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Auswandern, um anzukommen: Wie Franziska Ebertowski endlich das Leben lebt, das ihre Seele wollte!

Ein paar Momente aus Franziskas neuem Leben. Muss man nicht kommentieren, oder?

 Franziska Ebertowski, 46, machte vor 4 Jahren Schluss mit Deutschland. Es gefiel ihr und ihrem Mann einfach nicht mehr und so ließen sie und drei ihrer Kinder ihr Leben hinter sich: Ein Hamburger Leben mit Porsche, Traum-Stadthaus, Ferienwohnung an der Ostsee, viel Konsum, Regen und Stress. Ihr Ziel: Kroatien, ohne ein Wort kroatisch zu sprechen. In den folgenden Jahren entdeckten sie viel Neues: Gärtnern, ein Leben ohne Schule, Reisen, um zu wachsen. In anderen Worten: Sie fingen an, so frei zu leben wie niemand, den sie kannten. Und stellten fest: Afrika passt als zweite Base auch ziemlich gut zu ihnen. Ein Interview über das Auswandern, ein Leben ohne Schule, ohne Zwänge und was das mit einem macht.

 

 Franziska, warum seid Ihr ausgewandert?

Mein Mann Olli und ich haben, seit wir uns kennen, immer wieder darüber gesprochen, woanders leben wollen. Aber das mit 5 Kindern richtig zu timen, den idealen Zeitpunkt zu finden, war schwierig. Als meine älteste Tochter zu meinem Ex-Mann gezogen ist, waren es „nur noch“ 3 von 5. Und der letzte Tropfen auf den heißen Stein war Corona: Ich fand es furchtbar, wie mit den Kindern umgegangen wurde, wie sie sich in der Schule selbst testen mussten, der Druck war unmenschlich. Meine Kinder zu Hause zu lassen, war auch ein erster Schritt in dieser Zeit. Dann war noch eine Überlegung mit dem Auswandern zu warten, falls meine große Tochter wieder zurückziehen will. Aber irgendwann war klar: Im Falle des Falles muss sie eben mitziehen. Wir wollten einfach nicht mehr in Deutschland bleiben: Die Schulpolitik, das Klima, das Migrationsthema, das Gesundheitswesen. Die Liste der Dinge, die wir nicht mehr wollten, war einfach zu lang.

 

Wann war der Moment, in dem du dachtest: „Verdammt, vielleicht war das doch keine gute Idee?“

Den gab es nicht. Wir sind ja erstmal nach Kroatien gegangen. Zu merken, dass Geld dort viel mehr bedeutet, als ich es bisher kannte, war seltsam. Man muss ja fast von Geldgeilheit sprechen, im Zusammenhang mit der Administration. In Kroatien gibt es nichts ohne Bezahlung. Dass die Menschen in der Hauptsaison andere Menschen sind als zur Nebensaison, das war neu für mich. Die riechen das Geld der Touristen förmlich. Und sobald die Urlauber das Land wieder verlassen, ist sich jeder selbst der nächste. Frei nach dem Motto: Ohne Moos nix los! Da habe ich mich gefragt: Ist es das, was ich will? Diese Mentalität war nicht meins. Ich habe immer gerne Menschen geholfen- auch ohne finanzielle Gegenleistung.  Das ist mein Wesen. Und das war auch einer der Gründe, warum wir uns weiter umgesehen haben. Wir wohnen zwar nach wie vor in Kroatien, sind jetzt aber auch temporär in Afrika zu Hause. Ich möchte mich nicht mehr komplett beschränken lassen. Nichts ist für immer. Aber weg zu gehen war generell für uns immer die richtige Idee.

 

 Okay, anders gefragt: Wie häufig und in welchen Momenten denkst Du, dass es richtig war?

Ständig. Dieser Schritt, das wir gegangen sind, war richtig. Das denke ich das erste Mal morgens, wenn ich meine Kinder um 10.00 zum Surfkurs an den Strand fahre und das glasklare Wasser sehe. Anschließend denke ich es wieder, wenn ich mit meinem Mann den ersten Spaziergang mache und einen Kaffee trinke, egal ob in Kroatien oder Afrika. Auch im Laufe des Tages taucht der Gedanke wieder auf, wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die mich kaum kennen, und die dann plötzlich sagen: „Ruf´ mich jederzeit an, wenn du Hilfe brauchst. Ich bin da!“ Damit meine ich solche Menschen, die es ernst meinen und auf die man sich verlassen kann. Das gibt es ja kaum noch. Meine Teenie-Tochter Lenchen backt für die Nachbarn Sauerteigbrote und im Gegenzug gießen sie unseren Garten, wenn wir mal nicht da sind. Man achtet aufeinander. Meine Kinder sind safe, weil meine Nachbarn eben auch ein Auge drauf haben, alle sind füreinander da in unserer afrikanischen Comunity in Südafrika. Empathie, echtes Interesse, Menschlichkeit, ohne dass es dich etwas kostet, ohne dass wir uns 10 Jahren kennen müssen, ohne die gleiche Sprache zu sprechen. Das habe ich gesucht.

