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Überraschend schnelle Erholung gefällig? Wie wäre es mit Gartentherapie?

Ort des Geschehens: Links der See, rechts Isländer Tandri, der auch mittherapiert werden wollte und links unten mein neues Lieblingsplätzchen, die Kopfweide

 Kennst du Gartentherapie? Ich auch nicht. Bis vor wenigen Tagen. Vor dem inspirierenden Interview mit Anny Nadine, die mit ihrer Familie auf einem Katamaran lebt, wusste ich nicht mal, dass man diese zwei Substantive zusammen bringen kann. Obwohl es so logisch ist, denn Pflanzen erden und Erdung ist extrem gesund, entlastest uns, reduziert Entzündungen und neutralisiert freie Radikale. Na dann…bin ich dabei!

 

Experten sprechen übrigens auch ganz professionell von Horticultural Therapy oder auch gerne mal von „green care“. Dabei wird durch gezielte gärtnerische Aktivität Körper,Psyche und soziale Kompetenz gestärkt. So wird ganz nebenbei nicht nur das Immunsystem unterstützt. Gärtner sollen ja das beste Darmmikrobiom haben. Die Bewegung an der frischen Luft senkt nachweislich Stress, soll sogar die Konzentration verbessern und Naturreize beruhigen das Nervensystem. Pflanzen und die Natur ansich liefern etwas, das in unserem digitalen Alltag oft fehlt: sichtbare, greifbare Ergebnisse - mit allen Sinnen erlebbar. Man spürt dass etwas funktioniert – und das wirkt. Und man verbindet sich einfach wieder mit der Natur.

 

Neu ist das Konzept nicht, aber wen juckt´s? Man muss das Rad nicht immer neu erfinden; Hauptsache, es rollt.  Im 18. Jahrhundert waren wir sogar so schlau, dass Gärten in Kliniken genutzt wurden, um die Heilung zu unterstützen. Jetzt haben wir uns einfach zu weit von ihr entfernt, immer die gleiche Feststellung.

 

„Wir machen das Remote", erklärt mir Anny, sie an Deck in Griechenland, ich in norddeutscher Pampa daheim. An dem Vormittag, an dem wir uns verabreden, scheint die Sonne, der Himmel ist herrlich blau, beste Voraussetzungen.

„Geh' einfach los und fühle, was du wahrnimmst," ist eine meiner ersten Anweisungen. Klingt erstmal nicht so "deep", wie meine Teenie-Tochter sagen würde. Ist es aber schon, wenn man es zulässt. Ist wie mit allem im Leben: Mach‘ es richtig, geh‘ mit Leidenschaft an die Sache, fliege mit dem Flow- und es ist wow.

 

Für gewöhnlich ist mein Vormittag eng getaktet, denn es ist die einzige Zeit, in der ich in Ruhe ohne „Ich hab' Hunger!“/ „Ich hab‘ mich gestoßen!“/ „Was soll ich machen?" arbeiten kann. Um 12.40 ist Schule schon wieder vorbei und dann möchte ich meistens viele Striche auf der To-do- Liste haben. Heute ist aber meine Arbeit Therapie. Praktisch.

 

Anny fragt mich, wo ich bin und was ich sehe, als ich am Zaun unserer Pferdeweide stehe. Es ist ganz schön laut auf der Weide. Schnatterkonzert. Ständig startet und landet wer: Enten, Gänse, zwei Schwäne. Wusste gar nicht, dass ich an einer Einflugschneise für gefiederte Freunde wohne. Ein Reh blinzelt aus ein paar Brombeersträuchern. Unser Isländer Tandri kommt vorbei und guckt, ob ich Möhren oder Schwarzkümmel- Leckerli dabei habe. Seine Nüstern pusten mich warm an. Danach stehe ich plötzlich auf dem Zaun. Bilder meiner Kindheit ziehen mit den landenden Enten vorbei. Als Teenie hatte ich eine Balancierphase. Als Kind bin ich untendrunter durchgerodelt. Und während Anny mich bittet, weiterzuziehen, dahin, wo es mich hinzieht, bin ich überrascht, was meine Füße so machen. Die gehen zu einer frisch beschnittenen Kopfweide, die sich über das Moor lehnt, das als See an unsere Pferdewirte grenzt. Sie bietet einen wunderbaren Sitzplatz über der Wasseroberfläche. Das Wasser ist glatt wie ein Spiegel, es sei denn der Entenflugverkehr zerteilt das Nass beim touch down. Das Geschnatter ist herrlich, die Sonne warm und ich frage mich, warum ich nicht häufiger hier bin und die To- do Liste in den Müll werfe.

 

„Nein, falsch, es muss ein Punkt auf der Liste werden! Du musst dir Entspannung gönnen. Trag‘ dir den Termin ein, als to- do, für dich. Um Kraft zu tanken, wie fühlt sich die Kopfweide an?" fragt Anny aus Griechenland.

„Gut."

„Warum hast du sie dir ausgesucht? Wie sieht sie aus? Habt ihr was gemeinsam?" Ich mustere das gestutzte Geäst:

„Ja, irgendwie schon. Sie ist ja frisch gestutzt. Ein bisschen wie ich." Mein Leben mit 3 Kindern im Alter von 16,9 und 6 ist gerade etwas intensiv. Drei kleine Mikrokosmen, der eigene, der als Eltern und Ehepaar, Job, Haushalt. Es gibt Tage, die haben nicht genug Stunden. Da hätte ich gerne 48 statt 24 am Stück. Was normal ist in diesem Abschnitt, denke ich, aber man muss sehr auf sich aufpassen. Die Fremdbestimmtheit stülpt sich manchmal über einen wie das Fremdschämem bei Castingshows. 

Ja, mein Vater hat dieses Foto gemacht, aus großer Distanz. Nicht der Knaller qualitativ, aber ich freue mich daran. Er schrieb dazu: "Die Seejungfrau auf der Kopfweide", was ich sehr lustig fand. Credit: Dr. Jörn Funck

 „Die Kopfweide ist wie du: Sie kann jetzt gerade nicht so austreiben, wie sie vielleicht gerne würde, aber sie wird es bald wieder." Ich muss schmunzeln. Und schlendere sehr entspannt und zuversichtlich zurück. Ich werde wieder austreiben. I like. Anny, die auch Dreifachmama ist, hat mal wieder Sätze gesagt, die ich mir gedanklich übers Bett hänge. Nur durch die Blume, pardon Kopfweide. Und das auch noch per Telefon. Wir kennen uns "nur" ein Interview lang, aber der Effekt ist riesig. Wir legen fröhlich auf und der restliche Tag fließt nur so dahin und fühlt sich an wie ein einziger Spaziergang. Was so eine Garten- Therapie alles kann! Speichere mir jetzt gleich mal meine neuen To-dos in Form von Weiden-Pausen für die Woche ab und denke noch kurz an Annys Worte: „Wenn du dich bewusst mit der Natur verbindest, kommt alles von alleine. Sie bietet dir alles, was du brauchst.“

 Ps. Mein Mann und auch mein Papa waren so fasziniert von meiner Garten-Therapie, dass sie mich unaufgefordert fotografiert haben. So kennen sie mich nicht. Noch nicht. 

Wer Anny und Familie folgen oder Kontakt aufnehmen und selbst eine Gartensession buchen möchte, findet sie hier auf Insta:

 @sailinggarden &

@mostory.sailing 

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Kategorie MINDSET & PERSPEKTIVE

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