden, dass Batteriespeicher wichtiger sind als Elektrolyseure?

Was die regionale Priorität angeht, bleibt der Lausitz ein Nachteil. Noch fehlt ein Betreiber, der die Lausitzer Leitung plant und baut. Agenturpräsident Müller sieht darin kein großes Hindernis. Schlussendlich wird sein Haus Projektträger benennen. Die Auswahl ist inzwischen groß geworden. Um die 680 Netzbetreiber gibt es nach seinen Worten in Deutschland. Doch viele von denen würden sich aktuell noch zurückhalten. Es ist eben noch viel unsicher beim Wasserstoff.

Blauer Wasserstoff macht skeptisch

Wie die Frage der Farbe. Seit dem Mit Regierungswechsel am Bund wird wieder über blauen Wasserstoff diskutiert. Im CDU-geführten Wirtschaftsministerium präferiert man blauen Wasserstoff, der in Kombination mit CO2-Speicherung aus fossilen Brennstoffen entsteht, gegenüber dem rein erneuerbaren grünen. Für Chuma Kanis ist das ein Problem. Kanis baut im Industriegebiet Gral für das österreichische Unternehmen Hy2gen… auf. Für dieses Projekt ist grüner Wasserstoff essenziell. „Wenn ich grünen Wasserstoff in die Leitung gebe mit grauem und blauem, dann habe ich keinen zertifizierten Wasserstoff mehr.“

Auch Ben Schüppel, Geschäftsführer des Referenzkraftwerks Lausitz (Öffnet in neuem Fenster) (RefLau) in Schwarze Pumpe glaubt nicht, dass die CO2-Speicherung CCS die Wasserstoff-Wirtschaft beschleunigt: „Die Prozesse, die dahinter stehen, sind viel zu teuer und aufwendig. Wenn man genau auf die Bilanz von blauem Wasserstoff schaut, wird das nicht viel billiger.

Klaus Müller bekannte sich offen dafür, seine Netze mit allem verfügbaren Wasserstoff zu fülllen. Er sei da für die nächsten Jahre nahezu farbenblind: „Wir werden froh sein, wenn wir Wasserstoff kriegen, egal welche Farbe“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur auf dem Podium. Darauf entgegnete Mario Ragwitz, Chef des Fraunhofer IEG in Cottbus: „Ein bisschen CO2-arm sollte es schon sein.

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