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Wie kriegen wir eine stabile Langzeitbeziehung hin?

Silvia Fauck weiss, wie Langzeitbeziehung geht. Sie hat nicht nur mehrere Bücher zum Thema geschrieben, sondern wird auch regelmässig von Tv-Sendern interviewt und coacht in Berlin wie digital.

Viele Paare sind lange zusammen, aber nicht unbedingt dauerhaft glücklich. Oder ist das vielleicht auch zu viel verlangt? Liegt es vielleicht an uns selbst? Was kann ich meinem Partner zumuten und was kann er oder sie vor mir verlangen? Einige Probleme sind vielleicht auch hausgemacht? Zeit, jemand zu fragen, der sich damit auskennt und Themen enttabuisiert wie Silvia Fauck! Sie ist psychologische Beraterin, Buch-Autorin, Beziehungs- und Life Coach, kennt sich mit Liebeskummer, alltäglichen Lebenskrisen, Beziehungsthemen jeglicher Coloeur, Kindern, Job und Schwiegereltern aus. Manche folgen ihr auch gerne wegen ihres sensationellen Interiorgeschmacks in ihrer deutschlandweit bekannten Liebeskummerpraxis in Berlin, in der RTL ständig zu Gast ist. Aber wir inhalieren jetzt lieber mal ihr Wissen…

 

Silvia, was ist aus deiner Sicht entscheidend, damit eine sehr lange Beziehung gut bleibt?

Ich finde, für eine sehr lange Beziehung, die grundsätzlich in Ordnung ist und das auch bleiben soll, ist es ganz wichtig, dass man die Kommunikation miteinander nicht verliert. Dabei geht es nicht nur um die Kommunikation als Paar, sondern auch darum, Freunde zu haben und Dinge auch mal dort zu besprechen. Man muss nicht jedes kleine Problem immer nur miteinander wälzen, das kann auch überfordern. Es gehört zu einer guten Partnerschaft auch ein Umfeld dazu.

Man sollte auch mal mit Freunden reden können und hören, wie es bei anderen läuft. Zum Beispiel ganz banal: Saugt dein Mann auch mal? Räumt der die Waschmaschine aus? Solche Gespräche entlasten. Und auch Männer sollten sich austauschen können. Wenn mein Mann beim Tennis zu einem Freund sagt, meine Frau ist gerade nicht gut drauf oder vielleicht in den Wechseljahren und man sollte etwas Rücksicht nehmen, dann ist das für mich völlig okay und daraus entsteht häufig auch mehr Verständnis.

 

Du sprichst oft von „Raum lassen“ in Beziehungen. Was bedeutet das konkret?

Ich glaube wirklich, dass sich viele Menschen in Beziehungen zu wenig Raum lassen. Mein Mann möchte zum Beispiel auch mal drei Tage mit seinen Kumpels an die Ostsee fahren. Früher hätte ich vielleicht gedacht, das gefällt mir nicht. Aber genauso muss auch eine Frau mal mit einer Freundin ein Wellnesswochenende machen können.

Man muss auch außerhalb der Partnerschaft stattfinden. Vielleicht geht der Mann regelmäßig mit Leuten aus seiner Branche essen, seine Frau trifft sich einmal im Monat mit Kolleginnen. Da tauscht man sich aus. Wir kleben nicht wie ein vermeintliches Traumpaar ständig aneinander. In der Psychologie nennt man das tatsächlich „Raum lassen“.

Und selbst wenn jemand dieses Bedürfnis nicht so stark hat, sollte man dem anderen trotzdem die Freiheit lassen. Es geht darum zu wissen: Ich könnte das tun, ohne Drama. Dieses Vertrauen entspannt eine Beziehung enorm.

 

Du sagst auch: Freiheit reduziert Konflikte. Wie meinst du das?

Je mehr Freiheit man sich gegenseitig lässt, desto weniger wird sie eingefordert. Das gilt bei Kindern genauso wie in der Partnerschaft. Das fängt bei ganz banalen Dingen an, etwa finanzieller Eigenständigkeit oder Freizeitgestaltung, und hört beim Handy oder persönlichen Rückzugsräumen nicht auf. Es geht nicht darum, Luxus zu kaufen oder Kontrolle zu haben, sondern darum, dass jeder seinen eigenen Bereich behalten darf.

Wenn beide wissen, sie könnten jederzeit eigenständig handeln, entsteht weniger Druck. Und weniger Druck bedeutet meist weniger Streit.

 

Ein großes Thema in Langzeitbeziehungen ist unterschiedliche Entwicklung. Was passiert, wenn einer sich weiterentwickelt und der andere scheinbar stehen bleibt?

Das kommt häufig vor. Der eine entwickelt sich beruflich oder persönlich weiter, der andere bleibt gefühlt eher in alten Mustern. Dann bewegt man sich zeitweise auf unterschiedlichen Ebenen. Wichtig ist zu verstehen: Entwicklung verläuft nicht synchron.

Es gibt Phasen, in denen man sich weniger nah fühlt. Einer ist vielleicht beruflich extrem eingespannt, krank oder emotional belastet. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Beziehung schlecht ist. Man muss sich immer wieder neu finden. Geduld ist da entscheidend. Manchmal hat jemand eine Phase – plötzlich wird jeden Morgen gejoggt oder ein neues Hobby dominiert den Alltag. Oft reguliert sich das wieder. Entscheidend ist, dass beide grundsätzlich in dieselbe Richtung wollen.