 

Wie sieht Euer Alltag aus?

Unsere Kinder sind Freilerner und gehen nicht zur Schule. Deshalb stehen wir erstmal zu ganz unterschiedlichen Zeiten auf. Lenchen geht morgens laufen und backt dann Brot. Meine jüngeren Zwillinge Till und Fee schlafen länger. Mein Mann Olli ist um 6.00 Uhr wach und kümmert sich um Aktien und Onlinesachen. Ich gehe zum Yoga. Im Anschluss treffen wir uns alle um 10.00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Danach machen alle eine Stunde Schule, jeder anders, ganz individuell: Manchmal lesen die drei eine Stunde und machen Matheaufgaben. Dann suchen wir uns bestimmte Themen raus, diskutieren auch mal eine Stunde am Tisch über Politik. Häufig schreiben wir uns Listen mit Fragen, wenn wir unterwegs sind: Warum ist beim Orka die obere Flosse abgeknickt?  Und in dieser Stunde recherchieren wir und besprechen das dann. Mal geht es um mehr um Mathe, mal Deutsch, mal Bio. Dann gehen mein Mann und ich meistens am Meer spazieren, die Kinder fahren Skateboard oder spielen, gefolgt von anderthalb Stunden Surfkurs. Abends haben sie noch 3 Mal die Woche online Englischunterricht bei Abraham, einem Lehrer aus Tansania. Und dann gehen wir meistens alle früh ins Bett. Generell sind wir alle viel draußen, manchmal angelt mein Sohn Till 2-3 Stunden lang, das liebt er. Das freie Lernen ist die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben, finden wir. Man merkt erst dadurch so deutlich, wie unterschiedlich die Kinder sind. Alle drei haben zum Beispiel völlig andere Lösungsansätze und Ideen, wie man Matheaufgaben rechnen kann. Jeder kann so lernen, wie er will, und muss keine vorgegeben Wege benutzen. Was die Inhalte angeht, fokussieren uns auf das Wichtigste. Wurzelziehen gehört nicht dazu. Prozentrechnung, malnehmen, teilen, addieren, subtrahieren natürlich schon. Interessant ist auch, wie die Kinder sich den Stoff beibringen oder sich Eselsbrücken bauen: Till leitet sich alles mit Fußballergebnissen und Mannschaftsaufstellungen ab. Lenchen lernt halt beim Backen in Maß- und Literangaben, wenn sie ihren eigenen Sauerteig ansetzt.  Ihr neustes Projekt sind jetzt selbstgebackene Franzbrötchen. Sie entwickelt gerade ihre eigene Back-Brand, „Oh my Franz“, Franzbrötchen für Kapstadt. Wir werden demnächst das erste Mal auf einem Markt verkaufen. Das wird spannend und es passt gut zu uns als ursprüngliche Hamburger. Lenchen kümmert sich um alles selbst, backt, entwickelt, ruft sogar selbstständig das Gesundheitsamt an. Ich staune immer wieder. Meine kleine Fee tanzt sehr gerne, entwirft eigene Choreografien und hilft mir beim Pflanzen meiner Heilkräuter. Außerdem macht sie Wäsche für alle. Till sammelt das Regenwasser und sorgt dafür, dass der Tank und die Gießkannen voll sind, damit es im Garten läuft. Außerdem ist er ein kreativer Zauberer geworden, der sich eigene Zaubertricks ausdenkt und Stunden mit dem Entwickeln verbringen kann. Das sind alles Aufgaben, die sie mit Freude übernehmen.

 

Wenn alle ständig aufeinander hocken, ist Streit dann kein Thema?

Nein, gar nicht mehr. Es war mir nicht bewusst, dass 90 % der Streitigkeiten von außen entstehen. Ich muss diese bestimmten Sneaker haben, für die Klassenarbeit lernen, pünktlich zu dem Sportkurs. Das haben wir alles nicht mehr. Sie diskutieren vielleicht mal über ein T-Shirt, aber das ist selten. Alle 2 Wochen passiert das mal. Wir sprechen auf Augenhöhe miteinander. Wenn ich mal sage, ich brauche meine Ruhe, dann sagen alle „Ok!“ und ich kann mich zurückziehen und ausruhen. Dadurch merkt man erst einmal: Der Druck ist weg. Davon gibt es ja genug: Der Klamottendruck in der Schule ist Wahnsinn! Meine Kinder brauchen das nicht mehr. Sie tragen inzwischen secondhand und sind happy. Keiner sagt hier, du bist uncool. Die Kinder laufen fast immer barfuß herum. Das ist auch für mich so erlösend und befreiend.

