SACHBUCH-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)
Die gute Nachricht zuerst: Es kommen Pinguine vo (Öffnet in neuem Fenster)r in Pauline Stockmanns Lass mal über ANXIETY reden. Die weniger gute: Das Beispiel mit ihnen beschreibt ein ungesundes Beziehungsmodell (Öffnet in neuem Fenster). Allerdings das einer Menschperson. Und es passt wiederum sehr gut zum Untertitel des intensiv-kurzweiligen Sachbuchs: Unsicherheiten verstehen, Anspannung lösen, dich selbst besser kennenlernen. Nun ist sich selbst (besser) kennenlernen nicht immer leicht und ebenso wenig immer schön.

Dank Stockmanns Ton, Ein- und Ansichten, Kompetenz wie Witz und durchaus einigem Charme, auch wenn es dunkler wird, gehen die neun Kapitel plus Vor- und Schlusswort einigermaßen solide ohne Panik(attacken) über die Bühne (Öffnet in neuem Fenster). Glaubt es der Person, die es kurz nach Erscheinen im März und direkt nach einem Klinikaufenthalt mit Geschwindigkeit aber ohne Gehetztheit gelesen und dabei einiges gelernt hat (Öffnet in neuem Fenster). Nicht nur über sich selbst.
Die klinische Psychologin in psychotherapeutischer Weiterbildung klärt zunächst Begrifflichkeiten und macht deutlich: Anxiety, „das It-Girl unserer Generation“ ist mitnichten ein „Blondinenproblem“, wie es der Poetry-Slammer (besser Poetry als anderes) Stef von einem wohl weniger nützlichen Vertreter des Psycho-Fachs einmal gesagt bekam, als es um seine Depressionen gepaart mit diversen anderen Herausforderungen ging (nachzulesen in Schwul. Sexy. Depressiv. – queer review in Kürze).
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/f2573a28-a810-4e36-9431-22d8a4d44523 (Öffnet in neuem Fenster)Begrifflichkeiten werden eingehend erläutert, ebenso das „Problemfeld“ des Zuviel-Fühlens (und es zu äußern) (Öffnet in neuem Fenster). Als Kinder bekamen wir da ja gern gesagt: „Lass das (Öffnet in neuem Fenster)“, „sei nicht so viel (Öffnet in neuem Fenster)“, „nerv nicht (Öffnet in neuem Fenster)“, „das ist unhöflich (Öffnet in neuem Fenster)“, usw. usf. Weiters geht es darum, nun doch über die Angst zu reden: mit Freund*innen, Partner*innen, Ärzt*innen – und eben sich selbst (Öffnet in neuem Fenster). Wir sollen (und können) mit „unseren verletzten Anteilen per Du“ sein und akzeptieren, dass nur zu funktionieren eben nicht besser/gesünder/sinnvoller/gewinnbringender ist, als zu fühlen und das zu wissen. Ursachenforschung gepaart mit Kommunikation-Skills. Nimm das, CV!
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/80b2cd20-61dc-433b-afe6-e24b5a2f5fbc (Öffnet in neuem Fenster)Ebenso betrachtet Pauline Stockmann auch die Zusammenhänge von ADHS, bipolarer Störung sowie Suchterkrankungen, etwas das hier durchaus auf offene Ohren und mindestens einen (nicht mehr) rauchenden Kopf stößt. Nicht nur einmal stellt sie sich, die sehr offen über eigene Ängste und Wege spricht sowie diverse verfremdete Fallbeispiele nennt, und uns die Frage, ob und wie es möglich sein kann, unseren Ängsten einen Sinn zu geben (Öffnet in neuem Fenster).
Da laut einer von Stockmann zitierten Studie, jede dritte Frau und jeder vierte bis fünfte Mann in Deutschland innerhalb eines Jahres die Kriterien für mindestens eine psychische Störung erfüllen, ist es höchste Zeit, dass wir uns diversen Fragen stellen. Gerade bei Männern mag die Schwierigkeit hinzukommen, dass sie ungern ihren „Maskulin-Panzer“ abstreifen (Öffnet in neuem Fenster). Eine harte Depression, die in Alkohol ertränkt wird, mag noch okay-ish sein (der ewige Mad Man). Aber eine Angststörung, ANXIETY, nein, nein, es kann nicht sein, was nicht ein darf.

Es wird, da bin ich ganz bei Pauline Stockmann, Zeit die Realität anzunehmen, den emotionalen Widerstand so zu verringern. Ständige Dissoziation bei voller Geschwindigkeit jedenfalls kann es nicht sein. Ganz im Gegenteil. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist das Buch, mit einigen nützlichen Praxistipps, sozusagen Anti-Panik-Quickies, Atemübungen und Co., eine volle Empfehlung. Dazu sei gesagt, dass ich ihr Werk, in der Form das erste seiner Art, mit offenem Kopf wie Herz und Sinn für die Problematik gelesen habe.
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/7b77c1fa-8a65-406e-9a7b-d3f33a83781f (Öffnet in neuem Fenster)Ob Lass mal über ANXIETY reden als Geburtstagsgeschenk für die fahrige Kollegin, Mitbringsel für den womöglich manisch-depressiven Ex-Partner oder statt einer Flasche Crémant als Gastgeschenk für den eventuell allzu Substanz-affinen guten Freund taugt, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Tendenz geht allerdings eher in Richtung: Einfach mal machen. Vielleicht führt es ja zu einem ehrlichen Gespräch. (Nur nicht vor einer Gruppe, auf einer offiziellen Veranstaltung, o. Ä. Generell nie. Weder so noch so. Das ist für beide Seiten und mehr unangenehm. Glaubt’s mir.)
AS
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Eine Leseprobe findet ihr hier (Öffnet in neuem Fenster).
Pauline Stockmann: Lass mal über Anxiety reden. Unsicherheiten verstehen, Anspannung lösen, dich selbst besser kennenlernen (Öffnet in neuem Fenster); März 2026; 224 Seiten; Klappenbroschur; ISBN: 978-3-407-86935-7; Beltz Verlag; 22,00 €
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/38d2b654-b6da-4c95-b36b-5a68d69bb1a4 (Öffnet in neuem Fenster)