 

Wie wichtig ist gemeinsame Zeit wirklich? Viele Paare setzen sich da enorm unter Druck...

Gemeinsame Zeit ist wichtig, aber sie muss realistisch sein. Dieses Ideal vom wöchentlichen Date-Abend funktioniert mit kleinen Kindern oft schlicht nicht. Betreuung organisieren, Arbeit, Krankheiten der Kinder – das Leben ist komplex.

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, es flexibel zu halten. Manchmal reicht ein gemeinsames Frühstück einmal im Monat. Oder ein spontanes Essen gehen, wenn eine Oma Zeit hat. Aber was bringt es, wenn man einen Babysitter hat, aber die Kinder weinen und man selbst angespannt im Restaurant sitzt? Gar nichts!

Mit älteren Kindern wird es automatisch einfacher. Und gemeinsame Zeit kann auch zu Hause stattfinden: zusammen kochen, bewusst essen, einfach mal sagen, heute machen wir etwas Schönes zusammen, egal wie klein es ist.

 

Ein Klassiker sind ja die kleinen Macken des Partners. Wie geht man damit langfristig um?

Ganz ehrlich: Man sollte sich nicht dauerhaft über Kleinigkeiten aufregen. Das nasse Handtuch auf dem Bett, die nicht ausgeräumte Spülmaschine – das sind keine großen Beziehungsthemen. Wenn man sich nach 15 Jahren Ehe immer noch darüber beschimpft, läuft etwas schief.

Mit einem Augenzwinkern akzeptieren, dass der andere eben bestimmte Eigenheiten hat, hilft enorm. Es ist kein Fremdgehen, es ist keine Respektlosigkeit – es ist einfach Persönlichkeit. Und meistens bringt der Partner andere Qualitäten mit, die viel wichtiger sind.

 

Offene Beziehungen werden häufiger diskutiert und sind ja fast „in“ bei so manchem Promipaar. Wie stehst du dazu?

Ich persönlich lehne das ab. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen: Das funktioniert nie. Oft verliebt sich einer doch stärker, und dann entsteht Schmerz. Der Übriggebliebene ist totunglücklich. Gerade mit Familie halte ich das für schwierig. Wenn man sich entscheidet, ein Paar zu sein, sollte diese Entscheidung klar sein. Natürlich kann man ohne Kinder ausgehen, Zeit getrennt verbringen, aber emotionale Verbindlichkeit halte ich für zentral. Wenn Menschen sagen, wir gehen ab und zu in die Kiste, ohne Kind und Kegel, von mir aus, das kann okay sein. Aber wenn wir ein Paar sind, mit Ring, geht das immer nach hinten los. Und ich kenne mich nach 23 Jahren im Coaching etwas aus.

 

Butter bei den Fischen beziehungsweise ab ins Bett: Wie verändert sich der Sex in langen Beziehungen?

Sex verläuft oft in Wellen. Am Anfang ist vieles intensiv, später kommen Kinder, Stress, Krankheit, Müdigkeit. Dann wird es weniger. Das ist normal. Wichtig ist nur, dass es nicht komplett einschläft.

Der Sex wird oft bewusster, rücksichtsvoller, weniger spontan vielleicht, aber oft auch tiefer. Lange Beziehungen werden stark vom Alltag beeinflusst. Wenn beide abends erschöpft sind, schläft man eben manchmal vor dem Fernseher ein. Das gehört auch dazu. Deshalb muss man nicht alles in Frage stellen.

 

Was hilft, wenn Distanz entsteht?

Reden – aber ohne Druck. Ich finde es schwierig, direkt nach einem langen Arbeitstag ein „Wir müssen reden“ aufzusetzen. Da will man ja gleich davonlaufen! Besser sind ruhige Momente, beim Frühstück oder Küche aufräumen, nebenbei. Da kann man auch mal in Ruhe sagen: „Du, das hat mich verletzt.“ Häufig hat es der andere gar nicht so gemeint.

Und was man nicht vergessen darf: Auch der stärkste Mann erlebt Veränderungen, gesundheitlich, emotional, beruflich. Nur sprechen sie oft weniger darüber. Man sollte das genauso ernst nehmen wie bei Frauen. Ein Partner kann auch mal ausgelaugt sein oder Orientierung brauchen. Das gehört zu einer langen Beziehung dazu.

Eine schöne Methode ist auch, sich gegenseitig Wünsche aufzuschreiben. Nicht als Forderungskatalog, sondern als Impuls. Vielleicht merkt der Partner dann, dass ein Hobby zu viel Raum einnimmt und reduziert es ein wenig. Es geht nicht darum, alles sofort umzusetzen, sondern Verständnis zu entwickeln. Schön sind auch kleine Gesten: Ein Zettel in der Jackentasche, eine kleine Nachricht, ein „Du bist mir wichtig“. Das stärkt Respekt und Wertschätzung. Diese Basis sollte nie verloren gehen.

 

 

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Insta: silvia_fauck_coach_krisen 

Disclaimer

 

 Und wie immer gilt der Haftungsausschluss: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachkräfte. Für Schäden oder Folgen aus der Anwendung der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen Fragen wendet euch bitte an eine medizinische Fachperson. Für Inhalte externer Webseiten, auf die wir verlinken, übernehmen wir keine Haftung. Für diese Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Bei Kenntnis rechtswidriger Inhalte entfernen wir entsprechende Links nach Hinweis umgehend. 

 

 

 

Kategorie MINDSET & PERSPEKTIVE

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