 

Welche Wahrheit über das Auswandern erzählt dir niemand? Was sollte man vorher wissen?

Man muss bereit sein, sich zu verändern. Man kann nicht erwarten, dass alles so bleibt, wie es ist. Dann wird man nicht glücklich. Man muss bereit sein, alles hinter sich zu lassen und von vorne anzufangen. Alleine ist es natürlich anders, aber wenn man zu zweit geht, sollte man einer Meinung sein, und zwar, dass dieser Traum Priorität hat. Gleiches gilt für die Kinder natürlich. Man muss bereit sein, diesen Plan zu leben. Das ist der häufigste Grund, warum Auswanderer scheitern, wenn man sich nicht einig ist oder nur einer wirklich gehen will. Ansonsten gilt: Einfach springen. Wenn man den Partner hat, der am gleichen Strang zieht, sollte man nicht mehr warten. Geld ist hilfreich, wenn man finanziell einen guten Background hat, dann ist alles einfacher. Aber ich sehe auch, es gibt überall Chancen, Geld zu verdienen. Man muss vielleicht vom hohen Ross runter, aber das tut nur gut. Ich sehe es bei mir selbst: Ich habe meine eigene Überheblichkeit abgelegt, ich bin auch durch Hamburg im Porsche Cayenne gefahren und hatte 23 Hosen im Schrank liegen. Vielleicht muss man dahin zurück, wo man herkommt, einfach ursprünglicher leben. Dazu muss man bereit sein.

 

Vermisst du irgendwas?

Nur Franzbrötchen (lacht!). Aber das war das einzige. Als Familienprojekt kommen die jetzt ja quasi zu mir zurück. Und, klar, Freunde, Situationen, die schön waren, vermisse ich auch. An die denke ich hin und wieder. Wenn ich in Deutschland zu Besuch bin, fühle ich mich aber nicht mehr wohl. Ich merke, dass die Menschen sich verändert haben. Wenn ich meine eigenen Kinder sehe, die hier geblieben sind, wie die im System drinstecken, wie wenig Menschlichkeit da übrigbleibt, weil das System sie kaputt macht, werde ich traurig. Meine beste Freundin aus Ahrensbök hat einen Bauernhof mitten in der Natur, da laufen Rehe und fliegen seltene Vögel. Jetzt werden hektarweise Solarplatten hingestellt. Die ersten 2 Monate war sie emotional angefasst, aber dann ist sie emotional abgestumpft, weil sie nichts dagegen machen kann. So empfinde ich die Stimmung in Deutschland: Abgestumpft, weil man so vieles nicht ändern kann.

 

Welche Begegnung oder Situation im neuen Land, egal ob Kroatien oder die zweite Base Afrika, hat dich am meisten über dich selbst überrascht?

Am meisten überrascht bin ich darüber, wie sehr mich Sport erfüllt. Und dann erinnere ich mich daran, dass Bundesliga-Judo, schwimmen, einfach Bewegung mal mein Leben war. Ich hatte es nur vergessen. Über die Schule, den Stress, den Alltag mit den Kindern. Vor 7 Wochen habe ich angefangen, täglich 1,5 Stunden Sport zu machen, sogar eine Tanzausbildung habe ich gemacht. Ich habe immer nach etwas gesucht, was mich beruhigt und jetzt weiß ich, dass es Bewegung war. Mein Körper braucht das, meine Seele braucht das, ich habe es nur nicht mehr wahrgenommen. Ich würde von mir sagen, ich habe 10 Jahre nichts gespürt, habe nur konsumiert und getan, was man von mir erwartet hat. Dabei habe ich an Dingen festgehalten, an denen man nicht festhalten muss, die man nicht mal braucht. Wenn man den für sich richtigen Platz auf der Welt gefunden hat, findet man auch das wieder, was einen ausgemacht hat. Es ist wie eine lange Reise zu sich selbst. Mich selbst würde ich auch noch nicht als angekommen bezeichnen, aber ich bin auf dem Weg dahin. Man fühlt sich wieder wie als Kind. Vielleicht muss man dafür auch nicht auswandern, nur das richtige Fleckchen Erde finden, das einen glücklich macht. Das Korsett im Alltag loszuwerden, darum geht es. Manchmal fragt mich auch jemand, warum wir so häufig umziehen, weil er es nicht versteht. Mir ist das völlig egal. Ich würde auch nicht mehr sagen, dass es für immer der gleiche Ort sein muss. Dafür kenne ich mich zu gut. Der Ort, an dem man wieder zu sich selbst findet, kann sich auch ändern. Auch das ist okay. Das Gefühl, wieder man selbst zu sein, ist jede Reise wert.

 

Mehr über Franziska erfahrt Ihr auf Ihren Instaseiten @hejhappynewlife und @oh_my_franz

 

 

 

Kategorie REISEN

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